Antivax-Proteste
Friedliche Demo laut Bürgerkollektiv „wichtiger Schritt in die richtige Richtung“
Erstmals seit Anfang Dezember sind die Antivax-Proteste in Luxemburg-Stadt ohne nennenswerte Zwischenfälle verlaufen. Nur eine Festnahme hatte die Polizei im Anschluss an die zwei Veranstaltungen am Glacis zu vermelden. Premiere feierte dabei ein neues Bürgerkollektiv, das sich im Vorfeld zusammengeschlossen hatte, um die Demo zu umrahmen und weitere Unruhen zu vermeiden.
Rund 200 Teilnehmer marschierten vom Glacis zum Kirchberg. Der Verkehr kam zeitweise zum Erliegen. Die Tram wurde aber nicht beeinträchtigt. Foto: Editpress/Didier Sylvestre
Rund 250 Menschen haben am Samstag in der Hauptstadt wieder gegen die Covid-Politik der Regierung demonstriert. Neben der bereits traditionellen „Saturday for Liberty“ um die Organisatoren Peter Freitag und Jean-Marie Jacoby haben sich am Glacis auch Sympathisanten jener Initiative eingefunden, deren Demonstrationen seit Anfang Dezember immer wieder für Schlagzeilen gesorgt haben. Im Gegensatz zu vorangegangenen Wochenenden aber sind Unruhen dieses Mal ausgeblieben.
Zum einen war die Demo zum ersten Mal überhaupt bei den Behörden gemeldet worden, zum anderen trat ein neues „Bürgerkollektiv aus verschiedenen Gruppen gegen die sanitären Maßnahmen“ in Erscheinung, das für einen geregelten Ablauf der Proteste sorgen wollte. Ziel sei es, die Demonstrationen zu umrahmen, um Unruhen und andere Zwischenfälle zu vermeiden.
Man wolle dafür sorgen, dass auch Familien mit Kindern und andere Passanten sich der Veranstaltung anschließen können, ohne Gefahr zu laufen, in Auseinandersetzungen mit den Ordnungskräften verwickelt zu werden. Szenen wie am letzten Wochenende wolle man nicht mehr erleben, so ein Sprecher des Bürgerkollektivs, das die Veranstaltung bei der Stadt Luxemburg gemeldet hatte.
Zur Erinnerung: Mehrere hundert Teilnehmer waren am vergangenen Wochenende kurz nach Beginn des Protestmarsches von der Polizei im Bahnhofsviertel eingekesselt worden. Bis zu fünf Stunden mussten manche Beteiligte in der Kälte ausharren, während die Beamten Identitätskontrollen durchführten und Anwesende nur nach und nach aus dem Kessel entließen. Dabei kam es auch zu gewalttätigen Auseinandersetzungen mit den Ordnungskräften, bei denen rund 30 Personen festgenommen wurden. Beteiligte sprachen von „purer Provokation“, die Gewalt der Beamten sei „unverhältnismäßig“ gewesen. Kritiker aber hielten den Demonstranten vor, die Polizisten selbst angegriffen zu haben. Aufnahmen von gewalttätigen Beamten seien manipuliert worden, so Beobachter. Die Gewalt sei von den Demonstranten ausgegangen.
Bei der Philharmonie machten die Teilnehmer kurz Halt, bevor sie wieder zurück zum Glacis marschierten Foto: Editpress/Didier Sylvestre
„Alles hat gut geklappt“
Vertreter des Bürgerkollektivs hatten sich im Lauf der Woche mit den Ordnungskräften getroffen, um weitere Schritte im Vorfeld abzusprechen. Dabei wurde unter anderem festgehalten, dass das Bürgerkollektiv sogenannte Stewards einsetzen werde, um als Ansprechpartner für Polizisten zu dienen, die Teilnehmer zu umrahmen und Unruhen im Keim zu ersticken. Die Polizei hatte für ihren Teil versprochen, den Protestzug zu begleiten, sich ansonsten aber im Hintergrund zu halten.
„Alles hat gut geklappt“, so das Fazit der Organisatoren am Samstagabend. Auf Seiten des Bürgerkollektivs sei man auf jeden Fall zufrieden mit dem Verlauf: Die Veranstaltung sei ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung gewesen. Tatsächlich musste die Polizei bis auf wenige Verkehrsbehinderungen nicht weiter eingreifen. Und die Festnahme, die im Anschluss vermeldet wurde, soll laut Tageblatt-Informationen auch nicht aufs Konto der besagten Veranstaltung gehen, sondern im Rahmen der „Saturday for Liberty“ erfolgt sein.
Die Polizei war zwar mit einem verstärkten Aufgebot vor Ort, war im Vergleich zu vorangegangenen Wochenenden aber nicht mehr ausschließlich in schwerer Schutzkleidung erschienen und hielt sich auch größtenteils im Hintergrund. Nur vereinzelt ergriffen leitende Beamte das Wort, um den Demonstranten Anweisungen zu erteilen. So hatten innerhalb des Protestzuges etwa Gerüchte die Runde gemacht, die Veranstaltung wäre nicht angemeldet und die Polizei warte nur darauf, dass sich die Teilnehmer in Bewegung setzten, um einzuschreiten. Ein leitender Beamter sah sich daraufhin gezwungen, die Beteiligten per Megafon zu beruhigen und auf die geltenden Regeln aufmerksam zu machen.
Laut Veranstalter verläuft aktuell ein tiefer Graben zwischen Demonstranten und Polizei Foto: Editpress/Anouk Flesch
Kurz nach 14.30 Uhr setzte sich der Protestzug mit rund 200 Teilnehmern über die rote Brücke in Richtung place de l'Europe in Bewegung. Skandiert wurden die bekannten Parolen, während vereinzelt Bengalos gezündet wurden. Ansonsten ist der Protestmarsch aber friedlich verlaufen. Die Stewards waren größtenteils damit beschäftigt, Parolen vorzugeben und mitgeführte Stärkungen in Form von Wasser, Obst und Süßigkeiten zu verteilen. Währenddessen blieben rund 50 Protestler zurück, um an der Kundgebung der „Saturday for Liberty“ am Rond-point Schuman teilzunehmen.
Mit insgesamt rund 250 Teilnehmern waren am Samstag weit weniger Demonstranten erschienen als in den Wochen zuvor. Die Ereignisse der letzten Wochen seien aber nicht der Grund für den Rückgang der Teilnehmerzahlen, so Schronen, der wegen seiner Teilnahme an vergangenen Unruhen und diverser Aussagen in den sozialen Netzwerken nicht ganz unumstritten ist. Angesichts der hohen Infektionszahlen seien viele Sympathisanten der Bewegung aktuell in Quarantäne. Andere wollten ihre Teilnahme bei den Protesten am Sonntag in Brüssel nicht gefährden.