Editorial

Die BGL Ligue als Sprungbrett – aber Erfolg muss erlaubt bleiben

In seinem Editorial schreibt Dan Elvinger über die Perspektive einer Ausbildungsliga im Fußball.

Die BGL Ligue als Sprungbrett – aber Erfolg muss erlaubt bleiben

Foto: Editpress/Fernand Konnen

Junge Talente bekommen immer häufiger die Chance, sich in der BGL Ligue zu beweisen – über dieses Thema berichtete das Tageblatt in der vergangenen Dienstagsnummer. Die höchste nationale Fußballklasse befindet sich aktuell auf Identitätssuche – vielleicht wäre der Weg zu einer Ausbildungsliga genau der richtige. Es gibt jedoch auch Gründe, warum ein solches Vorhaben utopisch ist.

Die BGL Ligue wird wahrscheinlich nie eine Profiliga im klassischen Sinne werden. Dafür fehlen ihr die finanziellen Möglichkeiten, die Infrastruktur und vor allem der Markt. Das muss allerdings kein Nachteil sein. Vielleicht liegt die Zukunft des luxemburgischen Vereinsfußballs gerade darin, nicht etwas sein zu wollen, was er nicht sein kann.

Die BGL Ligue bringt eigentlich beste Voraussetzungen mit, um sich als Ausbildungsliga für junge Spieler aus Luxemburg und dem Ausland zu etablieren. Im vergangenen Jahrzehnt schafften sehr viele Fußballer von Luxemburg aus den Sprung ins Profigeschäft. Manche starteten daraufhin eine lange Karriere und waren sogar bei der Weltmeisterschaft 2026 dabei. Andere kehrten wieder in die BGL Ligue zurück.

Die meisten kamen nach Luxemburg, weil sie anderswo nicht den erhofften Sprung schafften oder es ihnen an Spielzeit fehlte, um auf sich aufmerksam zu machen. Die BGL Ligue war eine ideale Zwischenstation für viele.

Dass Vereine auch aus finanziellen Gründen auf junge Spieler setzen, macht diese Entwicklung nicht weniger sinnvoll. Die Budgets vieler Klubs sind kleiner geworden, weil vor allem nach der Corona-Krise immer weniger Unternehmen bereit waren, große Summen in den Fußball oder generell den Sport zu investieren.

Aus einer wirtschaftlichen Notwendigkeit kann ein sportliches Modell entstehen. Wer sich keine fertigen Spieler mehr leisten kann, muss früher nach Potenzial suchen. Talente sind meistens hungriger als gestandene Spieler, aber es braucht auch Zeit, sie weiterzuentwickeln.

Doch genau an diesem Punkt beginnt die Schwierigkeit dieser Diskussion. Denn so attraktiv die Idee einer Ausbildungsliga klingt: Man darf den Vereinen ihre eigenen Ambitionen nicht nehmen. Ein Präsident, Trainer oder Sportdirektor ist nicht dafür verantwortlich, möglichst viele junge Spieler für andere Klubs auszubilden. Er ist zunächst seinem eigenen Verein verpflichtet. Die Sponsoren, die Fans und auch der Vorstand verlangen Erfolg, um die Daseinsberechtigung zu garantieren.

Wenn ein Klub die finanziellen Möglichkeiten hat, Titel zu gewinnen, im Europapokal zu spielen und dadurch noch mehr Einnahmen zu generieren, kann man von ihm kaum verlangen, auf einen erfahrenen Leistungsträger zu verzichten, nur damit ein Talent Spielpraxis bekommt.

Das sieht man auch in dieser Saison. Gerade bei den Mannschaften, die ganz oben stehen, spielen U21-Akteure bislang kaum eine Rolle. Das muss man nicht gut finden. Überraschend ist es aber nicht. Je größer der sportliche Druck und je höher die Ziele, desto kleiner wird häufig die Bereitschaft, jungen Spielern Fehler zuzugestehen, die zu ihrer Entwicklung dazugehören.

Die langfristige Aufgabe wäre vielmehr, Bedingungen zu schaffen, die beide Konzepte unter einen Hut bringen. Wer ein Talent fördert und es später in den Profibereich bringt, hat nicht nur etwas für das Ansehen des Vereins getan, sondern möglicherweise auch ein Modell mit Zukunft entwickelt.

Eine Ausbildungsliga funktioniert jedoch nur, wenn Ausbildung als Chance und nicht als Zwang gesehen wird. Die Liga muss jedoch weiterhin Ambitionen haben, sonst wird sie unattraktiv.

All dies klingt vielleicht sehr romantisch, doch langfristig führt kein Weg daran vorbei, andere Wege zu beschreiten, wenn die finanziellen Mittel immer kleiner werden.

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