Editorial

Wer soll das bezahlen? Gemeinden zwischen Personalsuche und angespannten Budgets

Die Gemeindeverwaltungen sollen verstärkt auf hoch qualifiziertes Personal setzen. Bei einer angespannten Budgetlage ein schwieriges Unterfangen.

Neujahrsempfang Syvicol mit Diskussion zur Zukunft der Gemeindeverwaltungen und kommunalen Entwicklung

Beim Neujahrsempfang des Syvicol wurde u.a. über die Zukunft der Gemeindeverwaltungen gesprochen Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante

Luxemburgs Gemeindeverwaltungen müssen weiter modernisiert werden, so Innenminister Léon Gloden (CSV) vergangene Woche beim Neujahrsempfang des Gemeindesyndikats Syvicol. Die Aufgaben der Kommunen werden immer vielfältiger und stellenweise komplexer.

Der Modernisierungsprozess ist dabei bereits in vollem Gange. Ein auf nationaler Ebene einheitliches Bautenreglement und das Prinzip „Silence vaut accord“ dürften sowohl den Bürgern als auch den Gemeindebeamten das Leben erleichtern. Die Modernisierung wird sich jedoch nicht auf prozedurale Vorgänge beschränken: Auch die Qualifikationen des Personals sollen nach dem Willen von Innenminister Gloden an die neuen Gegebenheiten angepasst werden. So soll der Gemeindesekretär künftig über ein Universitätsdiplom verfügen müssen. Gloden sprach von Juristen und Ökonomen, die benötigt würden.

Das stellt die Gemeinden allerdings vor eine weitere Herausforderung: Wie sollen die zusätzlichen Gehaltskosten für A1- oder A2-Karrieren gestemmt werden? Diese Frage stellten sich nicht nur die anwesenden Gemeindevertreter beim Neujahrsempfang. In den Budgetdiskussionen wurde in den allermeisten Gemeinden in den vergangenen Jahren zunehmend auf die hohen Personalkosten hingewiesen.

„Die goldenen Jahre sind vorbei“, meinte etwa der Düdelinger Bürgermeister Dan Biancalana (LSAP) bei der Haushaltsdebatte im Dezember. Zugleich wies er darauf hin, dass Personal rekrutiert werden muss, um den Anforderungen an die Verwaltung gerecht zu werden.

In den kommenden Jahren wird das Spannungsfeld zwischen komplexeren Aufgaben und angespannten Budgets weiter zunehmen. Kommunen müssen immerhin nicht nur in Personal, sondern auch in Infrastruktur, Mobilität und viele andere Bereiche investieren, um für kommende Aufgaben gewappnet zu sein.

Doch nicht nur der Kostenfaktor könnte bei der Personalsuche zum Problem werden. Gemeinden sollen auch immer größere Schwierigkeiten haben, Mitarbeiter in hohen Karrieren zu halten. Viele würden zum Staat oder sogar in die Privatwirtschaft abwandern, heißt es aus Gewerkschaftskreisen. Hinzu kommt, dass einige Kommunen in den vergangenen Jahren und Monaten nicht gerade Werbung für eine Karriere im Gemeindesektor gemacht haben, wie die Fluktuationsraten in einzelnen Gemeindeverwaltungen verdeutlichen. Mobbingvorwürfe und Streitereien im Schöffen- oder Gemeinderat tragen nicht zu einem angenehmen Arbeitsklima bei. Ob Glodens „Rappel à l’ordre“ an die gewählten Gemeindevertreter beim Neujahrsempfang hier Abhilfe schafft, muss sich noch zeigen.

An der grundsätzlichen Ausgangslage ändert das jedoch nichts: Die Gemeinden benötigen gut ausgebildetes Personal. Jedes Unternehmen und jede Verwaltung sind auf qualifizierte Mitarbeiter angewiesen.

Eine Modernisierung der Gemeindeverwaltungen ist notwendig, damit sie ihrer Rolle als Serviceprovider gerecht werden können. Doch bei allem Umbruch und allen Veränderungen bleiben die Gemeinden die ersten Anlaufstellen für die Alltagsprobleme der Bürger. Die Verwaltung braucht daher nicht nur Akademiker, die theoretische Konzepte erarbeiten oder juristische Gutachten verfassen, sondern auch Mitarbeiter, die wissen, was Bürgernähe bedeutet.

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