Editorial

Ausweisung eines Iraners: Ein Jahr nach der Wahl können CSV und DP ihr wahres Gesicht nicht mehr verbergen

Bald dürfte es ans Eingemachte gehen: Xavier Bettel und Luc Frieden bei einem Auftritt in der Chamber

Bald dürfte es ans Eingemachte gehen: Xavier Bettel und Luc Frieden bei einem Auftritt in der Chamber Foto: Editpress/Hervé Montaigu

Ist das Künstler oder kann das weg? Die Frage war schnell beantwortet: Kann weg, der fotografierende Iraner. War ja auch erst fünf Jahre hier. Und Architekten, deren überbordende Kreativität sich an den vielen uniformen Wohnkisten entlang unserer Straßen bestaunen lässt, haben wir eh genug.

Warum sich also herumplagen mit einem Dahergelaufenen, dessen „créations artistiques n’apportent pas de véritable plus-value en termes d’intérêts économiques pour le Luxembourg, ne servent pas réellement les intérêts du pays et ne peuvent pas être considérées comme une intégration dans le contexte économique national ou local“? Macht keinen Sinn, befand die beratende Kommission aus sich beratenden hohen Beamten von Léon Glodens Innenministerium, Lex Delles’ Wirtschaftsministerium und Georges Mischos Arbeitsministerium im Fall des iranischen Künstlers und Architekten Alborz Teymoorzadeh. Eine Rechnung, ausformuliert in schönster PwC-Prosa und mit als Ergebnis unter dem Strich: Die in Aussicht stehende Fünfzigprozentstelle in einem Kulturbetrieb und die Verankerung in der hiesigen Szene, die Alborz Teymoorzadeh vorzeigen konnte, reichen nicht als Daseinsberechtigung in unserem Großzügigkeitsherzogtum.

Das Kulturministerium in diese Beratungen einzubeziehen, wurde offenbar nicht für nötig empfunden. Warum auch auf die Kulturinstitutionen vertrauen, die Teymoorzadeh als Ausnahmetalent feiern, wenn der Taschenrechner der Bürokratie sein Ergebnis schon ausgespuckt hatte: Äddi a merci, seit dem 6. Oktober ist der Mann nicht mehr willkommen in Luxemburg.

Ein Jahr ist es her, dass Luxemburg eine neue Regierung wählte, die sich den Kampf gegen Armut gleich stolz ans Revers heftete, um als erste Amtshandlung den Bettlern den Kampf anzusagen. Es dauerte nicht lange, bis die ausländische Presse Wind bekam von der neuen kalten Brise, die plötzlich über unser Finanzplatzland wehte und beispielsweise die Süddeutsche Zeitung einen Artikel veröffentlichte mit dem Titel „Arm im reichsten Land der Welt“. Für all jene, die den Text nicht kennen: Es war kein Loblied auf die neue Politik der Frieden-Bettel-Regierung. Und es war erst der Auftakt.

Im Herbst nun durfte sich Luxemburg über zwei historische Ereignisse freuen. Erst kam Papst Franziskus zu Besuch, am Dienstag wurde Erbprinz Guillaume zum Großherzog-Statthalter seines Vaters Henri ernannt. Perfekte Gelegenheiten eigentlich, um als Premier und Regierung ein bisschen etwas vom Glanz der Geschichte einzuheimsen, die gerade geschrieben wird. Doch es kam anders.

Die Regierung hat es geschafft, beide durchaus festlichen Anlässe mit ihrer unterkühlten, mitunter herzlos wirkenden Politik und der daraus hervorgehenden Außenwirkung in den Sand zu setzen. Als der Papst die Menschen in der Stadt begrüßte, sprach das Land über die Caritas. Nun, da der Wechsel an der Staatsspitze in die Wege geleitet wird, wundert sich das Land über die knallharte Ausweisung eines iranischen Fotografen und Architekten.

Die nächsten Schritte kündigen sich bereits an, bald dürfte es ans Eingemachte gehen. Am Dienstag hat Arbeitsminister Mischo zum Angriff auf das Arbeitsrecht geblasen. Statt Luxemburg glänzen zu lassen, haben Frieden und Co. es geschafft, das Land innerhalb weniger Monate in einen matten Schleier der Kälte zu hüllen. Ein Jahr nach der Wahl können CSV und DP ihr wahres Gesicht nicht mehr verbergen.

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