Leserforum
Theorie und Praxis
Ein Leserbrief von Claudine Als zum Tageblatt-Artikel vom 2. Juli 2026 (‚Raviolisbéchsen‘ für 72 Stunden).
Zum Tageblatt-Artikel vom 2. Juli 2026 (‚Raviolisbéchsen‘ für 72 Stunden): Seit Herbst 2025 wurde die Bevölkerung unseres Landes mehrmals aufgefordert, einen Notfallkit für den Ernstfall anzulegen, um gegebenenfalls 3 Tage autark zu Hause ausharren zu können, bis die Luft „rein“ sei. Die Bürger sollten mental darauf vorbereitet sein, sich im Falle einer durch Krieg, Naturkatastrophen oder kriminelle Taten bedingten Krise in Deckung zu bringen. So weit, so gut in der Theorie. Welches jedoch ist die Strategie, falls ein Ernstfall wirklich eintritt?
Eine echte Krise war Anfang März gegeben, als die Straße von Hormuz blockiert, die gesamte Region des Golfes von iranischen Drohnen und Raketen getroffen und die zivile Luftfahrt ausgesetzt wurde. US-Präsident Trump hatte sein Vorhaben gegenüber dem iranischen Volk klar angemeldet: … „Help is coming“ … „Help is on its way“ … Zudem fuhr der größte amerikanische Flugzeugträger bis ins östliche Mittelmeer; sicher nicht zum Spaß! Die Touristen aus Luxemburg und der EU, die trotzdem die Reise in die Gegend des Golfes von Ormuz antraten, waren also vorgewarnt.
Der luxemburgische Staat half den rund 550 Reisenden aus der Großregion dann jedoch aus der Patsche, indem eilends Extraflüge organisiert und damit die Sicherheit gewährleistet wurde. Dabei spielte der Staat den Rundumversicherer, indem die zahlreichen kostspieligen Repatriierungen gänzlich vom Steuerzahler beglichen wurden. In Belgien hingegen wurde den solcherart Heimreisenden eine symbolische Gebühr von 600 Euro (1/4 der reellen Spesen) pro Kopf verrechnet. Das bewusst eingegangene Risiko der Gestrandeten war also in Luxemburg gratis zu haben, nicht jedoch in Belgien. Sind denn die Reisenden aus Luxemburg an den Golf in der Regel Sozialfälle?
Ist es logisch, dass der Staat Theorie predigt, im Ernstfall jedoch die Karte „… alles gut, war nicht so schlimm, das Fest kann weitergehen …“ spielt? Wäre es nicht konsequent gewesen, in dieser Krise den Betroffenen eine interessante Lektion zu erteilen, indem man sie für ihr wenig intelligentes Verhalten finanziell zur Verantwortung zieht?
Schade für die verpasste Gelegenheit, Konsequenz im Bereich der Resilienz und der Krisenbewältigung zu beweisen. Die Regierung wäre gut beraten, an Überzeugungskraft durch konsequentes Handeln zu gewinnen. Somit würde der Aufruf zum Einsatz der Bevölkerung besser in den Köpfen ankommen. Denn unsere Welt ist leider so instabil geworden, dass der nächste Ernstfall tatsächlich schon heute oder morgen eintreten könnte.