Risse in Häusern

Opposition fordert Karten für risikobehaftete Zonen in Düdelingen

Trockenheit kann tonhaltige Böden verändern und damit auch Häuser belasten. In Düdelingen forderten „déi gréng“ deshalb eine Karte der Risikozonen und mehr Information für die Bevölkerung.

Der Gemeinderat diskutierte am Freitagmorgen über die Gefahr von Rissen durch trockene Böden

Der Gemeinderat diskutierte am Freitagmorgen über die Gefahr von Rissen durch trockene Böden Foto: Editpress-Archiv/Fabrizio Pizzolante

Die anhaltende Trockenheit der vergangenen Jahre hat zu Veränderungen im Tonboden geführt. Häuser riskieren dadurch, Risse und weitere Folgeschäden zu entwickeln. In Esch mussten Ende Juli 15 Personen ihr Zuhause in der rue Curé Jacques verlassen, nachdem die Gemeinde aus Sicherheitsgründen eine Zwangsräumung verordnet hatte. Esch ist kein Einzelfall. Am Freitagmorgen war die Rissentwicklung Thema im Düdelinger Gemeinderat, dies auf Anfrage der Oppositionspartei „déi gréng“.

Diese reichten einen schriftlichen Antrag (Motion) ein, damit die Gemeinde die risikobehafteten Zonen mit Tonboden lokalisiere und öffentlich zugänglich mache. Außerdem sollten die zuständigen Kommissionen damit beauftragt werden, über eine Sensibilisierungsarbeit für die Bevölkerung nachzudenken.

Wie es bei den Nachbarn gemacht wird

Aufgrund des geringen Niederschlags bereiten trockene Tonböden derzeit auch in anderen europäischen Ländern Sorgen. Allein in Frankreich sind laut dem „Commissariat général au développement durable“ zwölf Millionen Häuser dem Schrumpf- und Quellverhalten des Lehmbodens ausgesetzt. Auf dem Infoportal „notre environnement“ der französischen Regierung zeigt eine Risikokarte, wo die betroffenen Zonen liegen. Zudem werden dort Informationen über die Gesetzgebung, den Kauf und Verkauf von Immobilien in betroffenen Gebieten sowie mögliche finanzielle Hilfen (etwa über den „Fonds prévention argile“) bereitgestellt.

Gemeinde als erste Anlaufstelle

„De Klimawandel ass mëttlerweil och bei eis ëmmer méi däitlech ze spieren“, sagte Semiray Ahmedova („déi gréng“). „Bei laanger Dréchent kann de Buedem Waasser verléieren a sech doduerch zesummenzéien.“ Dennoch wollte Ahmedova die Lage nicht dramatisieren: „Et ass wichteg, net den Androck ze vermëttelen, dass all Gebai vun dëser Problematik betraff ass.“ Mit Studien und technischen Mitteln könnte das Risiko der Rissentwicklung zudem untersucht und reduziert werden. Vor allem die Gemeinde könnte zu dieser Sensibilisierung beitragen und bei der „ersten Orientierung“ eine wichtige Rolle erfüllen, so Ahmedova.

„Prinzipiell deelen ech de Constat, deen Dir maacht“, sagte Bürgermeister Dan Biancalana (LSAP). Die Forderungen selbst teile er jedoch weniger. Eine Motion sei ein politisches Instrument, so Biancalana. Seiner Meinung nach hätte das Anliegen einfach in der zuständigen Kommission angesprochen werden können. Eine Motion mit Forderungen sei hingegen unnötig. Der LSAP-Politiker verwies einerseits auf die kommunalen Dienste, die bereits „sehr zugänglich“ seien. Andererseits nannte er den Artikel 93 des „Règlement sur les bâtisses“. Demzufolge könnten im Rahmen einer Baugenehmigung „geotechnische und hydrologische Studien verlangt werden“.

