Editorial

Luxemburgs hohe Gaspreise: Warum das Warten bei der Energiewende teuer werden kann

Die Gaspreise in Luxemburg haben sich innerhalb von fünf Jahren verdoppelt. Das Zögern beim Umstieg auf klimafreundliche Heizsysteme kann teuer werden und wird immer mehr zu einer sozialen Frage.

Bei den aktuellen Gaspreisen muss sich im Winter so manch einer fragen, wie weit er die Heizung aufdreht

Bei den aktuellen Gaspreisen muss sich im Winter so manch einer fragen, wie weit er die Heizung aufdreht Elisa Schu/dpa

Fünf Jahre haben gereicht, um das Heizen mit Gas grundlegend zu verändern. Innerhalb dieser Zeit haben sich die Gaspreise für Luxemburger Haushalte mehr als verdoppelt. Gleichzeitig geraten immer mehr Menschen in Zahlungsschwierigkeiten. Das wirft eine Frage auf, die in der Debatte über die Energiewende immer wieder zu kurz kommt.

Unbezahlte Rechnungen

Die Energiewende wird in Luxemburg häufig auf die Investitionskosten reduziert. Das ist verständlich. Ein neues Heizsystem kostet viel Geld. Der aktuelle Jahresbericht der Regulierungsbehörde ILR zeigt jedoch, dass auch das Festhalten am bestehenden System immer kostspieliger wird. Die Zahl der Haushalte mit Zahlungsproblemen ist deutlich gestiegen. Trotzdem heizen weiterhin rund 80.000 Haushalte mit Gas.

Diese Entwicklung verändert die Debatte. Lange lautete die zentrale Frage: Können sich die Menschen den Umstieg leisten? Diese Frage bleibt berechtigt. Doch inzwischen stellt sich auch die umgekehrte Frage: Können sich immer mehr Menschen das Heizen mit Gas überhaupt noch leisten?

Für viele Verbraucher ist das längst keine theoretische Klimafrage mehr. 2025 wurden die Sozialämter in 3.761 Fällen über Haushaltskunden mit Zahlungsrückständen informiert, mehr als doppelt so oft wie 2021. Auch die Zahl der gemeldeten Abschaltungen wegen unbezahlter Rechnungen hat sich mehr als verdoppelt.

Die Unsicherheit beginnt deshalb oft lange vor dem Austausch der Heizung. Nicht jedes Gebäude eignet sich für eine Wärmepumpe, Fernwärme wird noch längst nicht überall verfügbar sein und eine neue Gasheizung ist angesichts der Klimaziele kaum eine langfristige Lösung. An diesem Punkt entscheidet sich, ob die Wärmewende gelingt.

Nicht „nerven“ und keine Verbote

Die Regierung hat sich bewusst für einen Weg entschieden, der auf Anreize statt auf Verbote setzt. Das ist nachvollziehbar und richtig. Doch Freiwilligkeit setzt voraus, dass die Menschen tatsächlich eine Wahl haben. Für viele ist sie begrenzt. Wie bei den staatlichen Hilfen für Solaranlagen haben eigentlich nur wohlhabende Hausbesitzer eine Wahl. Der Umstieg auf ein klimafreundliches Heizsystem ist technisch nicht immer möglich und finanziell oft eine enorme Herausforderung. Gleichzeitig wird das Heizen mit Gas immer teurer. Wer zwischen zwei kaum bezahlbaren Optionen wählen muss, entscheidet sich häufig dafür, gar nichts zu verändern.

Die Herausforderung besteht deshalb nicht nur darin, möglichst viele Wärmepumpen zu fördern. Sie besteht auch darin, den Zehntausenden Haushalten, die weiterhin mit Gas heizen, einen realistischen Weg aus der Abhängigkeit von fossilen Energien zu eröffnen. Solange dieser Weg für viele technisch oder finanziell außer Reichweite bleibt, wird das Warten zur naheliegendsten Entscheidung.

Premier Luc Frieden (CSV) hat mehrfach von einer Klimapolitik gesprochen, die „nicht nervt“. Das ist ein berechtigter Anspruch. Ob sie diesem Anspruch gerecht wird, entscheidet sich jedoch nicht allein an der Höhe der Förderungen oder der Zahl neuer Programme. Entscheidend ist, ob möglichst viele Haushalte den Umstieg tatsächlich bewältigen können. Gelingt das nicht, wird aus der freiwilligen Entscheidung, noch etwas zu warten, schnell eine unfreiwillige Dauerlösung. Das ist der eigentliche Preis des Wartens: Wer heute keine realistische Alternative hat, zahlt morgen einen immer höheren Preis für das Festhalten am Bestehenden.

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