Editorial
Zwischen Versprechen und Realität: Fehlende Perspektiven im Luxemburger Frauenfußball
Das Thema Frauenfußball in Luxemburg ist heikel. Zwischen gut gemeinten Worten und finanziellen Möglichkeiten liegen Welten.
Foto: Editpress/Luis Mangorrinha
Die Frauen des RFCU Lëtzebuerg sind Anfang August chancenlos aus der zweiten Runde der Champions League ausgeschieden. Die internationalen Auftritte und Achtungserfolge des Racing hatten in den vergangenen Jahren immer wieder kaschiert, dass es um den Frauenfußball auf nationaler Ebene wesentlich schlechter steht, als gedacht. Die Ereignisse der vergangenen Wochen haben diese Fassade bröckeln lassen.
Den Anfang machte die geplatzte Fusion in der Vorstadt. Im Winter war das gemeinsame Projekt der UNA Strassen und des langjährigen Erstligisten Mamer noch im Rahmen einer vielversprechenden Pressekonferenz vorgestellt worden. Man versprach, einen dauerhaften Konkurrenten der Hauptstädterinnen auf die Beine zu stellen. Ein halbes Jahr später zeigte sich, dass die Frage der 50:50-Finanzierung letztlich mehr gespalten als vereint hatte.
Noch brisanter ist der Fall Junglinster. Ein ehemaliges Aushängeschild des luxemburgischen Frauenfußballs steht nicht nur vor dem Aus – das Ende ist offiziell besiegelt. Der Verein hat keine Frauenmannschaft für die anstehende Saison in der Ligue 1 gemeldet.
Hinter vorgehaltener Hand und später auch in einer offiziellen Pressemitteilung gab der Klub den Spielerinnen die Schuld. Sie hätten sich nach anderen Vereinen umgeschaut. Die Mannschaft reagierte geschlossen und schob dem Vorstand den schwarzen Peter schriftlich zu: Das Komitee habe Versprechen nicht eingehalten und sei nicht bereit gewesen, die notwendigen Mittel für eine konkurrenzfähige Mannschaft bereitzustellen. Das Ergebnis ist derweil nicht abzustreiten: Es verschwindet wieder eine Mannschaft vom Radar.
Was in der Damen-Meisterschaft möglich ist, wäre in der BGL Ligue undenkbar. Im Männerfußball würden solche Vorgänge ganz andere Dimensionen erreichen. Viele Frauenmannschaften – abgesehen von wenigen Ausnahmen, die man an einer Hand abzählen kann – existieren seit Jahren ohne Netz und doppelten Boden. Wenn gespart werden muss, dann trifft es zuerst diesen Bereich, der am wenigsten abgesichert ist. Bis vor wenigen Jahren hatte bekanntlich nicht einmal die Nationalmannschaft eigene Trikots.
Aus Sicht der Vereine ist das Vorgehen nachvollziehbar. Der Großteil ihrer Einnahmen stammt nun einmal nicht aus dem Damenbereich. Der Frauenfußball kommt wohl nicht aus dem Teufelskreis heraus: Um sich zu entwickeln, bräuchte es konkrete (finanzielle) Mittel. Da er aber sowohl finanziell als auch strukturell bloß als Zusatz statt als Bestandteil betrachtet wird, bleibt es beim Status quo.
Viel Hoffnung, dass sich diese Tendenz in den kommenden Jahren zum Besseren wendet, gibt es derzeit nicht. Zwar wird von der UEFA immer wieder Einsatz im Sinne der Gleichberechtigung gefordert, doch an der Realität hinter den Kulissen ändert das rein gar nichts.