Luxemburg-Stadt

Chinesisches Neujahr 2026 in Luxemburg: Das Jahr des Feuerpferds bringt Bewegung in die Oberstadt

Als Luxemburg am vergangenen Samstag das chinesische Neujahr begeht, steht die Hauptstadt im Zeichen des Feuerpferds. Organisiert vom Institut Confucius der Universität Luxemburg in Zusammenarbeit mit internationalen Partnern, verbindet das Fest Tradition, Performance und interkulturellen Dialog.

Drachen- und Löwentänze bei traditionellem Fest, zeigen monatelange Vorbereitung und präzise körperliche Disziplin

Drachen- und Löwentänze basieren auf monatelanger Vorbereitung, präziser Abstimmung und körperlicher Disziplin Foto: Carole Theisen

Als am 31. Januar Aberhunderte Menschen auf der „Plëss“ mit gezückten Handys und staunenden Blicken die traditionellen bunten Drachen beobachten, wie sie durch die Oberstadt ziehen, wirkt alles leicht, rhythmisch, selbstverständlich. Trommeln setzen ein, Körper bewegen sich synchron, der Drache lebt. Was das Publikum sieht, ist das Ergebnis von Wochen und Monaten intensiver Vorbereitung – getragen von Vereinen aus mehreren Ländern, deren Arbeit meist im Verborgenen bleibt.

„Der Drache ist keine Dekoration, er ist eine große Marionette“, sagt Baudouin vom belgischen Verein Fénix. „Neun Personen sind gleichzeitig darin. Jeder Schritt muss sitzen.“ Die Gruppe wurde vom französischen Verband für chinesischen Drachen- und Löwentanz ausgebildet, zusätzlich gab es Workshops und Trainingslager. Geübt wird regelmäßig in eigenen Hallen. „Man trainiert Bewegungen, Übergänge, Formen, vor allem Koordination. Es ist technisch und körperlich anspruchsvoll.“

Mitglieder des belgischen Vereins Fénix bei gemeinsamer Aktivität im Freien, Teamwork und Gemeinschaft in Belgien

Mitglieder des belgischen Vereins Fénix Foto: Carole Theisen

Fénix ist ursprünglich ein Verein für chinesische Kampfkünste. Kung-Fu und Wushu bilden die Basis. „Kampfkunst ist oft sehr individuell“, erklärt Baudouin. „Der Drachen- und Löwentanz ist das Gegenteil. Er funktioniert nur als Team.“ Genau darin liege der Reiz. Die Vorbereitung sei weniger spektakulär als das Ergebnis, aber entscheidend: Wiederholung, Präzision, Abstimmung.

Der Drache selbst reist weiter als viele seiner Träger. Das Exemplar von Fénix stammt aus Malaysia, gefertigt von spezialisierten Handwerkern. Farben, Länge, Beweglichkeit – alles folgt klaren Regeln. „Es gibt unterschiedliche Symboliken, je nach Farbe und Ausdruck“, sagt Baudouin. In der chinesischen Tradition steht der Drache für Wasser und Regen. „Man tanzt ihn, um Glück und eine gute Ernte zu wünschen.“

Junge Tänzer, klare Motivation

Arnaud ist 19 und Teil des Teams. Er kam über die Kampfkunst zur Drachenparade. „Wir haben uns für die Geschichte der chinesischen Kampfkünste interessiert“, sagt er. „Der Drache gehört dazu. Es ist ein logischer Schritt.“ Für ihn ist die Vorbereitung körperlich fordernd, aber auch sozial. „Man muss sich aufeinander verlassen können. Alleine geht hier gar nichts. Aber wir sind ein echt gutes Team!“

Gruppentreffen von Kung-Fu- und Wushu-Kämpfern in traditionellen Kampfkunst-Outfits bei Veranstaltung

Viele der beteiligten Gruppen kommen aus dem Kung-Fu- und Wushu-Bereich Foto: Carole Theisen

Auch die École Wuxing Kung-Fu aus der französischen Grenzregion ist Teil der Parade. Mitglied Julien beschreibt die Vorbereitung nüchtern: „Wir wurden etwas mehr als einen Monat vorher angefragt. Danach gab es zusätzliche Trainingseinheiten für Jugendliche und Erwachsene.“ Trainiert wird ohnehin zweimal pro Woche, für das Neujahrsfest kamen Extras dazu. Die Schule bringt zwei Drachen mit – einen getragen von Jugendlichen, einen von Erwachsenen.

Koordination hinter den Kulissen

Zusammengeführt werden die Vereine vom Institut Confucius der Universität Luxemburg. Direktor Hao Wu und sein Team organisieren das Fest seit mehreren Jahren. „Nach der Pandemie sind es jetzt drei Jahre in Folge“, erklärt er. „Wir laden Teams aus verschiedenen Ländern ein, mit denen wir seit Langem zusammenarbeiten.“ Entscheidend sei Professionalität. „Diese Gruppen wissen, was sie tun.“

Hao Wu, Direktor des Institut Confucius Luxemburg, koordiniert traditionelle chinesische Neujahrsfeierlichkeiten in Luxemburg

Hao Wu, Direktor des Institut Confucius der Universität Luxemburg, koordiniert seit mehreren Jahren die Neujahrsfeierlichkeiten in Luxemburg Foto: Carole Theisen

Neben der Parade verantwortet das Institut auch die Kulturstände auf der place d’Armes. „Wir möchten den Menschen hier einen konkreten Zugang zur chinesischen Kultur geben“, sagt Wu. „Nicht abstrakt, sondern greifbar.“ Dass Aberhunderte Besucherinnen und Besucher aus aller Welt auf den Platz strömen, bestätigt das Konzept. Bereits um 13 Uhr können sie chinesische Kalligrafie und Malerei ausprobieren oder sich über traditionelle Bräuche informieren. Kulinarische Angebote ergänzen das Programm.

Besucher am Stand des Konfuzius-Instituts üben chinesische Kalligrafie und traditionelle Malerei aus

An den Ständen des Konfuzius-Instituts können Besucher chinesische Kalligrafie und Malerei ausprobieren Foto: Carole Theisen

Anerkennung von offizieller Seite

Der chinesische Botschafter in Luxemburg, Hua Ning, würdigt in seiner Eröffnungsrede ausdrücklich die Arbeit hinter dem Fest. 2026 beginnt nach dem chinesischen Mondkalender das Jahr des Pferdes, kombiniert mit dem Element Feuer. In der chinesischen Astrologie steht das Pferd für Energie, Ausdauer und Vorwärtsdrang.

Das Feuerelement verstärkt diese Eigenschaften und verweist auf Dynamik und Erneuerung. „Das sind Eigenschaften, die in der heutigen, turbulenten Welt dringend gebraucht werden“, sagt der Botschafter. „Egal wie schwierig das Leben ist, man muss sich weiter vorwärts bewegen.“

Er betont zugleich die Bedeutung der kulturellen Zusammenarbeit zwischen China und Luxemburg und lädt alle Anwesenden dazu ein, das Land zu besuchen und auf eigene Faust zu entdecken. „Der kulturelle Austausch ist eines der stabilsten Elemente unserer Beziehungen. Er basiert auf Respekt, Vertrauen und Beständigkeit.“

Hunderte Besucher aus aller Welt versammeln sich auf der Plëss zur bunten Neujahrsparade im Freien

Hunderte Besucherinnen und Besucher aus aller Welt versammeln sich auf der Plëss, um die Neujahrsparade zu verfolgen Foto: Carole Theisen

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