Domaine Tageblatt
Wein aus der Brauereistadt: „Mir wëllen een Dikricher Patt maachen“
Lange bevor in Diekirch Bier gebraut wurde, gab es Weinberge an den Hängen um die Sauerstadt. Vor 327 Jahren zerstörte ein eisiger Winter die letzten Rebstöcke. Die Geschichte dazu hat den früheren Präsidenten des Nationalen Flurneuordnungsamtes, Charles Konnen, auf die Idee gebracht, einen seiner Träume in die Realität umzusetzen.
Mitglieder der Diekircher Garten- und Heimsektion helfen unentgeltlich im Weinberg Foto: Nicolas Kneip
„Ich hegte seit langem den Wunsch, einmal Winzer zu sein“, sagt Charles Konnen im Gespräch mit dem Tageblatt. Vor drei Jahrhunderten waren es laut schriftlichen Übermittlungen Benediktinermönche, die in Diekirch Wein anbauten. Heute haben sich die Mitglieder der Vereinigung „Dikricher Wäifrënn“ dieser Sache angenommen. „Als ich Freunde und Bekannte von meiner Idee erzählte, waren alle der Meinung, das sei eine ‚Super-Idee‘, doch darüber reden und meinen Traum in die Wirklichkeit umsetzen können waren zwei Paar Schuhe“, sagt Konnen.
Der Präsident der „Dikricher Wäifrënn“, Charles Konnen Foto: Roger Infalt
Da sich die Weinberge von früher auch größtenteils an den Hängen des Herrenbergs befanden, erkundete Charles Konnen zuerst einmal diese Areale, bis dass er an der Grenze zur Nachbargemeinde Bettendorf auf ein 61,9 Ar großes Terrain stieß, das von der Lage und der Beschaffenheit überaus geeignet schien.
In einer Zeitspanne von nur acht Monaten wurde aus dem Traum ein Pilotprojekt, dies mit der Unterstützung der Gemeinde Diekirch und der lokalen Garten- und Heimsektion. Im Laufe der Zeit gesellten sich die Vereinigung „Al Dikrich“ sowie die Schüler der 2e E (Kunstsektion) und des BTS Media Writing des Diekircher Lyzeums hinzu.
Der Weinberg liegt am Südhang des Herrenbergs, nahe an der Grenze zur Nachbargemeinde Bettendorf Foto: Roger Infalt
Viel Unterstützung
„Zuerst gab es mehrere Gespräche, was die Besitzverhältnisse und die eventuelle Zurverfügungstellung des nach Süden ausgerichteten und gut durchlüfteten Areals anbelangte“, so Konnen weiter. „Besitzer ist der Kirchenfonds aus Bettendorf, der das Terrain an einen Landwirt verpachtete. Ich muss sagen, alle Angesprochenen waren von unserer Idee begeistert, sodass der Landwirt und der Besitzer das Terrain freigaben.“
Die erste Traubenlese ist für den Herbst 2027 eingeplant und man könnte, so Charles Konnen, rein theoretisch, um die 2.000 Flaschen pestizidfreien Wein unter dem Label „Bio Triple Plus“ und der Bezeichnung „DiWäin“ produzieren. Für die Produktion ist man noch auf der Suche nach einem Winzer, der bereits Erfahrung im Bereich Bio-Wein hat.
Zu erwähnen bleibt abschließend noch, dass die „Dikricher Wäifrënn“ für jeden ihrer Rebstöcke Patenonkel und -tanten suchen. Mehr dazu sowie weitere Informationen zu dem Pilotprojekt findet man auf der Internetseite der Gemeinde Diekirch.
Die vier angebauten Rebsorten

Im Diekircher Weinberg wurden jeweils 250 Rebstöcke folgender Sorten angepflanzt:
Johanniter ist eine 1968 am Staatlichen Weinbauinstitut Freiburg gezüchtete, weiße, pilzwiderstandsfähige Rebsorte. Als Kreuzung aus Riesling und Ruländer-Gutedel bringt sie hochwertige, kräftige Weißweine mit fruchtigem, oft an Riesling erinnerndem Aroma hervor.
Souvignier Gris ist eine hochwertige, pilzwiderstandsfähige Weißweinrebe, die 1983 ebenfalls in Freiburg (Seyval Blanc und Zähringer) gezüchtet wurde. Die Weine gelten als kraftvoll, burgunderähnlich und strukturiert, oft mit Aromen von Aprikose, Honigmelone und Quitte.
Divico ist eine rote Rebsorte, die auch eine hohe Resistenz gegen Mehltau, Echten Mehltau und Graufäule hat. Die Qualität ist vergleichbar mit derjenigen des Gamarets. Divico ist das Ergebnis einer Kreuzung (1997) zwischen Gamaret und Bronner.
Pinot Nova ist eine weitere sehr pilzwiderstandsfähige Rotweinsorte, die 1990 in Klosterneuburg (Österreich) aus Spätburgunder (Pinot Noir) und Malverina gekreuzt wurde. Die Sorte gilt als nachhaltig und ist gut an den Klimawandel angepasst.
Neue Logos

Emma Scholtes, Maîté Brucher und Julie Wagner der 2e E des LCD (mit ihren jeweiligen Logos) zusammen mit Vorstandsmitgliedern der „Dikricher Wäifrënn“, LCD-Direktor Marcel Kramer (3. v.l.), dem Präsidenten des Vereins „Al Dikrich“ Fränk Rosch (zweite Reihe, 3.v.r.) und dem Präsidenten der lokalen Garten- und Heimsektion Jacques Dahm Foto: Roger Infalt
Die „Dikricher Wäifrënn“ hatten sich an die Schülerinnen der 2e E („Section des arts plastiques“) des Diekircher Lyzeums gewandt, um im Rahmen einer praktischen Klassenarbeit ein neues Logo für den Verein zu schaffen. Die Resultate waren von so herausragender Qualität, dass gleich drei Logos angenommen wurden.
Die Vorstellung dieser Logos sowie die Preisüberreichung an die Gewinner fanden kürzlich in Anwesenheit von LCD-Direktor Marcel Kramer sowie Kunstprofessor Paul Schwebach im Kinosaal des Lyzeums statt. Der erste Preis ging an Maîté Brucher, auf dem zweiten Platz landeten die Projekte von Julie Wagner und Emma Scholtes.
Die Logos werden unter anderem bei der nächsten PR-Aktion der Weinfreunde zum Einsatz kommen, für Marketing und Verkauf kann der Verein zudem auf die Hilfe der Vereinigung „Al Dikrich“ zählen. Die Weincharta, die jedem Paten eines Rebstocks zukommt, wird zudem von den Schülern des BTS Media Writing (Klasse 2) ausgearbeitet.