Theater
„Les voleurs d‘amour“ zeigt die intime Hölle der Gewalt
Alles andere als leichte Bühnenkost, eher schwer verdaulich und nachhaltig erschütternd: Das Stück „Les voleurs d‘amour“ des Filmemachers und Theaterregisseurs und -autors Nicolas Steil und des Theatermachers Frank Hoffmann in der Inszenierung von Letzterem am TNL über eine sich in einer endlosen Gewaltspirale befindenden Familie geht ans Eingemachte – eine Katharsis bietet es nur bedingt.
Täuschung der familiären Harmonie: Szenenbild von „Les voleurs d‘amour“ Foto: Bohumil Kostohryz
Wie lange dauert es, bis Gewalt die Menschen abstumpfen lässt? Oder wie ist es möglich, dass jemand, der oder die in der Kindheit Gewalt erlebte, es schafft, aus dem traumatischen Teufelskreis auszubrechen? Vielleicht haben sich manche Zuschauer diese Fragen gestellt, die das Stück „Les voleurs d’amour“ am „Théâtre national du Luxembourg“ gesehen haben. Manche wünschten sich womöglich ein Stück mit einer Katharsis am Ende, die das Theater seit der griechischen Antike verspricht. Doch eine Heilung leistet das Stück nicht, nicht einmal Hana Sofia Lopes. Die TV-Action erprobte Schauspielerin tritt in der zweiten Hälfte als Psychotherapeutin auf und filmt mit steinerner Miene die Figuren der Familie, die sich zuvor in einem jahrelangen, hier mehr als einstündigen Rausch zerfleischt haben.
Die Hölle, das sind die anderen – so die Kernaussage von Jean-Paul Sartres „Huis clos“ (1944). Die Hölle, das ist oft die Familie. Den einen bietet sie Schutz und Zuhause, den anderen ist sie ein Käfig, dem sie kaum entkommen können. „Blut ist dicker als Wasser“, heißt es schließlich. Der in „Les voleurs d’amour“ gezeigte Sohn (gespielt von Etienne Halsdorf), der den Sport als Ausweg gewählt hat, und die beiden Töchter (Sophie Mousel und Clara Hertz), die immer wieder zu ihren Eltern zurückkehren, obwohl sie in ihrer Kindheit schwerste körperliche respektive sexuelle Gewalt erlitten haben und von ihren Eltern (Colette Kieffer und François Camus) gequält wurden, beweisen dies.