Editorial

Paket oder Bombe: Was machen wir mit unbekannten Drohnen über Luxemburg?

Was über Medernach flog, weiß niemand. Wer aber in Luxemburg Drohnen bauen will, braucht in Zukunft eine Genehmigung des Wirtschaftsministers. Ein paar Gedanken zu den Prioritäten der Verteidigungspolitik.

Eine Drohne fliegt vor einem startenden Flugzeug in der Nähe des Flughafens Leipzig/Halle im Dezember 2025

Eine Drohne fliegt vor einem startenden Flugzeug in der Nähe des Flughafens Leipzig/Halle im Dezember 2025 Archivfoto (Symbolbild): Jan Woitas/dpa

Dieser Leitartikel wurde am Freitag verfasst, bevor der Flughafen am Findel wegen Drohnenüberflügen in der Nacht auf Samstag gesperrt wurde. Deshalb nimmt der Text keinen Bezug auf dieses Ereignis.

Mit einer Drohne kann man ein Paket ausliefern. Oder einen Weinberg vor Staren schützen. Oder einen Film drehen. Oder eine Bombe abwerfen. Welchem Zweck die dient, die gerade über mir surrt, sehe ich ihr nicht an. Das macht das monotone Geräusch der Rotoren so beunruhigend. Beängstigend.

Die Angst hat ihren Ursprung auf den Schlachtfeldern des 21. Jahrhunderts. Die Soldaten des Ersten Weltkriegs zerbrachen am Trommelfeuer der Kanonen. Das Surren über den Gräben in der Ukraine lässt alles offen. Eine Kamera, die filmt? Eine Kamera, die zielt? Steuert sie ein Mensch, der Mitleid hat? Ein Sadist? Eine KI? Es ist die Angst vor dem Unbekannten, und sie ist billiger zu haben als jede Granate.

Anfang August prallte am Flughafen Leipzig/Halle eine Drohne mit Sprengsatz gegen die Tragfläche einer ukrainischen Antonow. Dort sitzen die Kerosintanks. Der Zünder versagte. Am Donnerstag gab es Meldungen über nicht identifizierte Drohnen in der Region Medernach, danach berief Premierminister Luc Frieden die interministerielle Bewertungsstelle ein. Welche Drohnen, wie viele Meldungen, dazu schweigt das „Haut commissariat à la protection nationale“ (HCPN). Man greife auf ausländische Hilfe zurück.

Was machen wir, wenn die Angst nach Luxemburg kommt? Den Ausnahmezustand auszurufen, wäre verkehrt. Denn die größte Macht der Drohnen liegt nicht in ihrer Feuer-, sondern in unserer Vorstellungskraft. Wer nach drei Meldungen aus dem Ernztal von Krieg spricht, erledigt gratis die Arbeit dessen, der die Drohne womöglich geschickt hat.

Trotzdem schwebt da etwas am Himmel, dessen Absicht niemand kennt. In dieser Lücke zwischen Sichtung und Wissen nistet sich die Angst ein. Sie zu schließen, wäre hier das Einzige, was der Staat überhaupt kann – und ausgerechnet dabei ist er mal wieder langsam. An einer nationalen Drohnenstrategie wird gearbeitet. Die CSV-Abgeordneten Laurent Mosar und Maurice Bauer fragten am 10. August nach dem Stand, die Antwortfrist verstrich am Dienstag unbeantwortet. Am Donnerstag kamen die ersten Meldungen aus Medernach.

An anderer Stelle geht es zügiger. Im März verabschiedete die Regierung ihre Strategie zur Verteidigungsindustrie. Seit Juli liegt der Gesetzentwurf vor, der die Herstellung von Verteidigungsgütern hierzulande erstmals regelt. Wer produzieren will, braucht eine Zulassung des Wirtschaftsministers. Das Land soll am wachsenden Geschäft mitverdienen. Wir regeln also, unter welchen Bedingungen hier bewaffnete Drohnen gebaut werden dürfen, bevor wir wissen, was wir tun, wenn sie über unsere Köpfe fliegen.

Investitionen braucht es, gar keine Frage. Nur wäre zu klären, worin. Luxemburg wird in keinem absehbaren Konflikt Frontstaat sein. Es ist Knotenpunkt: Rechenzentren, Finanzplatz, Frachtdrehkreuz, Satellitenbetreiber. Angreifbar ist hier die Infrastruktur, und für deren Resilienz braucht es Redundanz. Eine gute Lagerhaltung. Schnelle Meldewege. Und eine Bevölkerung, die weiß, was zu tun ist.

Zeit für Kommunikation hat die Verteidigungsdirektion übrigens. Wer Sturmgewehre auf Euro-Scheine fantasiert, hat auch Zeit für ein Merkblatt darüber, was Menschen tun können, wenn über ihrem Garten etwas surrt. Wo man das meldet. Was dieses Land überhaupt ohne fremde Hilfe sehen und identifizieren kann. Dort fängt Verteidigung an. Beim Wissen, und bei der Bereitschaft, es zu teilen.

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