Editorial

KI – apokalyptische Gefahr oder Chance?

Künstliche Intelligenz birgt nicht nur Risiken für die Einhaltung der Menschenrechte. Sie droht die menschliche Arbeit – als zentrales Element unseres wirtschaftlichen Systems – oder gar den Menschen überflüssig zu machen.

Wird menschliche Arbeit, hier in einer Autowerkstatt in Warschau, bald überflüssig sein? Oder gar der Mensch selbst?

Wird menschliche Arbeit, hier in einer Autowerkstatt in Warschau, bald überflüssig sein? Oder gar der Mensch selbst? Foto: Wojteck Radwanski/AFP

Ein Gespenst geht um – nicht nur in Europa: die Künstliche Intelligenz. Zuerst weckte sie bei den Menschen Neugier, Staunen und Forscherdrang. Auch bei Frank Beeh. Der promovierte Informatiker und KI-Experte befasste sich an der Universität Karlsruhe, dem heutigen Karlsruher Institut für Technologie (KIT), mit Robotik und der robotergestützten Imitation sowie neuronalen Simulation von Bewegungsabläufen und Denkvorgängen. Es war um die Jahrtausendwende, als Beeh nach einem Kinobesuch des Science-Fiction-Klassikers „Matrix“ gegenüber dem Autor dieser Zeilen lapidar behauptete: „Selbstverständlich wird sich der Mensch einmal durch eine hochentwickelte KI ersetzen lassen. Diese wird die Kontrolle übernehmen.“

Gut ein Vierteljahrhundert später ist die Feststellung, dass die Künstliche Intelligenz zunehmend unser Leben prägt, eine ebenso banale Einsicht wie jene, dass die Nutzung der KI auch Gefahren für die Menschenrechte birgt. Daher muss ihr Einsatz reguliert werden und sich im Rahmen grund- und menschenrechtlicher Vorgaben bewegen. Das Deutsche Institut für Menschenrechte weist auf einige Instrumente zur Regulierung hin: etwa die KI-Verordnung der Europäischen Union, die KI-Rahmenkonvention des Europarates und den globalen Digitalpakt.

Die größte Angst, welche die KI derzeit bei Menschen auslöst, ist folgende: Sie drohe, die menschliche Arbeit überflüssig zu machen. Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel hat der apokalyptischen Vision eines KI-Kapitalismus kürzlich eine Titelgeschichte gewidmet. Menschliche Arbeit könne „im großen Stil“ ersetzt werden – kurz: „Der Mensch geht, die Maschine übernimmt.“ Dies könne die Welt stärker verändern als die industrielle Revolution, die Entdeckung der Elektrizität und die Erfindung des Fließbands: Die KI übersetze Telefonate in Echtzeit, steuere Drohnen in Kriegsgebiete, bewerte Röntgenbilder und übernehme Steuererklärungen – und Roboter lenkten Autos und Lastwagen. Dies führt zu Prophezeiungen wie die des Unternehmers und Investors Vinod Khosla, dass „80 Prozent aller Arbeitsplätze von einer KI übernommen werden“. Nicht mehr Werkzeuge würden erschaffen, sondern Akteure, sagte der israelische Historiker Yuval Noah Harari im Spiegel-Interview. Ist dies das Ende des Kapitalismus, wie es Karl Marx als historische Notwendigkeit vorausgesagt hat? Wenn sich das Kapital von der Arbeit entkoppelt, wird dann auch der Mensch überflüssig?

Florian Butollo schlägt einen anderen Weg ein: Statt Massenarbeitslosigkeit prophezeit er einen drastischen Arbeitskräftemangel – trotz Digitalisierung und KI. Der Soziologe nennt in seinem Buch „Das knappe Gut Arbeit“ Argumente dafür, dass es künftig zu wenig arbeitende Menschen gibt. Schließlich brächten die neuen Technologien neue Aufgaben mit sich. So erfordere der Care-Bereich – Betreuung von Kindern, kranken und alten Menschen – Arbeitskräfte, die nicht durch vollautomatische Roboter ersetzt werden könnten. Zugleich entstünden neue soziale Konflikte und stelle sich die Frage nach dem Sinn von Arbeit neu.

Düsterer sieht es jene Gruppe von Forschern, denen zufolge es nicht mehr fünf vor zwölf Uhr ist, sondern bereits 85 Sekunden vor zwölf – mit der symbolischen Zeigerstellung auf der Doomsday Clock im Bulletin of Atomic Scientist wird auf existenzbedrohende Risiken wie die Klimakrise, die Atomkriegsgefahr, den Missbrauch von Biotechnologie sowie die potenzielle Bedrohung durch Künstliche Intelligenz und andere Gefahren hingewiesen. Davon war auch der KI-Experte Frank Beeh* überzeugt. Er gab seine Forschertätigkeit – zuletzt in der Privatwirtschaft – auf und ließ sich als Selbstversorger im südmexikanischen Urwald nieder, um auf einer Farm namens „La Esperanza“ ein Leben in einer Gemeinschaft mit anderen Menschen und im Einklang mit der Natur zu führen. Die Hoffnung gab er nicht auf: „Vielleicht greift einmal eine hochentwickelte KI die Ideale der Menschenrechte auf und setzt sie in die Tat um.“

*Frank Beeh ist im April 2026 im Alter von 53 Jahren nach kurzer, schwerer Krankheit verstorben.

3 Kommentare
marc borschette 18.08.202610:04 Uhr

KI macht mir Angst,Humanoiden machen mir Angst.Arbeitsplätze überflüssig und weg.Wer zahlt dann Krankenkassen,Pensionskassen und mehr.

Luxmann 18.08.202608:54 Uhr

Ist der mensch ueberfluessig?
Da es eine unmenge von planeten ohne menschliches oder ueberhaupt leben gibt ist diese frage wohl mit ja zu beantworten....das universum wird auch ohne mensch auf dem planet erde weiter seine bahn ziehen.

JJ 18.08.202608:03 Uhr

RD Precht sagte vor Jahren voraus dass K I Millionen Menschen den Job kosten wird. Und das betrifft nicht nur Fließbandarbeiter. Da wird der Mann auf dem Titelbild noch eher gebraucht als ein Banker z.B. Wie sagte einst Lothar Dombrowski,alias G.Schramm? "Wir erfinden einen Apparat wie den Fernseher um anschließend davor zu verblöden. Was nützt ein Roboter der den Marathon in 2 Stunden läuft? Oder ein Eisschrank der mir sagt wenn die Milch alle ist?

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