Twing-Raid-Heimkehr
Warm, staubig, unvergesslich – eine kleine Wüstenodyssee
Harte Tage, kalte Nächte, viel Sand: Die Wüstenrallye Twing Raid ist beendet. Beide LGE-Teams sind wohlauf und seit Donnerstag auf Heimreise, mit Medaille und Erinnerungen im Gepäck. Rückblick.
Die glorreichen Vier freuen sich auf zu Hause Foto: Christian Schaack
Nach der Medaillenüberreichung, für uns fast eine Auszeichnung fürs Überleben, gab es endlich wieder warmes Essen. Ein Luxus, der während der Rallye fast mythisch geworden war: Beim Frühstück wie beim Abendessen waren die warmen Gerichte wegen der langen Schlange vor dem Buffet meist schon kalt. Wer dampfende Pfannen wollte, musste sich vordrängeln oder ein Wunder erleben. Wir setzten auf Geduld – und lauwarme Eier.
Im Hotel wartete der nächste Luxus: Duschen und Betten mit Matratzen. Nach Tagen in der Wüste fühlte sich das an wie ein Fünf-Sterne-Spa. Kaum liegt man, startet im Kopf das Kino der letzten Tage.
Unser zu tief liegendes Auto nahm jeden zweiten Sandhügel mit der Eleganz eines gestrandeten Wals. Dann wurden wir abgeschleppt, von einem Abschleppwagen mit plattem Reifen: Tragikomödie und Slapstick in einem. Unvergesslich auch unser „fliegender Teppich“, den wir immer wieder aus dem Sand drücken mussten.
IKEA-Regal im Orkan
Und der Sand selbst: ein allgegenwärtiger Mitreisender. Er trocknete die Haut aus, versperrte die Sicht und etablierte überall seinen eigenen Duft, eine Mischung aus Abenteuer, Motoröl und Verzweiflung. Dazu Sandsturm, Verirren, Zelt auf- und abbauen im Sturm: so angenehm wie ein IKEA-Regal zusammensetzen im Orkan.
Doch zwischen all diesen Strapazen gab es auch Momente, die bleiben: die Solidarität und Hilfsbereitschaft der anderen Teilnehmer, die gute Stimmung während der Rallye, die wundervollen Landschaften und prächtigen Strecken.
Und natürlich die Begegnungen mit den Menschen entlang der Strecke: manchmal übertrieben aggressiv bettelnde Kinder, die einen fast überfielen – und dann wieder diese strahlenden Augen, wenn wir Schulmaterial überreichten. Augenblicke, die alle Mühen sofort relativierten.
All das ließ die beiden LGE-Teams enger zusammenrücken. Nach so vielen Pannen, Improvisationen und peniblen Momenten schweißt man als Team zusammen, wie ein altes Ehepaar, das schon jede Krise überlebt hat. Beim Abendessen lernten wir außerdem das dritte luxemburgische Team kennen.
Marrakesch
Den anschließenden Ruhetag nutzte Alain, um sich im Hotel zu erholen. Ich hingegen zog mit einem ausgesprochen freundlichen Taxifahrer nach Marrakesch los, der mir spontan eine komplette Stadttour anbot.
Er zeigte mir den Majorelle-Garten, die schicksten Cafés, moderne Einkaufsgalerien, das von den Franzosen gebaute Viertel, das legendäre Fünf-Sterne-Hotel La Mamounia, die älteste Moschee aus dem 12. Jahrhundert und den Königspalast. Eine tolle Rundfahrt.
Aussteigen wollte ich unbedingt am Djemaa-el-Fna-Platz, um die Schlangenbeschwörer und den Souk zu erleben, ein vibrierendes Chaos.
Überall Katzen. Dazu ein Meer aus Gerüchen, Geräuschen und Farben. Touristen überall. Und kaufen kann man praktisch alles: Schmuck, Kleider, Schuhe, Gewürze, Keramik, Möbel, Antiquitäten, Lebensmittel und sogar Kleintiere.
Natürlich gehört auch dazu, sich auf eine Dachterrasse zu setzen, einen Minztee zu bestellen und über Marrakesch zu blicken. Eine exotische, lebendige und wunderbar erfüllende Erfahrung.

„Jahresversammlung“ der Twingos in Marrakesch Foto: Christian Schaack
Ankunft am Sonntag
Am Mittwochabend stand schließlich das Farewell Dinner auf dem Programm: warmes Essen (ja, wirklich warm!), Preisverleihung, Feuerspucker, Bauchtänzerinnen, Dromedare und Dance Music. Viel Gelächter, viel Austausch, viele Geschichten.
Nach all den Strapazen freuen wir uns nun auf die Heimreise am nächsten Morgen. Der Kopf ist voller Erinnerungen – Staub, Abenteuer, Pannen und Freundschaften. Und ganz besonders freuen wir uns auf das Wiedersehen am Sonntag mit Familie und Freunden vor dem „Jongelycée“.
Am Donnerstagabend ging’s mit der Fähre von Tanger nach Spanien: viele Kilometer vor uns, aber ohne Buckelpiste und Wüstensand.