Editorial
Politische Unentschlossenheit bremst die Elektromobilität – nicht die Technologie
Die Elektromobilität ist technisch längst bereit. Warum dennoch viele beim Verbrenner bleiben, liegt weniger an Reichweite oder Preisen als an politischen Signalen und einem ungleichmäßigen Ausbau der Ladeinfrastruktur.
Der Ausbau der Ladeinfrastruktur ist entscheidend für den Erfolg der Elektromobilität Foto: Editpress/Didier Sylvestre
Das Autofestival hat begonnen, und für viele Menschen scheint ein Verbrenner noch immer die beste Option zu sein. Das liegt nicht nur an den europäischen Autoherstellern, sondern auch an politischer Unentschlossenheit auf europäischer und lokaler Ebene. Dabei ist eines klar: Die Elektromobilität ist faktisch entschieden – aber die Politik handelt weiterhin so, als sei sie optional.
Die Faktenlage ist eindeutig: E-Autos sind energieeffizienter, umweltfreundlicher und leiser als Verbrenner. Obwohl sich die Technologie ständig weiterentwickelt, sind batteriebetriebene Fahrzeuge jetzt schon in vielerlei Hinsicht besser als konventionelle Fahrzeuge. Und trotzdem stockt der Verkauf der E-Autos in Luxemburg. Mitschuld daran trägt auch die Politik.
Die EU-Kommission sorgte mit ihrer Ankündigung, vergangenen Dezember, das Verbrennerverbot ab 2035 abzuschwächen, für neue Unsicherheit. Sie ersetzt ein klares Ziel mit einer 90-Prozent-Lösung – und sorgt für Planungsunsicherheit für Industrie und Konsumenten. Statt konsequent zu handeln, weicht die EU unter dem Druck jener zurück, die den technologischen Wandel jahrelang verschleppt haben.
Europäische Hersteller hinken chinesischen Anbietern vor allem beim Preis-Leistungs-Verhältnis hinterher. Nun muss die Politik diesen Privatunternehmen unter die Arme greifen. Die Luxemburger Regierung scheint dieses Spiel nicht mitspielen zu wollen und sprach sich Mitte Januar in einer parlamentarischen Antwort ein weiteres Mal für das Verbrennerverbot aus. Doch der Erfolg der Elektromobilität entscheidet sich nicht allein durch Ankündigungen. Für viele Menschen entscheidet sich die Kaufentscheidung im Alltag: Funktioniert das Laden zuverlässig? Luxemburg verfügt derzeit über einen öffentlichen Ladepunkt pro Kilometer Straße. „Damit liegen wir auf dem ersten oder zweiten Platz im europäischen Vergleich“, sagte Peter Recking von der Klima-Agence im Tageblatt-Gespräch.
Doch die Ladegeräte bleiben ungleich verteilt – und genau hier beginnt die Verantwortung der Gemeinden. Während Esch an seinen Straßenleuchten Steckdosen installiert und Luxemburg-Stadt bis 2030 mehr als 400 Ladestationen installieren will, hinkt der ländliche Teil hinterher. Dafür gibt es auch einen wirtschaftlichen Grund: „Die Ladestationen sind kein Selbstzweck – die Rechnung muss für die Dienstleister aufgehen“, sagte Fenn Faber, Direktor der Klima-Agence, dem Tageblatt. In urbanen Gebieten ist es für Gemeinden einfacher, Betreiber für Ladestationen zu finden. Und hier muss die öffentliche Hand eingreifen.
Die Ladestruktur funktioniert nur, wenn überall im Land immer eine Ladestation um die Ecke ist. Der Erfolg der Elektromobilität ist letztlich keine technische, sondern eine Umsetzungsfrage. Bleibt die politische Linie unklar und der Ausbau vor Ort zögerlich, wird sich daran wenig ändern.