„Prozeduren werden nicht eingehalten“

Leichtathletikstadion in Hamm sorgt weiter für Kritik an Stadt Luxemburg – Nachbarschaft appeliert an Regierung

Bei einer Informationsveranstaltung zur geplanten Leichtathletikanlage in Hamm machten zahlreiche Anwohnerinnen und Anwohner am Dienstag ihrem Ärger über das Vorgehen der Stadt Luxemburg Luft. Sie haben sich inzwischen auch an zwei Minister gewandt.

Bürger bei Informationsversammlung protestieren gegen Stadt, keine Unterstützung aus Nachbarschaft sichtbar, Unmut deutlich sichtbar

Keine Rückendeckung aus der Nachbarschaft: Bei einer Informationsveranstaltung am Dienstagabend machten Bürgerinnen und Bürger ihrem Unmut über das Vorgehen der Stadt Luft Foto: Editpress/Hervé Montaigu

„Man sprach nicht sehr nett zu uns. Wir wurden abgewimmelt und behandelt, wie kleine Kinder. Ich bin nicht gegen das Leichtathletikstadion, aber ich bin gegen die Art und Weise, wie die Stadt mit uns umgeht“ – so lautete das Fazit einer Einwohnerin aus Hamm bei einer Informationsveranstaltung am Dienstagabend in der Sporthalle ihres Viertels. Thema war das geplante Leichtathletikstadion der Stadt Luxemburg. Vor fast 100 Anwohnerinnen und Anwohnern stellte ein kommunaler Mitarbeiter das Vorhaben rund 15 Minuten lang in groben Zügen vor.

Die erwähnte Frau, die ihren Namen aus beruflichen Gründen nicht in der Zeitung lesen möchte, begrüßt den Bau des multidisziplinären Sportkomplexes grundsätzlich: „Es ist eine gute Sache für die Jugend und kann Hamm aufwerten.“ Dennoch war sie nach der Veranstaltung am Dienstagabend sichtlich verärgert. Denn sie fand, dass die Verantwortlichen der Stadt Luxemburg – darunter Bürgermeisterin Lydie Polfer (DP) – vor allem in der anschließenden Fragenrunde „nicht korrekt“ mit den Anwesenden umgingen.

Auch Roger Schlechter, Präsident des „Syndicat d’intérêts locaux Hamm-Pulvermuhle“, ärgerte sich nach der Veranstaltung. „Lydie Polfer hat mich in meiner Rede ja ausgebremst“, stellte er fest. Als er am Mikrofon kurz zuvor Kritik an den Prozeduren äußern wollte, wurde er von der Bürgermeisterin unterbrochen. Schlechter sprach dennoch weiter – begleitet von dem kopfschüttelnden Mobilitätsschöffen Patrick Goldschmidt (DP), der sein Gesicht in den Händen vergrub.

Schreiben an Minister

In seiner Rede kritisierte Roger Schlechter, dass die Stadt bei der Umsetzung des Projektes die vorgesehenen Prozeduren nicht einhalte. Das Vorhaben verstößt nach Ansicht des Interessenvereins gegen den nationalen Bebauungsplan für den Flughafen und seine Umgebung (POS Findel). Dieser weist das betroffene Gebiet in Hamm als EP-Zone aus, in der der Bau von großen Gebäuden nicht zulässig ist. Dennoch soll dort auf zwölf Hektar der neue Sportkomplex entstehen.

Diese und weitere Bedenken teilte das Syndikat Innenminister Léon Gloden (CSV) am Montag und Umweltminister Serge Wilmes (CSV) am Mittwoch in einem zweiseitigen Brief mit. In dem dem Tageblatt vorliegenden Schreiben appellieren die Einwohnerinnen und Einwohner aus Hamm an die Minister: „Wir zählen auf Sie, dass Sie die demokratischen Verfahren und geltenden Vorschriften durchsetzen und die Urheber des Projektes auf ihre Pflichten sowie die geltenden Grenzen hinweisen.“

In seiner Rede sagte der Präsident des Interessenvereins: „Es kann nicht sein, dass vorgesehene Prozeduren nur wegen der Spiele der kleinen Länder nicht eingehalten werden. Und wenn das Stadion bis dahin nicht fertig ist, hat die Stadt Luxemburg ganz einfach zu spät mit dem Projekt begonnen.“ Lydie Polfer unterstrich daraufhin, dass die Gemeinde die Analyse des Interessenvereins „gar nicht“ teile und meinte: „Wer von uns recht hat, muss dann das Gericht entscheiden. Diese Diskussion hat aber nicht hier stattzufinden.“

Weiterhin offene Fragen

„Ich bin immer noch beunruhigt und es gibt noch viele offene Fragen“, so Alexandra Forétova, eine betroffene Anwohnerin nach der Versammlung. Wie viele andere sorgt sie sich um den zusätzlichen Verkehr in dem bereits stark belasteten Viertel, insbesondere durch Baustellenfahrzeuge. Konkrete Informationen zu den Auswirkungen des Stadions auf die Verkehrssituation erhielten die Bürgerinnen und Bürger nicht. Positiv bewertete Forétova jedoch die angekündigten – und schon länger geforderten – Maßnahmen zur Verkehrssicherheit: An drei Stellen in Hamm sollen sogenannte Berliner Kissen installiert und zudem ein neuer Zebrastreifen eingezeichnet werden.

