Atomkraft

Diese verstörenden Eindrücke sollen aus Cattenom stammen: Rost, undichte Leitungen, Kabelschächte voller Wasser

Dass es in Atomkraftwerken, die teils seit fast 40 Jahren in Betrieb sind, nicht mehr überall fabrikneu glänzt und blitzt, mag einleuchten. Was aber auf den Videos zu sehen ist, die der luxemburgische Greenpeace-Aktivist und Atomenergie-Kritiker Roger Spautz am Freitag bei Twitter/X veröffentlicht hat, unterläuft die meisten noch so tief gelegten Erwartungen. Die Aufnahmen sollen aus Cattenom stammen.

Müdes Material: Diese Aufnahmen von rostenden Rohren, Kabelschächten voller Wasser und verdreckten Arbeitsbereichen sollen aus Cattenom stammen

Müdes Material: Diese Aufnahmen von rostenden Rohren, Kabelschächten voller Wasser und verdreckten Arbeitsbereichen sollen aus Cattenom stammen Foto: Screenshots X/Roger Spautz

Auf einem 55-sekündigen Clip sieht man zuerst offenbar eine Pumpe. Schon deren blaues Gehäuse sieht reichlich angeschlagen aus, an mehreren Stellen blitzt Rost durch. Als die filmende Person das verwirrende Leitungsdickicht hinter dem Gehäuse langsam umrundet, sieht und hört man, dass an etlichen Stellen beständig Tropfen herunterlaufen. „Ätzendes Kühlmittel tritt aus“, schreibt Spautz dazu. Und: „Das passiert, wenn man vergisst, Dichtungen einzubauen.“

Impressions de #Cattenom #nucléaire tranche 2 : Fuite de liquide de refroidissement corrosif. Ça arrive lorsqu’on oublie de mettre des joints. pic.twitter.com/jHS8PTfGhL

— RogerSpautz (@RogerSpautz) October 13, 2023

In einem anderen Beitrag sind Kabelstränge und Rohre in einem mit Eisenplatten abgedeckten Schacht zu sehen – der selbst offenbar voller Wasser steht. Auch hier wirkt das Material und das ganze Drumherum vollkommen abgenutzt. Spautz kann das nur noch sarkastisch kommentieren: „Alles in Ordnung.“

Impressions de #Cattenom #nucléaire : Petite fuite de vapeur. pic.twitter.com/7Lh4Nt3BrL

— RogerSpautz (@RogerSpautz) October 13, 2023

Ein anderes Foto wurde offenbar auf einem Dach aufgenommen. Man kann etwas vom Kraftwerksgelände sehen und Wälder am Horizont.

Alles vollgesch…..

Am auffälligsten ist aber ein großer, gelber Bühnenwagen auf Rollschienen – darauf und daneben, am Boden, offenbar achtlos liegengelassenes Material: weiße und rosafarbene Folien, Metallständer, etwas, das aussieht wie Stoffreste. Und das alles bedeckt von Tausenden Kügelchen und Flecken: Es handelt sich wohl um Tierkot, vielleicht von Tauben. Das mutet an als ekelerregende Szenerie – und fest steht: Ein aufgeräumter Arbeitsplatz sieht anders aus.

Impressions de #Cattenom #nucléaire tranche 3 : Verrue dans la zone contrôlée. pic.twitter.com/DnqDo3yb2w

— RogerSpautz (@RogerSpautz) October 13, 2023

Ein weiteres Video zeigt noch mal Rohre, Ventile, Eisengitter. Auch hier sieht man allenthalben aufgeplatzte Oberflächen, Rost, Tropfen – und Dampf, der offenbar mit Kraft aus undichten Stellen herauskommt.

Es ist wichtig, zu betonen, dass die Authentizität dieser Aufnahmen derzeit völlig unbelegt ist: Der Greenpeace-Aktivist erklärt gegenüber dem Tageblatt nur, die Aufnahmen seien ihm „zugespielt“ worden, offenbar erstellt von aufgebrachten Arbeitern, die auf die Verhältnisse vor Ort aufmerksam machen wollen. Manche Aufnahmen sollen aus dem vergangenen Jahr stammen, andere neueren Datums sein.

Nicht mehr willkommen

Selbst machen könne Spautz solche Aufnahmen längst nicht mehr: Früher hat er an etwa einem halben Dutzend Inspektionen teilnehmen können – und erzählt, auch da haarsträubende Dinge gesehen zu haben. Doch nach der spektakulären Aktion, bei der Aktivisten es aufs AKW-Gelände schafften und dort ein Feuerwerk zündeten, ist der Greenpeaceler kein gern gesehener Gast mehr. Und als Angehöriger der lokalen Informationskommission (CLI) kann er nur aus der Ferne Informationen verlangen.

Impressions de #Cattenom #nucléaire tranche 2. De l’eau dans des passages de câbles. Tout va bien. pic.twitter.com/VKf9jKioTB

— RogerSpautz (@RogerSpautz) October 13, 2023

Dass in Cattenom einiges im Argen liegt, ist bekannt – das Tageblatt berichtete regelmäßig. Zum Beispiel über den Stop-and-Go-Betrieb durch die ständigen Pannen. Oder den „Areva-Skandel“: 2016 wurde bekannt, dass die Schmiede Creusot Forge über Jahrzehnte nicht nur mangelhaftes Material für Atomkraftwerke geliefert hatte, sondern dass dies auch noch über manipulierte Unterlagen kaschiert wurde. Zudem wurde vor einigen Jahren klar, dass auch in Cattenom sicherheitsrelevante Rohre einen schweren Materialfehler aufwiesen – und dass beim Neubau der Rohre in Italien diverse Protokolle nicht befolgt wurden, was im Endeffekt dazu hätte führen können, dass auch das neue Material entsprechende Mängel aufweist.

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