Todesfall im Bahnhofsviertel

Maulkorb für Zeugen gegenüber den Medien? Polizei: „Keine Richtlinie, nicht mit der Presse zu reden“

Die Polizei äußert sich zum Todesfall in der Rue de Strasbourg im Luxemburger Bahnhofsviertel und widerspricht Medienberichten.

Polizeieinsatz in der Rue de Strasbourg nach Hitzetod eines 75-jährigen Obdachlosen am Samstag

Die Polizei äußert sich zum Einsatz in der Rue de Strasbourg, nachdem am Samstag ein 75-jähriger Obdachloser wegen der anhaltenden Hitze gestorben ist Foto: Editpress/Julien Garroy

Die Polizei hat am Montagnachmittag in einer Pressemitteilung Stellung zum Todesfall vom Samstag im hauptstädtischen Bahnhofsviertel in Luxemburg genommen. Dabei bestätigt sie Teile der Berichterstattung des Tageblatt.

Meldung über schlafende Person in der Rue de Strasbourg

Demnach wurde den Einsatzkräften am Samstag um 12.31 Uhr eine Person gemeldet, die in der Rue de Strasbourg in der prallen Sonne schlafen würde. Eine Streife der Lokalpolizei traf daraufhin vor Ort einen obdachlosen Mann an und versuchte, mit ihm zu sprechen.

„Aus Sicht der Beamten konnte zu dem Zeitpunkt kein gesundheitlich besorgniserregender Zustand festgestellt werden“, teilt die Polizei mit. Weiter heißt es: „Situationsbedingt ging es der Person gut und sie benötigte keine weitere Hilfe.“ Ein Rettungswagen sei daher nicht alarmiert worden. Da die Person weder andere störte noch einen Eingang blockierte, habe es für die Beamten keinen weiteren „Handlungsspielraum“ gegeben.

Zweiter Notruf am Abend – Rettungsdienst wird alarmiert

Am Abend um 18.03 Uhr ging ein zweiter Notruf derselben Anwohnerin ein. Sie meldete, dass die obdachlose Person nicht mehr ansprechbar sei. „Wie in solchen Fällen üblich verständigte die Leitstelle der Polizei die Notrufzentrale der Rettungsdienste, welche daraufhin eine Ambulanz vor Ort entsandte“, so die Polizei weiter. Mehrere Streifen seien zudem „umgehend“ in die Rue de Strasbourg entsandt worden.

Im Zusammenhang mit dem Einsatz widerspricht die Polizei den im Tageblatt veröffentlichten Zeugenaussagen. „Entgegen einzelner Berichte in der Presse handelte es sich hierbei nicht um die Streife, die zur Mittagszeit vor Ort war, noch gibt es eine Richtlinie bei der Polizei, möglichen Zeugen den Kontakt mit der Presse zu untersagen.“

Nach Recherchen des Tageblatts sollen Polizisten Zeugen jedoch nahegelegt haben, keine Aussagen gegenüber Medien zu machen. Drei Personen haben gegenüber dem Tageblatt gesagt, dass die Polizei ihnen davon abgeraten habe, mit der Presse zu sprechen.

Tod eines 75-Jährigen – Ermittlungen laufen

Vor Ort konnte schließlich nur noch der Tod des 75-jährigen Mannes festgestellt werden. Ersten Erkenntnissen zufolge schließt die Polizei Fremdeinwirkung aus. Die genaue Todesursache soll nun durch Spurensicherung und eine Autopsie geklärt werden. Die Staatsanwaltschaft hat diese angeordnet. Die Ermittlungen werden mehrere Tage in Anspruch nehmen, wie der Polizeisprecher Henri Eippers gegenüber dem Tageblatt mitteilte.

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