Ironman-Serie

Da war es nur noch einer ...

Vier Monate lang hat Journalist Cédric für einen Ironman trainiert. Jetzt beendet er das Projekt – wegen anhaltender Knieprobleme. Warum dieser Schritt trotzdem kein Scheitern ist.

Die beiden Tageblatt-Journalisten Louis Elsen (l.) und Cédric Feyereisen (r.)

Die beiden Tageblatt-Journalisten Louis Elsen (l.) und Cédric Feyereisen (r.) Foto: Editpress/Alain Rischard

Es hat sich lange angekündigt, es gab von Anfang an Zweifel. Jetzt ist es so weit: Ich höre mit dem Ironman-Training auf.

Das Knie spielt nicht mit. Die Schmerzen sind wieder genauso stark wie vor meiner zweimonatigen Laufpause. Nach etlichen Arztterminen, Kiné-Übungen, zwei verschiedenen physiotherapeutischen Untersuchungen, zwei MRT-Scans und regelmäßigen Pausen muss ich mir eingestehen: Mir fehlt die Motivation und auch die Zeit, das Training weiterzuführen, wenn ich nicht einmal sicher sein kann, am Ende tatsächlich über die Ziellinie zu laufen.

Cédric bei seiner ersten Trainingseinheit am 4. November 2025, Start eines neuen Fitnessprogramms

Cédric bei der allerersten Einheit am vierten November 2025 Foto: Louis Elsen

Damit das Knie vielleicht besser wird, müsste ich noch zum Podologen gehen, weiterhin regelmäßig das Knie beim Kiné trainieren und zusätzlich die Rumpfmuskulatur stärken, wie sich bei der Physiountersuchung herausgestellt hat. All das würde noch mehr Zeit in Anspruch nehmen – und trotzdem könnte mir niemand garantieren, dass ich die 42 Kilometer Laufen am Ende des Ironmans tatsächlich schaffen würde.

Der Erfolg dieses Projekts liegt damit nicht mehr nur in meiner Hand. Oder zumindest fühlt es sich so an.

Zeitintensives Training

Von Anfang an war klar, dass das Training Zeit kosten würde. Zeit, die man sonst mit Partnerin, Freunden oder Familie verbringt. Das wäre es mir auch wert gewesen, wenn ich mir hätte sicher sein können, dass sich die Mühe lohnt. Doch irgendwann muss man sich auch eingestehen, wenn Aufwand und Unsicherheit nicht mehr zusammenpassen.

Louis trainiert weiter. Wenn er also nächstes Jahr die Ziellinie des Ironman überquert, werde ich dort stehen – nicht mit einer Startnummer auf der Brust, sondern am Streckenrand. Und ihn anfeuern.

Es ist nicht einfach, diesen Schritt zu machen – und noch schwieriger, ihn öffentlich zu erklären. Diese Serie war schließlich genau das: öffentlich. In Zukunft muss ich mir also die Frage gefallen lassen: „Bist du nicht der Journalist, der nach vier Monaten Training aufgegeben hat?“

Vielleicht. Aber ich habe es zumindest versucht. Und ganz ohne Ergebnis endet dieses Projekt für mich trotzdem nicht: Ich habe den Sport wieder in mein Leben zurückgeholt. Und ich habe gemerkt, dass er nicht spektakulär sein muss, um etwas zu bringen.

Cédric beim Leistungstest, der Startpunkt wird festgelegt für präzises Training und Leistungsanalyse

Cédric beim Leistungstest – ein Startpunkt wird festgelegt Foto: Editpress/Hervé Montaigu

Mehr als ein Ironman

Da war es nur noch einer ...

Es muss kein Ironman sein. Es muss nicht einmal ein Marathon sein. Vielleicht reicht schon der erste Lauf um den Block. Vielleicht sind es zwanzig Minuten auf dem Rad oder ein paar Bahnen im Schwimmbad nach der Arbeit.

Wenn ich aus dieser Serie etwas mitnehme, dann genau das: Die Einheiten müssen nicht lang sein. Man muss nicht besonders schnell laufen, besonders weit radeln oder besonders sauber schwimmen, um etwas Gutes für sich zu tun.

Wenn mein Versuch, einen Ironman zu schaffen, am Ende dazu geführt hat, dass ich wieder regelmäßig Sport mache, dann war dieses Projekt für mich kein Scheitern.

Und vielleicht motiviert es ja auch den einen oder anderen Leser, selbst wieder anzufangen. Nicht mit einem Ironman. Sondern vielleicht einfach mit dem ersten Kilometer.

Das sagt Louis:

Louis läuft 2027 motiviert durch die Ziellinie beim Ironman Klagenfurt ohne Cédric an seiner Seite

Auch ohne Cédric will Louis 2027 durch die Ziellinie in Klagenfurt laufen Foto: Editpress/Alain Rischard

„Ich höre auf“, verkündet Cédric mir, nachdem ich ihn zum ersten Mal nach seinen zwei freien Wochen sehe. Überrascht? Leider nicht wirklich – obwohl ich Hoffnung hatte.

In den vergangenen Wochen habe ich mich viel mit unseren Kollegen aus der Redaktion unterhalten. Was sie denken – wie sie ihn einschätzen – und wie lange sie ihm noch Zeit geben. Die Reaktionen waren größtenteils einseitig: Wenig Hoffnung und er hätte maximal noch ein paar Wochen in sich.

Ich persönlich war mir nie so sicher. Nach seiner ersten Knieverletzung schien er wieder richtig ins Projekt zu finden. Bei unseren Unterhaltungen über die Trainingseinheiten hat er sich zwar oft beklagt – und doch glaubte ein Teil von mir, dass er es durchziehen würde.

Auch wenn alles auf dieses Resultat hingewiesen hat, bin ich trotzdem enttäuscht. Ich bin nicht enttäuscht von Cédric, sondern für Cédric. In der kurzen Zeit, in der er jetzt aktiv trainiert hat, konnte er noch nicht in den Genuss der positiven Aspekte kommen. Was das Training angeht, konnte es bei ihm noch nicht umschalten von „ich muss“ zu „ich will, darf, möchte“.

Ich weiß aber, dass Cédric sich seine Entscheidung gut überlegt hat und jetzt auch nicht mehr umzustimmen ist. Somit muss auch ich mich jetzt damit abfinden.

„Da steh’ ich nun, ich armer Tor!“ hätte Faust gesagt. Bemitleiden kann ich mich aber nicht, das Projekt hatte ich anfangs ohnehin allein geplant. Für mich heißt das jetzt nur eins – Aufgeben ist definitiv keine Option mehr. Das Projekt sterben lassen, kommt für mich gar nicht infrage. Und ich will auch einfach ein Ironman werden!

Ich weiß auch, dass ich, trotz des Wegfallens von Cédric, nicht alles allein stemmen muss. Freunde und Kollegen haben mich bis hierhin ohnehin schon unterstützt und auf diese kann ich auch weiterhin zählen.

Kapitel zwei vom Projekt „Selbstexperiment Ironman“ ist somit eröffnet.

Wie geht es weiter?

Die Serie wird sich in Zukunft ein wenig anpassen. Artikel in der Zeitung werden in Zukunft nicht mehr im Zwei-Wochen-Takt erscheinen, sondern einmal im Monat. Online könnt ihr jedoch öfter erfahren, wie es dem angehenden Triathleten Louis wohl geht.

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