Tödliche Messerattacke
Schreckenstag auf Limpertsberg: Was die Behörden erst spät mitgeteilt haben
Nach der tödlichen Messerattacke in der Avenue de la Faïencerie blieben lange viele Fragen offen. Polizei und Staatsanwaltschaft informierten nur schrittweise.
In der Avenue de la Faïencerie auf Limpertsberg wurde eine Frau tödlich, eine andere schwer verletzt Foto: Editpress/Tun Stemper
Die tödliche Messerattacke in der Avenue de la Faïencerie am vergangenen Dienstag hat Limpertsberg – und Luxemburg – erschüttert. Eine Frau wurde erstochen, eine andere musste schwer verletzt ins Krankenhaus. Mittlerweile schwebt sie nicht mehr in Lebensgefahr. Zahlreiche Beamte waren im Einsatz, nicht nur auf Limpertsberg, auch im Bereich Bridel/Strassen. Die Polizei informierte nur eingeschränkt. Anwohner sagten, sie hätten sich „im Stich gelassen“ gefühlt. Lange blieb unklar, was geschehen ist.
Zunächst keine Angaben zur Tat
Um 14.52 Uhr veröffentlichte die Polizei eine erste Mitteilung. Der Inhalt: Ein Einsatz findet im Raum Biergerkräiz/Bridel statt, die Menschen sollen keine Anhalter mitnehmen. Noch bevor die ersten offiziellen Hinweise auf ein größeres Geschehen die Presse erreichten, hörte das Tageblatt durch Zeugen von einer Polizeikolonne, die auf der A6 in diese Richtung unterwegs war. Später wurde bekannt, dass es zu einer Verfolgungsjagd mit dem mutmaßlichen Täter kam.
Auf seiner Flucht prallte der Verdächtige mit einem anderen Auto zusammen, konnte seine Fahrt allerdings fortsetzen. Die Polizei konnte ihn schließlich zwischen Bridel und dem „Fräiheetsbam“ in Strassen stellen. Noch vor offiziellen Angaben berichteten erste Medien über mögliche Hintergründe. RTL meldete, dass es sich bei der Toten möglicherweise um eine Immobilienmaklerin handelte. Der Républicain Lorrain berichtete, dass es eine Französin sein soll.
Erste Informationen zum Angriff
Zurück zur Tat. Um 15.28 Uhr informierten die Behörden die Presse, dass zwei Personen auf Limpertsberg verletzt wurden. Außerdem teilte die Polizei mit, dass sie einen mutmaßlichen Täter gefasst habe – allerdings noch nach weiteren fahnden würde. Weitere Verdächtige gab es allerdings nicht, wie sich später herausstellen sollte.
Der Einsatz begann laut Polizei bereits um 14.20 Uhr – mehr als 30 Minuten vor der ersten Pressemitteilung. Dann sei sie nämlich nach eigenen Informationen über das Verbrechen auf Limpertsberg informiert worden. Das Tageblatt hatte sich gegen 17.00 Uhr ein Bild von der Lage auf Limpertsberg gemacht. Zahlreiche Polizisten waren in und um die Avenue de la Faïencerie zu sehen. Laut eigenen Angaben waren insgesamt rund 35 Patrouillen und Spezialeinheiten auf Limpertsberg und bei der Verfolgung im Einsatz.
Gespräche mit Leuten aus der Nachbarschaft zeigten, dass sie nur wenige Informationen zu den Geschehnissen erhalten hatten. Ein Mann beschrieb im Gespräch mit dem Tageblatt die Kommunikation als empathielos und kalt.
Entwarnung erst nach fast 24 Stunden
Um 17.50 Uhr – dreieinhalb Stunden nach der ersten Mitteilung – erreichte dann folgende Nachricht die Presse: Eine Frau ist tot und eine schwer verletzt. Ein Mann soll sie mit einem Messer angegriffen haben. Die Polizei gab zudem weitere Hinweise auf die Vorgänge am Tag. Der Mann sei vom Tatort auf Limpertsberg geflohen und habe später gestellt werden können. Wie lange die Verfolgungsjagd dauerte, ließ sie offen. Ebenso, ob die Fahndung beendet wurde. Eine Entwarnung gab es erst fast 24 Stunden später.
Die kam am Folgetag von der Staatsanwaltschaft um 14.59 Uhr. Darin teilte sie mit, dass andere Tatverdächtige ausgeschlossen werden könnten. Der einzige Verdächtige sei bereits 20 Minuten nach der Tat gefasst worden, wie die Polizei später auf Nachfrage schrieb. Wie lange die Fahndung letztendlich dauerte, blieb offen.
Woher kommt der Täter?
Außerdem gab es in dieser Mitteilung erste offizielle Informationen zu den beiden Frauen – und dem mutmaßlichen Täter. Die Tote sei eine 35-jährige Französin, die Verletzte eine 36-jährige Luxemburgerin. Und der Täter ein 27-jähriger Mann. Was zu diesem Zeitpunkt laut Staatsanwaltschaft ausgeschlossen werden konnte: familiäre Verbindungen zwischen den dreien.
Angaben zur Nationalität macht die Staatsanwaltschaft üblicherweise nicht. Die Staatsbürgerschaft der Toten wurde jedoch preisgegeben, weil viele Anfragen aus Frankreich eingegangen seien, hieß es auf Nachfrage. Zum mutmaßlichen Täter gab die Staatsanwaltschaft lediglich an, dass der Mann nicht in Luxemburg wohnhaft sei.
Abermals einen Tag später änderte die Staatsanwaltschaft ihre Meinung. Am Donnerstag um 17.50 Uhr teilte sie mit, dass der Verdächtige ein Belgier sei. Die Staatsanwaltschaft bestätigte zudem, dass der Mann mit einer der Frauen einen Termin wegen einer Wohnungsbesichtigung ausgemacht hatte. Gegen ihn wurde Anklage wegen Mordes, Totschlags, versuchten Mordes und vorsätzlicher Körperverletzung erhoben.
Das Fazit der Behördenkommunikation: drei Polizeimitteilungen am Dienstag, eine Mitteilung der Staatsanwaltschaft am Mittwoch und eine am Donnerstag. Inhaltlich blieben viele Fragen lange offen.