Biancalana betonte zudem, dass die Gemeinde kein eigenes Instrument aufbauen werde, da es bereits die nationale Plattform Geoportail.lu gebe. Biancalana schlug dafür vor, dass sich die Kommission „in extenso“ über das Thema unterhalten könne – was im Kern der Forderung von Ahmedova entsprach.

Opposition ist geteilter Meinung

Die Oppositionsräte Michèle Kayser-Wengler (CSV) und Marc Meyer (DP) stellten sich hinter die Argumentation des Bürgermeisters. Meyer zufolge hätte das Thema in der Kommission gelöst werden können. Kayser-Wengler sagte zudem, dass Risse in Häusern ein gängiges Problem seien, weswegen Bauherren entsprechende Klauseln in Verträgen vorsehen würden. „En Haus, dat otemt. En Haus, dat schafft. Dat ass eben esou.“ Auf ihre Frage, wie viele Privatpersonen an die Gemeinde herangetreten seien, antwortete Biancalana, dass sich eine Person gemeldet habe.

„Mir gesinn en direkten Impakt queesch duerch d’Gesellschaft vun der Klimakris“, sagte „déi Lénk“-Vertreterin Carole Thoma. Das Phänomen werde wichtiger und größer. „Et geet hei net ëm kleng Rëss an de Kelleren“, so Thoma weiter. Sie widersprach dabei vor allem den Aussagen von Kayser-Wengler: „Dat soll een net verharmlosen.“ Sie finde es zwar auch „speziell“, über eine Motion die Tagesordnung der Kommission zu bestimmen, dennoch sei dies kein Grund, dem Antrag nicht zuzustimmen. „Et wär net oninteressant, wann een eng grob Kaart hätt, wou ee gesäit, wou de leemege Buedem ass“, sagte Thoma. Und: „Dat ass eppes, wat ganz vill Leit beschäftegt, an dat sollte mir eescht huelen.“

Eine geologische Karte mit den unterschiedlichen Bodenarten in Düdelingen. Ton ist in den grünlichen Bereichen zu finden.

Eine geologische Karte mit den unterschiedlichen Bodenarten in Düdelingen. Ton ist in den grünlichen Bereichen zu finden. Quelle: geoportail.lu

„Hei entsti Rëss, déi riskéieren, dass d’Haiser zesummefalen“, entgegnete auch Ahmedova. Gleichzeitig würden die Versicherungen nichts übernehmen und die Gemeinden keine Notunterkünfte zur Verfügung stellen. Kayser-Wengler reagierte darauf: „Mir liewen net hannert dem Mound a mir wëssen, dass de Klimawandel en Impakt huet.“ Trotzdem könne die CSV die Forderungen nicht unterstützen.

Mir liewen net hannert dem Mound a mir wëssen, dass de Klimawandel en Impakt huet

Michèle Kayser-Wengler

CSV-Gemeinderätin

Ahmedova wehrte sich gegen die Kritik, dass die Motion nicht in den Gemeinderat gehöre: „Fir mech ass eng Bautekommissioun onpolitesch, dat hei ass e politesche Problem.“ Daher sei der Gemeinderat der richtige Ort für die Diskussion. „Mir froen net no engem neien Tool“, betonte sie mit Blick auf Geoportail. Stattdessen könne die Gemeinde Flyer oder Informationsveranstaltungen organisieren.

Teilweise entstand der Eindruck, dass die Gemeinderäte aneinander vorbeiredeten. Biancalana betonte, dass es für die Versicherung nichts ändere, wenn die Gemeinde ein „Support“ für Risikokarten zur Verfügung stelle. „Ech bleiwe bei menger Propos“, sagte Biancalana. Er teile die allgemeine Feststellung von „déi gréng“, dennoch würde er die Motion ablehnen und das Thema an die Kommission weitergeben. Auch diese sei „politisch besetzt“, betonte er.

Bei der Abstimmung über die Forderung der Grünen enthielten sich die CSV, DP und ADR. „Déi Lénk“ stimmte dafür, die Mehrheitspartei LSAP dagegen.

0 Kommentare
Das könnte Sie auch interessieren