Editorial

War „vun der Long op d’Zong“ gestern? Luxemburg braucht wieder mehr Deutlichkeit

Die USA verschärfen den Ton gegen Europa in bislang nicht gekannter Manier. Luxemburg hört zu. Und reagiert arg bedacht.

US-Präsident Donald Trump stellt mit seinen Plänen für Grönland neben der Politik in Europa auch jene in Luxemburg vor große Herausforderungen.

Europa inzwischen offen feindlich gesinnt: Trump am Freitag in Mar-a-Lago Foto: dpa/Julia Demaree Nikhinson

Die USA sind Europa inzwischen offen feindlich gesinnt. Was sich seit Monaten ankündigt, lässt sich seit der immer konkreter werdenden Übernahme von Grönland und den Strafzöllen gegen mehrere europäische Staaten wegen ihrer Unterstützung Dänemarks nicht mehr leugnen. Es ist die vorerst letzte Eskalationsstufe, die Trump und sein Umfeld in ihrem Angriff auf die Europäische Union und damit auf ihre Werte und ihren Wohlstand gezündet haben. Europa muss Trump nun mit breiter Brust entgegentreten. Doch Luxemburg positioniert sich bislang eher verhalten. Das treibt mitunter bizarre Blüten.

So etwa beim Neujahrsempfang der Industriellenvereinigung Fedil. Dass ein Elefant im Raum sitzt, wird bei den Ansprachen klar. Die Redner des Abends, Fedil-Präsident Georges Rassel, SES-Chef Adel Al-Saleh und Premier Luc Frieden, beklagen die Gefahren für die Weltordnung und die geopolitische Instabilität. Den Grund, warum nichts mehr ist, wie es vor Kurzem noch war, nennt keiner. Der Elefant im Kreis der mehr als 1.000 geladenen Gäste in der Luxexpo ist zierlicher Gestalt und trägt wallendes blondes Haar. Ganz vorne sitzt Stacey Feinberg, die seit November sehr aktive US-Botschafterin in Luxemburg. Und damit sitzt da auch ein bisschen Donald Trump.

Der Zerfall der Weltordnung bleibt folglich an diesem Abend eine eher schwammige Angelegenheit. Im gewohnten Rahmen der Luxexpo klammert man sich lieber an die bekannten Sündenböcke fest, wenn es schlecht läuft: die Freizeit der Menschen und die Regeln, die Umwelt und Konsumenten schützen sollen. Im Namen der 750 Betriebe der Fedil fordert Rassel wie im vergangenen Jahr mehr Deregulierung. Woran auch Feinberg kaum Anstoß finden dürfte. Und Frieden ruft das Jahr 2026, kurz vor der Büffeteröffnung, zum Jahr der Wettbewerbsfähigkeit aus.

Derweil bekommen Feinberg und Trump Gegenwind in den sozialen Medien. Dort bewarb die US-Botschafterin ein Austauschprogramm für 16- bis 18-Jährige an einer amerikanischen Universität. Was sonst für viele ein Traum war, ist für die meisten offenbar inzwischen eine Horrorvorstellung. Dafür spricht der Shitstorm, der sich in den bis Sonntag mehr als 400 Kommentaren unter dem Video-Post der US-Botschaft in Luxemburg entwickelt hat. Grundtenor: Ihr Amis tickt doch nicht mehr richtig, junge Menschen aus Luxemburg zu euch einzuladen, während ihr die einst stolzeste Demokratie der Welt in eine Autokratie umbaut, die ICE-Schlägertruppe Terror auf euren eigenen Straßen verbreitet und ihr Europa nicht erst seit der drohenden Übernahme von Grönland zum Feind erklärt habt.

Die Stimmung in Europa ist längst gekippt. Gefühlt lässt sie sich so zusammenfassen: Fast niemand mag mehr die USA und nahezu jeder findet Trump ziemlich abscheulich. Das scheint auch in Luxemburg nicht viel anders zu sein – was in argem Kontrast steht zu den offenkundigen Artikulationsproblemen der Luxemburger Regierung, wenn es darum geht, das Kind beim Namen zu nennen. Während sich Friedens Kommunikation das Wochenende über auf einen Post auf X begrenzte, forderte Außenminister Xavier Bettel immerhin NATO-Generalsekretär Mark Rutte zum Handeln auf. Die Sicherheit der Arktis müsse innerhalb der NATO diskutiert werden.

Klar, höflich zu bleiben, ist immer wichtig. Doch auch wer die Stimme der Vernunft sein will, muss hörbar sein. Das geht nicht ohne klare Worte – die am besten nicht nur von Bürgerinnen und Bürgern auf Social Media kommen sollten. Doch „vun der Long op d’Zong“ war offenbar gestern. Dabei braucht es auch in der Diplomatie manchmal Deutlichkeit.

1 Kommentare
Manfred Reinertz Barriera 19.01.202608:15 Uhr

ES sind eben jetzt andere Zeiten angebrochen, Amerika zeigt sich von seiner hässlichen Seite unter diesem pompösen POTUS als imperiale Grossmacht, die sich überall durchsetzen will und nur ihre eigenen Interessen vertreten tut. Hoffentlich begreifen die andern Nationen endlich, dass es andere Zeiten sind und dass auch Amerika unser Feind sein kann...und nicht Russland oder China...

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