Das Projekt

Die Stadt Luxemburg plant in Hamm einen multidisziplinären Sportkomplex mit offenem Leichtathletikstadion und überdachtem Trainingsbereich. In der rue de Hamm Nr. 157 sind zudem Basketball-, Beachvolleyball- und Fußballplätze sowie eine Brasserie und Parkanlagen geplant. Das Projekt ist mit 139,5 Millionen Euro veranschlagt und soll bei den Spielen der kleinen Staaten von Europa 2029 genutzt werden. Kritik kam aus der Nachbarschaft, weil Details und Visualisierungen erst nach der Abstimmung im Gemeinderat veröffentlicht wurden. Anwohnerinnen und Anwohner bemängelten unzureichende Information und Unregelmäßigkeiten bei den Prozeduren; mindestens 84 Einwände gingen bei der Stadt ein. Die Baustelleneinrichtung ist für Mai geplant, die Fertigstellung der Sportstätten und Außenanlagen für Juni 2029. Informationen zum Projekt sind auf vdl.lu verfügbar.

Grund zur Freude sollen aber auch die zusätzlichen Parkanlagen, Spazierwege und Spielplätze rund um das Stadion sein. Auch diese können Lydie Polfer zufolge ab 2029 genutzt werden. Die Stadt mache „alles dafür“, dass die Anlagen rechtzeitig fertig werden. „Damit beginnt für Hamm ein neuer Zeitabschnitt. Dieses Angebot wird die Lebensqualität auf ein neues Niveau heben“, sagte die Bürgermeisterin. Zudem sollen die neuen Sportanlagen außerhalb der Trainingszeiten auch anderen offenstehen.

Sorge um Lärmbelastung

„Es ist gelaufen, was können wir schon noch tun?“, sagte Nadine Molitor, die Präsidentin des „Syndicat d’initiative et d’intérêts locaux Fetschenhof-Cents“, nach der Infoveranstaltung. Sie bedauerte, dass die Stadt die Bewohnerinnen und Bewohner des gegenüberliegenden Viertels nicht zur Veranstaltung eingeladen hatte. Denn, so Molitor: „Nachdem sie das imposante Projekt gesehen haben, fürchten einige Leute aus Cents, dass der Schall der Anlage sehr groß sein wird.“ Sie erfuhr übrigens über Umwege von der Veranstaltung.

Nadine Molitor spricht über fehlende Information der Menschen aus Hamm bei öffentlicher Veranstaltung

Nadine Molitor fand es schade, dass die Menschen aus Cents nicht informiert wurden Foto: Editpress/Sandra Schmit

Emile Hermes, Ehrenvorsitzender des hauptstädtischen Leichtathletikvereins CSL, versuchte zu beruhigen: „Ich kann versprechen, dass sie nicht gestört werden.“ Er freute sich über das Projekt sowie dessen Standort und hoffte, dass die Gemeinde bei der Umsetzung auf Baufirmen setzen wird, die ihre Fristen einhalten – damit das Stadion zu den Spielen der kleinen Staaten von Europa im Frühjahr 2029 genutzt werden kann.

Die Fragen von mehr als zehn Leuten aus der Umgebung machten deutlich, dass Sorgen um Lärm, Lichtverschmutzung und Auswirkungen auf die Natur bestehen. Die Stadtverantwortlichen beteuerten, dass man sich an die Regeln halte und Studien dazu durchgeführt habe. Konkrete Ergebnisse oder Wege, um sich über diese Analysen zu informieren, nannten sie nicht. Zur Lichtverschmutzung etwa sagte Lydie Polfer: „Es werden Lichter da sein, dass gehört zum Leben in einer Großstadt.“ Trotz vieler offener Fragen beendete sie die Versammlung nach rund zwei Stunden mit dem Versprechen: „Wir werden alles tun, damit es so gut wie möglich über die Bühne geht.“

0 Kommentare
Das könnte Sie auch interessieren

Domaine Tageblatt

Wein aus der Brauereistadt: „Mir wëllen een Dikricher Patt maachen“