Diekirch

Ein Gespräch mit Bürgermeister Charles Weiler: „Gemeinsam arbeiten ist das Fundament des Erfolgs“

Zum Jahresbeginn ist es vielerorts Tradition, dass man die Projekte erwähnt, die 2025 realisiert wurden oder in den kommenden zwölf Monaten anstehen. In diesem Rahmen führten wir ein Gespräch mit dem Diekircher Bürgermeister und Abgeordneten Charles Weiler (CSV).

Charles Weiler spricht über die Priorität der Dynamisierung des Stadtlebens für eine lebendige urbane Entwicklung

Charles Weiler: „Ein Punkt, den wir prioritär behandeln wollen, betrifft das Stadtleben, das weiter dynamisiert werden soll“ Foto: Editpress/Julien Garroy

Tageblatt: Im vergangenen Jahr standen in Ihrer Gemeinde so manche Projekte an. Können Sie uns die aufzählen, die Ihnen am wichtigsten erschienen?

Charles Weiler: 2025 war für uns ein sehr intensives Jahr. Da war zuerst einmal das sehr aufwendige und kostspielige Projekt einer „Maison relais“, das dem Schöffen- und Gemeinderat viel Kopfzerbrechen bereitete. Umso glücklicher sind wir, dass wir dieses Dossier endlich schließen konnten. Ein wichtiges Projekt betraf den Neubau für unsere technischen Gemeindedienste, der noch im Laufe dieses Jahres in Betrieb genommen werden soll. Ein weiteres umfangreiches Bauvorhaben war und ist auch weiterhin die komplette Erneuerung der dichtbefahrenen rue Clairefontaine, ein Projekt, das im kommenden September fertiggestellt sein soll.

Es gab doch aber nicht nur Bauvorhaben?

Nein, bei Weitem nicht. Ich hatte mir selbst zum Beispiel die Aufgabe auferlegt, den Gemeinderat wieder zu einem richtigen Rat zu gestalten, d.h. ein Rat, in dem alle Mitglieder egal welcher Couleur Gehör finden, mitreden und mitentscheiden können und in völliger Transparenz informiert werden. Was mir auch wichtig erscheint, ist, einen guten Draht zum Gemeindepersonal zu haben. Wir konnten im vergangenen Jahr einen neuen Kollektivvertrag für unser gesamtes Personal abschließen. Eine Gemeinde braucht motiviertes Personal, anders geht es nicht.

Wie steht es denn um die „Cité militaire“ und um das Projekt „Dräieck Dikrech“?

Das sind zwei Projekte, auf die wir seit einer gefühlten Ewigkeit warten. Die liegen nicht in unserer Kompetenz, sodass wir auf grünes Licht einerseits der SNHBM, andererseits eines Bauträgers angewiesen sind. Was den Bau von Wohnungen auf dem Areal der früheren „Cité militaire“ anbelangt, stehen die Zeichen aber jetzt gut, dass in diesem Jahr endlich mit den Arbeiten begonnen werden kann. In Sachen „Dräieck Dikrech“, wo Wohnungen und Büros auf dem Areal der früheren Brauerei geplant sind, wurden vor Kurzem leichte Änderungen am Gesamtplan vorgenommen, was unter anderem mit sich bringt, dass der punktuelle Bebauungsplan, der bereits seit rund zwölf Jahren besteht, leicht umgeändert werden muss.

Was den Bau von Wohnungen auf dem Areal der früheren ,Cité militaire‘ anbelangt, stehen die Zeichen aber jetzt gut, dass in diesem Jahr endlich mit den Arbeiten begonnen werden kann

Charles Weiler

CSV-Bürgermeister und Abgeordneter

Was sind denn die Prioritäten der Gemeindeführung für 2026?

