Editorial

An der Schwelle zur Transparenz: Die CFL will nicht weiter über ihr Tropenholz reden

Die CFL verspricht Nachhaltigkeit und Verantwortung. Aber bei der Frage nach dem Tropenholz unter Luxemburgs Schienen zeigt sich, wie groß die Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit sein kann.

CFL-Zug am Luxemburger Hauptbahnhof: Weitere Fragen sind jetzt nicht mehr erwünscht

CFL-Zug am Luxemburger Hauptbahnhof: Weitere Fragen sind jetzt nicht mehr erwünscht Symbolfoto: Editpress-Archiv/Alain Rischard

Die CFL will eine „nachhaltigere, verantwortlichere und inklusivere Mobilität“, wie sie auf ihrer Unternehmensseite erklärt. Unter dem Reiter „Soziale Verantwortung“ berichtet sie von eingespartem CO₂, den Bienenstöcken beim Funicular und wie sie sich dazu verpflichtet, die Menschenrechte entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu schützen. Das Unternehmen gibt an, einen „positiven Einfluss auf den Planeten und die Menschen“ haben zu wollen.

Dazu passt überhaupt nicht, dass die Bahn Schwellen aus tropischem Holz verbaut hat, dessen Herkunft viele Fragen offenlässt. Wie das Tageblatt Anfang September berichtet hat, wurden in den vergangenen Jahren 75.850 Bahnschwellen aus Tropenholz in Luxemburg eingesetzt. Die CFL hatte zunächst erklärt, dass das Holz aus einer FSC‑zertifizierten Quelle stammt, also aus nachhaltigem Anbau, bei dem auch soziale Aspekte berücksichtigt werden. Doch die Dokumente, die die Bahn schließlich vorgelegt hatte, konnten das nicht belegen.

Holz aus Afrika für Gleise in Luxemburg. Dafür kann es bauliche, ökonomische und vielleicht sogar ökologische Gründe geben. Doch einen vielleicht erklärbaren Einsatz des Baustoffs versemmelte das Unternehmen mit einer Beschaffungspraxis, bei der auf Nachweise zur Nachhaltigkeit offenbar nicht sonderlich genau geschaut wurde.

Die Tragweite ihres Wegschauens scheint der Bahn nicht bewusst zu sein. Zur Erinnerung: Das Holz stammt laut CFL aus Gabun. Einem Land, in dem Korruption und schwache staatliche Kontrolle handfeste Risikofaktoren darstellen. Gerade hier wäre besondere Sorgfalt angebracht gewesen.

Aber die Rechnungen, die dem Tageblatt vorliegen, zeigen nicht nur Chargen, die ohne FSC‑Umweltlabel ausgewiesen sind – das aufgelistete Holz ist auch ein anderes als das, mit dem die Bahn eigentlich ihre Strecken gebaut haben will.

Wohlgemerkt: Es geht hier nicht um das Holz für die Bank im Wartehäuschen. Bei einem sicherheitsrelevanten Bauteil wie einer Bahnschwelle sollte man erwarten können, dass die Bahn erklärt, aus welchem Material sie besteht.

Aber weitere Fragen sind jetzt nicht mehr erwünscht. Die CFL hat eine Stellungnahme online gestellt, in der sie verspricht, in Zukunft besser aufzupassen. „Aus diesem Grund werden wir zu den aufgeworfenen Punkten keine weiteren Ergänzungen machen“, schreibt die Bahn auf unsere Nachfrage.

Für einen Staatsbetrieb, in dem mehr als 5.000 Menschen in Lohn und Brot stehen und der mit Hunderten Millionen Euro an öffentlichen Mitteln finanziert wird, ist es ein Armutszeugnis. Und nicht zu vergessen: Die Gleise (und Schwellen), auf denen die CFL-Züge rollen und um die es hier geht, gehören nicht einmal der Bahn. Sie gehören dem Luxemburger Staat. Die CFL verwaltet das Schienennetz in seinem Auftrag. 4,7 Milliarden Euro sind dafür bis 2040 vorgesehen.

Soziale Verantwortung endet nicht bei Bienenstöcken am Funicular. Wer einen „positiven Einfluss auf den Planeten und die Menschen“ verspricht und Milliarden öffentlicher Mittel verwaltet, schuldet der Öffentlichkeit mehr als eine Stellungnahme. Er schuldet ihr Antworten.

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