Editorial

Plagiatsalarm bei Luxemburgs Rechtsauslegern

Kommt direkt aus den Tiefen der Hölle: links-grün-versiffte Wärmepumpe

Kommt direkt aus den Tiefen der Hölle: links-grün-versiffte Wärmepumpe Fotos: dpa, Pixabay; Montage: Tobias Senzig

Das Instrumentarium der Populisten, die die Welt mit ihren wirren Botschaften beglücken, ist in unseren Zeiten immer gleich. Von Ankara bis Thüringen, von Florida bis Budapest – immer dieselbe, alte, lahme, vorhersehbare, langweilige Leier. Migration bringe nur Kriminelle in unsere Sonnen-beschienenen, Fichten-bestandenen Landschaften, und die fielen dann als Allererstes nach ihrer Ankunft am Busbahnhof über unsere schönen, blonden, blauäugigen Töchter her. LGBTQ+ und Gender-Endungen seien die Wahnsinns-Waffen des „Wokismus“, der jüdisch-zionistischen Weltverschwörung und/oder des Teufels zur Unterwanderung, Entmännlichung und Schwulifizierung der naturgegebenen und gerechten Gesellschaftsordnung, die doch „schon immer so war“. Putin sei eigentlich gar kein so übler Typ. Und selbstverfreilich: Den Klimawandel gebe es nicht, und insofern brauche es auch nicht die ganze links-grün-versiffte Elektrifizierung von Auto, Schwenkgrill und Ölheizung.

Dass die deutsche Alternative, die AfD, und die ganzen restlichen Rechtsausleger in eben jenen Grünen ihren Erzfeind gefunden haben, ist nichts Neues. Manch einer munkelt sogar, dass der Hass der Braunen auf alles Grüne vom bösen Moskau mitentfacht wurde, mit dem diabolischen Endziel, Europa abhängig vom russischen Gas- und Diesel-Hahn zu halten – anstatt es energiemäßig autark werden zu lassen. Wie dem auch sei: Der epische Kampf der Rechtspopulisten gegen Grün hat Tradition, und das ist ja irgendwie auch löblich für die Ökos.

Vor spätestens einem Jahr verstärkten die deutschen Rechten ihre Angriffe auf den grünen Wirtschaftsminister Robert Habeck. Die Schmutzkampagne gegen den Mann ist phänomenal und äußerst erfolgreich, inzwischen ist er eigentlich an allem schuld. Seit Dezember auch daran, dass viele Germanen in den kommenden Wintern bitterlich erfrieren werden. Denn glaubt man den Rechten, dann geht Habeck von Haus zu Haus, inspiziert Öl- und Gasbrenner und reißt sie anschließend höchstpersönlich aus dem Heizungskeller, weil sie klimaschädliches CO2 emittieren.

Dieser gut laufenden Nummer kann Luxemburgs Alternative, die ADR, natürlich nicht tatenlos zusehen. Und anstatt sich einen neuen Trumpf im Populisten-Quartett auszuknobeln, wird eben aus Deutschland kopiert – selbst wenn das für Luxemburg nicht so wirklich passt.

Das Rechercheportal Reporter.lu hat einen Facebook-Post von ADR-Mann Fred Keup unter die Lupe genommen, in dem der versucht, in eben jene Bresche der deutschen Kollegen zu springen: „Opgepasst. Déi Gréng hunn gëschter an der Chamber kloer gesot, dass se wäerten e Verbuet maache fir Gas- a Mazoutheizungen. Am Ufank gëtt en Heizungswiessel léif ënnerstëtzt, an dann, e bësse méi spéit, wäerte si d’Bierger per Gesetz zwéngen. (contraignant)“, schreibt Keup entsetzt. Wie Reporter korrigiert, gibt es weder ein „generelles und sofortiges Verbot“ fossiler Heizungen noch ist das geplante „Phasing out“ derselben ausschließlich auf dem Mist der Grünen gewachsen. „Fazit: Irreführende Aussage“, schließen die Journalisten.

Aber der eigentliche Witz an der Geschichte ist ein anderer: Das Öl- und Gasheizungs-Verbot der links-grünen Öko-Diktatur, gegen das die AfD in Deutschland so heldenhaft eintritt, gibt es in Luxemburg nämlich schon. Seit 1. Januar dieses Jahres können die antiquierten Wärmemacher in Luxemburg de facto eigentlich nicht mehr in Neubauten geschraubt werden.

Klar, das Letzte, was einen Populisten interessiert, ist die Wahrheit. Aber statt der Irrationalität, die Keup nutzte, damit sein Facebook-Post viral ging, hätte ja auch einfach mal die Wahrheit bemühen können. Die ist ja nicht weniger schrecklich: All jenen, die davon träumen, auch noch in 30 Jahren mit Heizöl zu heizen, seien die Mazout-Preise von vor 30 Jahren ins Gedächtnis gerufen – 1993 kostete der Liter nämlich noch 20 Cent. 

0 Kommentare
Das könnte Sie auch interessieren

Editorial

Alle wollen die Tripartite, doch der Premier hat andere Sorgen

;