Editorial
Keinen Gefallen getan: Russische und belarussische Athleten bei den Paralympics
Am Freitag beginnen die Paralympischen Winterspiele. Anstatt jedoch über die Athleten zu reden, steht vielmehr die Entscheidung im Fokus, dass russische und belarussische Sportler wieder unter ihrer Flagge antreten dürfen. Damit hat sich das IPC keinen Gefallen getan.
Wie bei Olympia dominiert auch bei den Paralympics derzeit das Politische Foto: AFP/Janek Skarzynski
Nach Olympia ist bekanntlich vor den Paralympics, und so werden am Freitag im Amphitheater von Verona die 14. Paralympischen Winterspiele eingeläutet. Insgesamt stehen 79 Medaillenentscheidungen in sechs verschiedenen Sportarten auf dem Programm. Teilnehmen werden mehr als 650 Sportler aus rund 50 Nationen. Für sie ist es eine der noch immer seltenen Gelegenheiten, sich und ihren Sport einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren. Denn noch immer führt der paralympische Sport eher ein Schattendasein.
Dass die Paralympics die Massen jedoch bewegen können, das wurde 2024 in Paris deutlich. Es waren Rekordspiele, die neue Maßstäbe in Sachen Zuschauerinteresse setzten. Einige Beispiele: Vor anderthalb Jahren wurden 2,4 Millionen Tickets verkauft. 349,8 Millionen Menschen weltweit verfolgten die Eröffnungsfeier, was die Abschlussfeier betraf, waren es 193,6 Millionen. Laut einer Studie, die vom Internationalen Paralympischen Komitee (IPC) in Auftrag gegeben wurde, gab es 12.941 Stunden an Berichterstattung, die von den Inhabern der Medienrechte und globalen Medienanstalten übertragen wurden, davon 10.428 Stunden Live-Sport.
Eine Erfolgsstory, die das IPC auch gerne bei den Winterspielen in Italien weiterschreiben möchte. Doch anstatt über die Aktiven und die verschiedenen Disziplinen wird derzeit vor allem über ein Thema geredet: die Rückkehr der russischen und belarussischen Sportler, die nicht wie bei den vor zwei Wochen zu Ende gegangenen Olympischen Spielen als neutrale Athleten, sondern erstmals bei einem solchen Großevent wieder unter ihrer eigenen Flagge antreten dürfen. Sollte einer von ihnen Gold holen, würde auch die Nationalhymne ihres Landes gespielt werden.
Mit dieser Entscheidung hat sich das Paralympische Komitee sicher keinen Gefallen getan. Bereits bei der Verkündung folgte Kritik aus der Ukraine, die weder ihr Team noch offizielle Vertreter zur Eröffnungsfeier schicken wird. Verständlich, wenn man alleine schon bedenkt, dass einige ukrainische Athleten durch den Krieg in ihrer Heimat schwer verwundet wurden.
Inzwischen haben auch weitere Länder wie die baltischen Staaten oder Deutschland mitgeteilt, dass ihre Teams nicht beim Einmarsch der Nationen in Verona dabei sein werden. Aus Deutschland heißt es, dass diese Entscheidung, neben der Konzentration auf die bevorstehenden Wettkämpfe, auf dem „Anliegen, die solidarische Haltung gegenüber der ukrainischen Delegation respektvoll zum Ausdruck zu bringen“ beruhe. Wie das Publikum vor Ort auf die russischen und belarussischen Sportler reagieren könnte, wurde bereits bei der Eröffnungsfeier der Winterspiele deutlich, als etwa das israelische Team und US-Vizepräsident Vance ausgebuht wurden.
Wie bei den Olympischen Winterspielen dominiert also auch jetzt das Thema Politik. Es ist schade für die paralympische Bewegung, dass das rein Sportliche derzeit kaum Erwähnung findet, denn die Paralympics und ihre Athleten haben auf jeden Fall viel mehr zu bieten.