Editorial

Nach fast 13 Jahren bleiben die Ergebnisse von Claude Meischs Reformen schwer messbar

In den vergangenen 13 Jahren hat Claude Meisch das Luxemburger Schulsystem kräftig umgekrempelt. Doch was seine zahlreichen Reformen tatsächlich gebracht haben, lässt sich bis heute nur schwer beantworten.

Claude Meisch profilierte sich in seiner Funktion als Bildungsminister als Macher und Machtpolitiker

Claude Meisch profilierte sich in seiner Funktion als Bildungsminister als Macher und Machtpolitiker Foto: Editpress/Julien Garroy

Am Dienstag beginnt für Luxemburgs Schüler ein neues Schuljahr. Auch Claude Meisch (DP) steht dann gewissermaßen vor seinem „Premièresexamen“. Seit fast 13 Jahren ist er Bildungsminister. Das ist in einem Ressort, in dem Reformen fast zwangsläufig Eltern, Lehrer oder Schüler gegen einen aufbringen, eine kleine Ewigkeit.

Untätigkeit kann man Meisch jedenfalls nicht vorwerfen. Seinem Ruf als Macher ist er als Bildungsminister allemal gerecht geworden. Internationale Schulen, neue Sektionen, Reformen der Berufsausbildung, neue DAP-, DT- und CCP-Angebote, Digitalisierung, kostenlose Betreuung, eine längere Schulpflicht und die französische Alphabetisierung: Meisch hat das Luxemburger Bildungssystem kräftig umgekrempelt.

Die Frage ist nur: Was hat es gebracht?

Auch wenn Reformen im Bildungswesen Zeit brauchen, müsste darauf nach fast 13 Jahren eigentlich eine Antwort möglich sein. Doch genau das fällt erstaunlich schwer. Vielleicht auch deshalb, weil auf eine Reform häufig schon die nächste folgt. Wer ständig weiter reformiert, kann kaum noch nachvollziehen, was welche Reform eigentlich bewirkt hat.

Übersichtlicher ist die Luxemburger Schule unter Meisch jedenfalls nicht geworden. Immer mehr Ausbildungswege sollen der enormen Heterogenität der Schülerschaft gerecht werden. Doch mehr Bildungsgerechtigkeit schafft man nicht, indem man das Schulsystem so kompliziert macht, dass Schüler und Eltern kaum noch wissen, welcher Weg wohin führt.

Nimmt man die PISA-Ergebnisse als Maßstab, fällt Meischs Bilanz jedenfalls schlecht aus. Die letzten Ergebnisse waren ernüchternd. Meisch hat recht, wenn er auch die Eltern in die Pflicht nimmt. Bildung findet nicht nur in der Schule statt. Doch seine Reformen sollten schließlich gerade dazu beitragen, Nachteile auszugleichen und die Leistungen der Schüler zu verbessern. Nach fast 13 Jahren muss sich deshalb auch der Bildungsminister an den Ergebnissen messen lassen.

Und Meisch hat in diesen 13 Jahren gezeigt, dass er gestalten kann. Denn der Macher ist auch ein Machtpolitiker. Wenn er von einer Sache überzeugt ist, setzt er sie durch. Bereits 2015 stand er kurz vor einem Lehrerstreik. Erst in letzter Minute wurde der Konflikt beigelegt. Seitdem hat Meisch weiter reformiert und weiter Kritik auf sich gezogen. Die ganz große Front gegen ihn hat sich trotzdem nie gebildet.

Das ist bemerkenswert. Seine Vorgängerin Mady Delvaux-Stehres bekam 2012 zu spüren, welche Kraft der gemeinsame Widerstand von Lehrern und Schülern entwickeln kann. Meisch hat in 13 Jahren vermutlich mehr verändert. Dass er damit durchgekommen ist, sagt viel über sein politisches Geschick aus. Er weiß offenbar nicht nur, wie man Reformen durchsetzt, sondern auch, wie man verhindert, dass sich der Widerstand dagegen bündelt.

Nur sagt das noch nichts über die Qualität seiner Bildungspolitik aus. Bei einem „Premièresexamen“ zählt schließlich auch nicht, wie viele Arbeiten jemand abgegeben hat. Entscheidend ist, was dabei herauskommt. Nach fast 13 Jahren und unzähligen Reformen muss dieser Maßstab auch für Claude Meisch gelten. Sein Problem ist nicht, dass er zu wenig gemacht hätte. Sondern dass noch immer erstaunlich schwer zu beantworten ist, was all das gebracht hat.

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