Editorial
Olympia: Lohnt sich das?
Luxemburg schickte zwei Sportler zu den Olympischen Winterspielen. In seinem Leitartikel geht Dan Elvinger der Frage nach, ob sich das lohnt.
Der Luxemburger Matthieu Osch als Fahnenträger Foto: ATP/Qian Jun
Die Kamera ist auf sie gerichtet, die Zuschauer im Tal warten auf sie. Die beiden Luxemburger Winter-Olympioniken Matthieu Osch und Gwyneth ten Raa erleben einen Moment, der in ihrer bisherigen Karriere Seltenheitswert hat. Sie dürfen aus dem Schatten heraustreten und auf der großen Bühne auftreten. Ein sehr emotionaler Moment. Doch jenseits dieser Gefühle stellt sich die Frage, ob sich eine Olympia-Teilnahme für ein Land lohnt, wenn die Aussicht auf Medaillen oder Top-10-Platzierungen faktisch gegen null tendieren.
Luxemburg war, ist und wird nie ein Schwergewicht im Ski- oder Wintersport sein. Marc Girardelli bildete in den 80er- und 90er-Jahren die Ausnahme, doch er kam bekanntlich ursprünglich aus Österreich.
Ohne das Quotensystem würden die meisten Winterspiele ohne Luxemburger Beteiligung stattfinden. Das ist Fakt. Würden nur die Besten genommen werden, hätten die FLS-Athleten nach aktuellem Stand der Dinge keine Chance.
Trotz der extremen Kommerzialisierung der Olympischen Spielen geht es bei diesen auch noch heutzutage nicht nur um die reine Leistung. Klar: die Besten der Welt gewinnen weiterhin die Medaillen. Im Feld dahinter haben jedoch Sportler aus exotischeren Ländern – und dazu zählt auch Luxemburg im Wintersport – die Möglichkeit, sich zu zeigen und den olympischen Gedanken in die Welt zu tragen. Möglichst viele Nationalitäten zu vereinen, gehört nämlich auch seit jeher zum olympischen Grundgedanken.
Diese Philosophie hat einen entscheidenden Vorteil. Dadurch, dass mehr Länder teilnehmen, bekommen die Spiele eine größere Reichweite. Eine größere Reichweite bedeutet potenziell mehr Sponsorengelder. Die Rechnung ist leicht gemacht. „Große Wintersportnationen können froh sein, dass ihre Sportarten in anderen Ländern keine Randerscheinung sind“, sagte COSL-Sportdirektor Raymond Conzemius im Tageblatt, angesprochen auf das Thema Quotenplätze.
Doch lohnt es sich für Luxemburg, zwei Athleten nach Mailand und Cortina d’Ampezzo zu schicken? Rein ökonomisch gesehen ist die Teilnahme kein Luxus, den sich Luxemburg leistet. Die Kosten für eine solch kleine Delegation sind gering.
Kleinen Nationen wird vom IOC bewusst eine Chance eingeräumt und man wäre schon ziemlich blöd, wenn man diese nicht nutzen würde. Zumal Ten Raa und Osch ihren Sport professionell betreiben und daher kein Fallobst sind.
Über die Sichtbarkeit, die Olympia für eine kleine Delegation wie Luxemburg generiert, kann man durchaus diskutieren. Die Auftritte der nationalen Sportler werden wohl kaum einen Boom bei der FLS auslösen. Olympische Spiele können aber helfen, den Rückstand zu größeren Nationen aufzuholen. Und sei es nur durch ein paar Dinge, die von diesen abgeguckt werden können und in Zukunft unseren Aktiven zugutekommen.
Ja, eine Teilnahme an den Winterspielen lohnt sich für Luxemburg und seine Athleten. Sportlich und menschlich. Und ganz nebenbei tragen sie zur Vielfalt von Olympia bei. Ein Wert, der in unserer heutigen Gesellschaft nicht zu kurz kommen darf.