Editorial

Luc Frieden und die „einfachen Dossiers“: Eine trügerische Ruhe

Premier Luc Frieden erwartet drei Jahre mit „einfacheren Dossiers“, doch so einfach wird die zweite Hälfte der Legislatur nicht werden.

Regierung diskutiert Politikstrategien, warnt vor frühem Vorwahlkampf und Fokus auf langfristige Regierungsarbeit

Die Regierung sollte nicht zu schnell in den Vorwahlkampfmodus verfallen Foto: Editpress/Julien Garroy

„Elo kommen dräi Joer mat méi einfachen Dossieren“, blickte Premierminister Luc Frieden im RTL-Neujahrsinterview nach vorne. Nach einem Jahr, das von einer großen Demonstration, einem faktisch nicht mehr funktionierenden Sozialdialog, einer Verschlechterung des Rentensystems und einer Regierungsumbildung geprägt war, ist es verständlich, dass Frieden sich nun ruhigere Monate – zumindest innenpolitisch – wünscht. Man habe mit der Rentenreform, der Flexibilisierung der Sonntagsarbeit sowie der Ladenöffnungszeiten drei strukturelle Reformen umgesetzt. Wenn auch nicht ganz so erfolgreich, wie man es sich in der Regierung vorgestellt hatte. Damit seien die schwierigen Dossiers nun vom Tisch. Das klingt stark danach, als sei der Blick bereits klar auf die Wahlen 2028 gerichtet und man versuche nun, die Verluste aus dem letzten Politmonitor langsam, aber sicher wieder aufzuholen. Ein Eindruck, der sich diese Woche bei der Vorstellung der Steuerreform weiter verfestigte, als gleich vier Minister – zwei von der CSV und zwei vom Koalitionspartner DP – dem Land erklärten, dass bei der Reform niemand etwas verlieren werde.

Bereits zur Halbzeit einer Legislaturperiode auf die nächsten Wahlen zu schielen, liegt wohl in der Natur unseres politischen Systems. Gut für das Land ist das jedoch nicht. Und auch die Aussage des Premierministers, wonach nun drei Jahre mit einfacheren Dossiers anstünden, trifft nicht zu. Immerhin hat die Ärztegewerkschaft AMMD Ende vergangenen Jahres die Konvention mit der CNS gekündigt. Die Ärzte hatten große Hoffnungen in die neue Regierung gesetzt, die bislang nicht erfüllt wurden. Auch nicht durch den Gesetzentwurf der Ärztegesellschaften. Hier dürfte es in den kommenden Monaten noch zu intensiven Diskussionen kommen.

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