Ein Punkt, den wir prioritär behandeln wollen, betrifft das Stadtleben, das weiter dynamisiert werden soll. Dazu wurde unter anderem das Budget für das „City Event Management“ erhöht. Es gibt eine ganze Reihe von Events, die in Planung sind und auf die wir zu gegebener Zeit zu sprechen kommen. Weitere Prioritäten betreffen einerseits die Erneuerung der beiden Kunstrasensportfelder beziehungsweise Fußballfelder, die in die Jahre gekommen sind und deren jetziger Zustand Gefahren für die Benutzer birgt. Dazu kommt ein Paddle-Tennisplatz, der von den vier „Nordstad“-Gemeinden mitgetragen wird. Andererseits wollen wir die Verkehrsberuhigung auf dem Gebiet unserer Gemeinde weiter ausbauen. Ein wichtiges Projekt ist der Bau eines Musikkonservatoriums mit regionalem Charakter. Die Pläne dazu liegen in der Schublade, doch wir können diesen Bau nicht in Angriff nehmen, bevor wir wissen, wie weit uns der Staat im Rahmen der „Nordstad“ finanziell dabei unterstützt.

Und wie sieht es mit dem Projekt „Nei Dikrech“ aus? Dabei geht es ja um die komplette Neu- beziehungsweise Umgestaltung des Stadtkerns mitsamt Fußgängerzone.

Ende letzten Jahres wurden aufgrund der Ideen, die sowohl im Gemeinderat als auch in der Bevölkerung vorgebracht wurden, Ausschreibungen vorgenommen. Bis Februar können Architekten ihre Ideen und Vorschläge einreichen, daraufhin werden wir für einen Wettbewerb fünf Architekten auswählen, die ihre Projekte entwickeln und zu Papier bringen sollen. Der Gewinner dieses Architektenwettbewerbs wird am 14. Juli während einer Pressekonferenz bekannt gegeben. Der Beginn der Arbeiten an der ersten Bauphase ist für 2027 geplant.

Wenn wir unsere Bürger in Sachen ,Nordstad‘ bei Fusionslaune halten wollen, braucht es viel mehr als nur halbleere Versprechen

Charles Weiler

CSV-Bürgermeister und Abgeordneter

Ein Gespräch mit Bürgermeister Charles Weiler: „Gemeinsam arbeiten ist das Fundament des Erfolgs“

Foto: Editpress/Julien Garroy

Sie haben jetzt bereits mehrmals die „Nordstad“ erwähnt. Wie sieht es denn überhaupt mit den Fusionsgesprächen aus und kann das Referendum, das bekanntlich bereits nächstes Jahr den rund 22.000 Bürgern der „Nordstad“ die Möglichkeit geben soll, über eine Fusion abzustimmen, abgehalten werden, oder anders gefragt, gibt es bereits konkrete Projekte, mit denen man die Bürger auf den Geschmack bringen kann?

Tja, das ist eine gute Frage. Die vier Gemeinden setzen sich, nach den bekannten erlebten Rückschlägen, mit aller Kraft dafür ein, dass die Fusion zustande kommt. Die Bürgermeister der vier Gemeinden treffen sich jeden Dienstagmorgen zu Gesprächen in den „Nordstad“-Büros auf Fridhaff. Doch um ehrlich zu sein: Womit das Ganze steht und fällt, ist die Frage um die notwendigen Terrains für Projekte wie zum Beispiel Sporthalle, Schwimmbad, Verwaltungsgebäude usw. Viele der Areale, die wir dazu benutzen könnten, liegen in Hochwassergebieten, andere sind in privater Hand. Sollten wir die notwendigen Grundstücke nicht bekommen, wird es schwierig, um nicht zu sagen unmöglich, den Bürgern vor dem Referendum konkrete Projekte in Aussicht zu stellen. Das wäre der Todesstoß für die Fusion.

Wenn Sie für 2026 vier Wünsche frei hätten, welche wären das?

Nägel mit Köpfen in puncto „Nordstad“-Fusion und eine konstruktive Zusammenarbeit im Schöffen- und Gemeinderat sowie mit dem Gemeindepersonal. Persönlich wünsche ich mir eine gute Gesundheit und mehr Zeit für meine Familie und meinen Freundeskreis.

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