Bahnhofsviertel

Lydie Polfer fordert nach Tod eines Obdachlosen erneut ein „Samu Social“

Ein Mann ohne festes Dach über dem Kopf starb am Samstag bei glühender Hitze im Bahnhofsviertel. Am Mittwoch nimmt die hauptstädtische Bürgermeisterin Lydie Polfer (DP) dazu Stellung und reagiert zugleich auf die Kritik an der Situation in dem Stadtteil.

Hinterhof in der rue du Strasbourg, Tatort eines Todesfalls eines 75-jährigen Mannes am Samstag

In einem Hinterhof in der rue du Strasbourg starb am Samstag ein 75 Jahre alter Mann Foto: Julien Garroy, Porträt: Hervé Montaigu/Editpress

„Wer im Bahnhofsviertel unterwegs ist, sieht mehr als einmal Leute dort liegen, bei denen man sich fragt, ob sie noch leben“ – das war die Antwort der hauptstädtischen Bürgermeisterin Lydie Polfer (DP) am Mittwochmorgen auf die Frage vom Tageblatt, was die Stadtverantwortlichen zum Tod eines Obdachlosen am Samstag sagen. Zuvor erklärte die Bürgermeisterin kurz, dass die Stadt nicht mehr über den Vorfall wisse, als öffentlich bekannt ist.

Die Polizei war am Samstag gegen 12.30 Uhr wegen eines Mannes verständigt worden, der in der rue de Strasbourg im Bahnhofsviertel in der prallen Sonne schlief. Einen „gesundheitlich besorgniserregenden Zustand“ stellte sie jedoch nicht fest. Wenige Stunden später verständigte eine Anwohnerin erneut die Polizei, da der 75-Jährige nicht mehr ansprechbar sei. Er wurde gegen 18 Uhr tot in einem Hinterhof aufgefunden.

„Wir wissen nicht, woran er gestorben ist“, betonte nun Lydie Polfer am Mittwoch. Fremdeinwirkung konnte ersten Erkenntnissen nach ausgeschlossen werden, die Ermittlungen zur Todesursache dauern an. „Das Laboratoire National de Santé (LNS) arbeitet noch daran“, teilt die Pressestelle der Justiz am Mittwoch auf Nachfrage mit.

Die Bürgermeisterin nutzte die Gelegenheit beim „City Breakfast“, um auf eine langjährige Forderung der Stadt Luxemburg hinzuweisen: „Es wäre unbedingt notwendig, dass ein ‚Samu Social‘ diese Leute, wenn sie noch nicht tot sind, mitnimmt und sozusagen aufpäppeln kann.“ Ganz die Politikerin betonte sie, dass dafür die gesetzliche Grundlage fehle.

Reaktion auf Kritik

Allgemein zur Situation im Bahnhofsviertel befragt, für die allen voran Lydie Polfer inzwischen sogar Kritik aus den eigenen Reihen erntet, sagte die Bürgermeisterin: „Ich habe bis jetzt noch nichts gehört, das ich nicht selbst in den letzten Jahren bereits gesagt hätte.“ Sie sprach lieber von „Feststellungen“ als von „Kritik“. In den vergangenen Wochen hatten das hauptstädtische Ratsmitglied Anne Kaiffer und Schöffin Corinne Cahen (beide DP) in den Medien ein Gesamtkonzept für den Stadtteil gefordert.

„Es ist eine inakzeptable Situation, und das sage ich seit Jahren“, sagte am Mittwoch nun Lydie Polfer. Zugleich betonte sie, dass man auch „Gutes und Nettes“ über das Viertel höre: „Es ist ein lebendiges Viertel, manchmal zu viel.“ Mehr als einmal würden Situationen ausufern. Dann „müsste anders eingegriffen werden können“, so die Bürgermeisterin.

Der Erste Schöffe Maurice Bauer (CSV) betonte noch, dass die Stadt über Jahre hinweg Verantwortung übernommen hätte, um Betroffenen zu helfen. „Es wäre mal interessant zu schauen, wo es sonst noch Sozialstrukturen gibt“, sagte er mit Blick auf die langjährige Kritik der Stadt Luxemburg, dass sich ein Großteil der Hilfsangebote in der Hauptstadt konzentriere.

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