„Haben nicht so schlecht abgeschnitten“
Hauptstadt landet bei Ranking zur Radfreundlichkeit auf 77. Platz
In einer Rangliste zur Fahrradfreundlichkeit in 100 Städten rund um die Welt belegt Luxemburg Platz 77. Das geht aus einem Bericht zum sogenannten Copenhagenize Index hervor, der im hauptstädtischen Gemeinderat Thema war.
Die Verantwortlichen der Stadt Luxemburg sind mit ihrem Platz im Ranking soweit zufrieden. Sie räumen allerdings ein, dass es Verbesserungsbedarf gibt. Foto: Editpress/Hervé Montaigu
„Ich finde nicht, dass wir so schlecht abgeschnitten haben“, meinte Patrick Goldschmidt (DP) in einer Sitzung des hauptstädtischen Gemeinderats im Dezember. Dabei bezog der Mobilitätsschöffe sich auf den 77. Platz, den die Hauptstadt laut dem Copenhagenize Index 2025 belegt. Der 106 Seiten lange Bericht wurde im November 2025 veröffentlicht und bewertet die Fahrradfreundlichkeit von 100 Städten weltweit. Grundlage war eine Vorauswahl von 150 Orten aus 44 Ländern, unter denen sich auch Luxemburg befand.
Der 77. Platz ist laut Patrick Goldschmidt nicht zwingend negativ zu bewerten. In der Sitzung im Dezember hob der Mobilitätsschöffe hervor, dass Luxemburg-Stadt bei Sicherheit und Vernetzung der Radinfrastruktur 46,7 Punkte erreicht habe. „Wenn ich mir eine Stadt wie London anschaue, kommt sie im Vergleich zu unseren 46,7 Punkten bei der Infrastruktur auf 49,6. Brüssel liegt bei 42,6 Punkte und Zürich auf Platz 22 bei 48 Punkten. Wir sind also auf einem guten Weg“, fand Goldschmidt.
Rad nicht viel genutzt
Für die Politik im Bereich der Fahrradmobilität erhält Luxemburg-Stadt 42,5 Punkte. Dazu erklärte der Mobilitätsschöffe: „Man kann klar herauslesen, dass wir bei der Infrastruktur und beim politischen Willen gut abschneiden – obwohl der Stadt oft vorgeworfen wird, in diesen Bereichen nicht genug zu tun.“ Deutlich schwächer fällt hingegen die Bewertung bei der Nutzung des Fahrrads und dessen Reichweite aus. „Da bekommen wir nur 15,6 Punkte“, räumte er ein. Als möglichen Grund nannte Goldschmidt eine starke Alternative zum Rad: „Wenn ich das positiv interpretieren will, schiebe ich das auf den öffentlichen Transport, der in der Hauptstadt und im ganzen Land kostenlos ist.“
Mit einer Gesamtpunktzahl von 31,6 belegt Luxemburg im europäischen Vergleich den 51. Platz von 56. Schlechter schneiden auf dem europäischen Kontinent nur Göteborg (30,1), Mailand (29,5), Novi Sad (27,1), Zagreb (21,8) und Riga (16,4) ab. Deutlich besser platzieren sich hingegen Städte aus direkten Nachbarländern des Großherzogtums: Paris erreicht mit 65 Punkten Rang fünf, Münster folgt mit 64,7 Punkten auf Platz sieben und Antwerpen mit 64,4 Punkten auf Platz acht – alle drei in den Top Ten.
Auffällig ist, dass – mit Ausnahme von drei kanadischen Städten – europäische Städte die Rangliste anführen. In Copenhagenize Index 2025 heißt es über die untersuchten Orte in Europa: „Diese sind nach wie vor am besten aufgestellt, wenn es um die Fahrradpolitik geht.“ Luxemburg-Stadt fällt dabei positiv durch die Tatsache auf, dass dort zwischen 2020 und 2024 keine tödlichen Unfälle mit Radfahrerinnen oder Radfahrern registriert wurden. Das gilt sonst nur für Bergen, Niterói, Saragossa und Wellington.
Gibt noch Verbesserungsbedarf
Dennoch räumte Patrick Goldschmidt in der Ratssitzung im Dezember Verbesserungsbedarf ein: „Es stimmt, dass das Fahrradnetz aktuell noch Lücken hat und der Schöffenrat will schauen, diese so schnell wie möglich zu schließen – damit wir im Ranking weiter nach vorne kommen.“ Die Bewertung im Copenhagenize Index war damals auf Nachfrage von Rat François Benoy („déi gréng“) am Knuedler Thema. Jetzt darauf angesprochen, sagte das Mitglied der größten Oppositionspartei am Montag: „Der 77. Platz zeigt vor allem, dass noch ein langer Weg vor uns liegt, damit mehr Leute das Fahrrad nutzen.“
Das Messinstrument
Der Copenhagenize Index versteht sich laut seiner Webseite als Maßstab dafür, „inwieweit Städte weltweit Fortschritte dabei erzielt haben, das Radfahren sicher, bequem und alltagstauglich zu machen.“ Das Messinstrument hilft Städten dabei, Stärken und Schwächen zu identifizieren und von anderen Orten zu lernen, „um schnelle politische Verbesserungen voranzutreiben“. Bewertet wird, wie einfach, sicher und selbstbewusst sich Menschen mit dem Rad fortbewegen können. Analysiert werden drei Bereiche: Sicherheit und Vernetzung der Infrastruktur, Nutzung und Reichweite sowie der Bereich Politik und Unterstützung. Angeführt wird das im November 2025 veröffentlichte Ranking von Utrecht, gefolgt von Copenhagen und Gent. Dahinter liegen Amsterdam, Paris, Helsinki, Münster, Antwerpen, Bordeaux und Nantes. Auf dem 100. Platz landet Ouagadougou in Burkina Faso. Der Index wird von einem 2009 in Kopenhagen gegründeten, inzwischen in Paris ansässigen Unternehmen erstellt und in Zusammenarbeit mit EIT Urban Mobility – einer Initiative des Europäischen Instituts für Innovation und Technologie – ausgearbeitet. Dieser wird von der Europäischen Union mitfinanziert. Ansehen kann man sich das Dokument unter copenhagenizeindex.eu.
Der konkrete Rang von Luxemburg-Stadt spielt für ProVelo eine untergeordnete Rolle. Entscheidend sei laut Tim Eastwood von ProVelo, dass die Hauptstadt überhaupt im Ranking vertreten ist. Der Community-Manager der Vereinigung erklärte am Montag auf Nachfrage: „Das ist wichtig, um den Fortschritt einer Stadt festzuhalten. Dass man nun eine Verbesserung der Position sehen kann, ist relevanter als die aktuelle Platzierung.“ Tatsächlich scheinen die Gemeindeverantwortlichen eine solche Verbesserung anzustreben, denn so Patrick Goldschmidt: „Eigentlich sehe ich den Copenhagenize Index als Ansporn.“