Editorial

Extremwetter in Luxemburg: Was Politik und Bürger jetzt tun müssen

Die Hitzewelle ist vorbei – die Herausforderungen bleiben. Extremwetter wird auch in Luxemburg immer häufiger. Deshalb müssen Staat, Gemeinden und Bürger gemeinsam Verantwortung übernehmen.

Extremwetterphänomene suchen Luxemburg immer häufiger heim

Extremwetterphänomene suchen Luxemburg immer häufiger heim Foto: Editpress/Claude Lenert

Die Hitzewelle hatte Luxemburg vergangene Woche fest im Griff. Wer jetzt schon erleichtert aufatmet, dürfte wenig Freude daran haben, dass Meteorologen bereits eine zweite Hitzewelle über Europa für möglich halten. Ob dabei erneut Temperaturrekorde fallen, wird sich in den kommenden Tagen und Wochen zeigen.

Fest steht jedoch: Luxemburg wird sich künftig immer häufiger auf Extremwetter einstellen müssen. Die Folgen des Klimawandels sind längst spürbar. Dabei ist Hitze nur ein Teil des Problems. In den vergangenen Jahren setzten Starkregen ganze Gemeinden binnen kurzer Zeit unter Wasser und Tornados zogen über den Süden des Landes hinweg. Immer wieder ist von „Jahrhundertereignissen“ die Rede. Man muss sich aber wundern, ob man nicht in neuen Maßstäben denken muss. In ihrer Häufung sind diese Ereignisse nämlich kein Zufall mehr, sondern Ausdruck einer besorgniserregenden Entwicklung.

Dass der Staat den Kampf gegen den Klimawandel endlich entschlossener angehen und seine Prioritäten neu ordnen muss, argumentierte Stefan Kunzmann bereits vor wenigen Tagen in seinem Leitartikel „Alerte rouge – eine andere Politik ist nötig“. Die mangelnde Weitsicht, das Bildungswesen auf immer häufigere Hitzewellen vorzubereiten und eine nationale Richtlinie vorzugeben, kritisierte Armand Back in seinem Editorial „Schule bei Warnstufe Rot: Hitze betrifft alle, aber sie trifft nicht alle gleich“.

Doch nicht nur auf nationaler Ebene ist entschlossenes Handeln gefragt. Auch die Gemeinden stehen in der Verantwortung. Als wichtigste Akteure der Ortsplanung sind sie unmittelbar mit den Folgen der Extremwetterereignisse konfrontiert. In den Gemeinderäten gehören Starkregen, Überschwemmungen oder Hitzeschutz inzwischen regelmäßig zur Tagesordnung.

Gleichzeitig schmückt sich inzwischen nahezu jede politische Kraft auf kommunaler Ebene mit den Begriffen „Begrünung“, „Nachhaltigkeit“ und „Naturschutz“ – selbst dort, wo deren Umsetzung mitunter nur halbherzig verfolgt wird. Jüngstes Beispiel für den politischen Widerwillen: die umstrittenen Aussagen von Luxemburgs Bürgermeisterin Lydie Polfer, dass die Stadt nicht mehr Begrünung brauche. Die Politikerin behauptet nun, das so nicht gemeint zu haben. Am Ende muss sie mit ihrer Politik beweisen, wie ernst sie es mit der Schaffung von kühlenden, grünen Oasen meint. Denn Worte allein kühlen keine Städte. Wenn Begrünung mehr sein soll als ein Wahlkampfslogan, müssen Bäume, entsiegelte Flächen und klimaresiliente Ortskerne konsequent Teil jeder kommunalen Planung werden.

Neben Staat und Gemeinden muss jedoch noch ein dritter Akteur Verantwortung übernehmen: jeder Einzelne. Staat und Kommunen können noch so viel tun – wenn die Bürger ihr eigenes Verhalten nicht hinterfragen und anpassen, wird Luxemburg im Kampf gegen den Klimawandel nicht entscheidend vorankommen. Die Zeit, mit dem Finger auf andere zu zeigen und zu sagen: „Die sollen doch zuerst etwas tun“, ist vorbei.

Gleichzeitig müssen wir lernen, mit den Folgen des Klimawandels zu leben und uns besser darauf vorzubereiten. Ist das Haus ausreichend gegen Starkregen geschützt? Reicht der Versicherungsschutz aus? Wie lässt sich der Alltag während einer Hitzewelle so gestalten, dass gesundheitliche Risiken minimiert werden? Vorsorge ist längst keine übertriebene Vorsicht mehr, sondern eine Notwendigkeit.

Dabei sollte der Blick nicht am eigenen Gartenzaun enden. Gerade bei Extremwetter zeigt sich, wie wichtig Zusammenhalt ist. Fragen Sie bei der nächsten Hitzewelle ältere oder alleinlebende Nachbarn, ob sie Hilfe benötigen. Unterstützen Sie Menschen in Ihrer Straße, wenn Sandsäcke geschleppt oder Kellerfenster gesichert werden müssen. Klimaanpassung ist nicht nur eine Frage von Gesetzen, Investitionen und Infrastruktur – sie beginnt auch im täglichen Miteinander.

1 Kommentare
JJ 30.06.202608:46 Uhr

Windparks sind eben keine Wälder und der Bauwahn ist ungebremst.Verdichtete Böden und Wassermangel im Sommer sind lang bekannte Tatsachen. War ist passiert.Gar nichts. Der Wandel ist da und er wird bleiben. Anpassen ist die einzige Möglichkeit. Vorschlag zur Güte: Im Mai die Uhr 3 Stunden vorrücken. Dann sind die Kids zuhause wenns bren(n)zlig wird.

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