Kommentar
Starre CNS-Regeln kollidieren mit alltäglichen Pflichten der Versicherten
Veraltete Ausgangsregeln der Gesundheitskasse CNS sorgen für absurde Alltagssituationen. Flexiblere Bestimmungen sind nötig, um den Lebensrealitäten der Versicherten gerecht zu werden.
Während der ersten fünf Krankheitstage herrschen in Luxemburg sehr strenge Ausgangsregeln Foto: Editpress/François Aussems
Eins vorweg: Arbeitnehmer in Luxemburg sind besser geschützt als in vielen anderen Ländern. Niemand muss sich krank zur Arbeit schleppen, weil bezahlte Krankheitstage fehlen oder deswegen der Job wackelt. Das ist ein hohes Gut. Doch gerade deshalb fällt umso stärker auf, wie lebensfremd manche Regeln der Gesundheitskasse wirken.
Die Statuten der CNS stammen im Kern aus dem Jahr 2009. Seither wurden sie nur sporadisch angepasst. Im Alltag vieler Versicherter wirken sie aus der Zeit gefallen. Das zeigt sich bei den Ausgangsregeln während der ersten fünf Krankheitstage. Wer krankgeschrieben ist, darf die Wohnung nur für den Kontrollärztlichen Dienst, Behandlungen, Diagnostik oder den Gang zur Apotheke verlassen. Dazu kommen wenige Ausnahmen. Selbst eine auswärtige Mahlzeit muss vorher angekündigt werden.
Die Regelungen führen mitunter zu kaum nachvollziehbaren Situationen. Das Quasi-Ausgangsverbot, das Krankgeschriebene unabhängig von der Art der Erkrankung – egal ob gebrochenes Bein oder schwere Depression – ihrer Grundrechte beraubt, macht sie zu Gefangenen in ihren eigenen vier Wänden.
Eltern sind ein Beispiel für eine Bevölkerungsgruppe, aus der die absurdesten Dilemmas entstehen. Denn wer krankgeschrieben sein Kind aus der Kita oder von der Schule abholt, verstößt faktisch gegen die CNS-Regeln. Wer es nicht tut, verletzt möglicherweise seine Aufsichtspflicht.
Aber es gibt noch weitere Situationen: Hundebesitzer sollen ihr Tier fünf Tage ohne Ausgang lassen? Für schwer Depressive, Grippekranke und Menschen mit Knochenbrüchen gelten die gleichen Bestimmungen? Und auch der Kühlschrank füllt sich nicht von selbst.
Natürlich, mit nur rund 100 Kontrollen pro Monat, also durchschnittlich fünf pro Tag, ist die Wahrscheinlichkeit, erwischt zu werden, nicht sonderlich hoch. Und vielleicht drückt die CNS in diesen Fällen auch mal ein Auge zu. Doch genau das ist das Problem. Bürger sollten nicht auf Gnade hoffen müssen. Regeln müssen praktikabel sein und darum braucht die CNS unbedingt flexiblere Ausgangsregelungen.