Cavem

Musikschule in Bonneweg öffnet nach Osterferien nicht

Nach ihrer Pleite bleiben die Türen der privaten Musikschule Cavem in Bonneweg auch nach den Ferien geschlossen. Die Zukunft ist ungewiss. Helfen könnte eine Person, die investiert und beim administrativen Aufbau unterstützt.

Leere Musikschule in Bonneweger rue des Trevires ohne Unterricht nach Osterferien, verzögerter Start des Musikunterrichts

Anders als ursprünglich erhofft, findet nach den Osterferien in den Räumlichkeiten in der Bonneweger rue des Trévires noch kein Musikunterricht statt Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante

„Ich habe in den letzten Wochen nur telefoniert, E-Mails und SMS geschrieben. Es kommt mir vor, als sei das alles schon zwei Monate her“, erzählt Filipe Galvao am Sonntag am Telefon. Er gehört zu sechs Lehrkräften, die sich aktiv dafür einsetzen, dass die Musikschule in der Bonneweger rue des Trevires in Zukunft wieder öffnen kann. Vor etwa drei Wochen wurde bekannt, dass das „Centre audio-visuel d’enseignement musical“ (Cavem) insolvent ist.

Kurz vor den Osterferien gab es einen Lichtblick für die rund 600 Schülerinnen und Schüler sowie etwa 15 Lehrkräfte: Bei einem Treffen mit dem Konkursverwalter kündigte der Besitzer der Räumlichkeiten an, diese weiterhin an die Musikschule zu vermieten. Die Nachricht machte den Lehrerinnen und Lehrern Mut. Sie hatten bereits zuvor entschlossen, die Schule gemeinsam weiterzuführen.

Klavierlehrer Filipe Galvao unterrichtet seit 34 Jahren an Privatschule und engagiert sich für deren Zukunft

Seit rund 34 Jahren arbeitet Klavierlehrer Filipe Galvao bei der Privatschule – und setzt sich nun für deren Zukunft ein Foto: Editpress/Hervé Montaigu

„Nun hoffen wir, vielleicht bereits nach den Osterferien wieder öffnen zu können“, kündigte Klavierlehrer Filipe Galvao nach dem Gespräch mit dem Konkursverwalter am 27. März an. Rund zwei Wochen später wird jedoch klar: So schnell geht es nicht. „Wir müssen realistisch sein: Die Schule öffnet morgen nicht“, sagt Filipe Galvao am Sonntag am Telefon.

Suche nach Lösung

Der Mann, der seit fast 34 Jahren in Bonneweg Klavierunterricht gibt, berichtet, dass er in den vergangenen zwei Wochen Kontakt zu einem möglichen Ankäufer hatte. Am Donnerstag haben sich einige Lehrkräfte mit ihm getroffen. Dabei wurde jedoch klar, dass das Modell nicht passt, wie Galvao erklärt: „Eigentlich klang es gut und es hätte etwas werden können. Aber wir hätten als Freelancer arbeiten müssen. Das sind wir nicht gewohnt.“

Nach dem Gespräch diskutierte das Personal weiter. Schnell wurde klar, dass es sich mehr Garantien wünsche, berichtet Filipe Galvao: „Man weiß nicht, ob man überhaupt dort arbeiten könnte. Ob man in zwei oder sechs Monaten noch da wäre“. Er und ein Großteil des Teams waren viele Jahre fest bei der Cavem angestellt. Künftig soll zudem die gesamte Verantwortung nicht mehr bei einer Person liegen – wie bisher. Der aktuelle Geschäftsführer der privaten Musikschule gilt derzeit als vermisst.

Direktor weiterhin vermisst

Seit Mitte März gilt der Geschäftsführer des „Centre audio-visuel d’enseignement musical“ (Cavem), Andreas Marx, als vermisst. Auf Nachfrage teilt die Pressestelle der Justiz mit, dass die Vermisstenmeldung des gebürtigen Trierers weiterhin aktiv ist. Mehrere Personen haben ihn bei der Polizei als vermisst gemeldet. Der Mann ist etwa 1,80 bis 1,90 Meter groß, schlank und hat langes, braunes Haar. Hinweise nimmt die Polizeidienststelle Luxemburg unter der Nummer (00352) 244 40 1000 oder per Mail an police.capitale@police.etat.lu entgegen. Die Pressestelle der Justiz unterstreicht, dass im Zusammenhang mit der Insolvenz der Cavem bislang keine strafrechtliche Anzeige vorliegt.

„Wir haben überlegt, was wir gemeinsam machen können. Im Idealfall finden wir eine Person, die sich unter anderem um die Buchhaltung kümmert, ohne sich zu sehr in den Unterricht einzumichen“, so der Klavierlehrer. Derzeit arbeiten sich die Lehrkräfte in administrative Abläufe ein und prüfen, wie sie die Schule gemeinsam führen können. „Das braucht viel Zeit und es kommt noch einiges auf uns zu“, sagt Filipe Galvalo. Er spricht von einer intensiven Phase mit gemischten Gefühlen und sagt: „Sechs Monate lang könnte ich das so nicht durchhalten.“

Inverstorin oder Investor gesucht

Solange soll es auch gar nicht dauern. „Eine ‚Rentrée‘ im September wäre genial“, wünscht sich Filipe Galvao. Einige Schülerinnen und Schüler, die die Einrichtung seit Jahren besuchen, haben dem Klarvierlehrer zufolge zugesagt, zu warten. Er steht mit ihnen in Kontakt. „Das ist sehr wichtig“, betont Galvao. Er ist überzeugt, dass die Klassen – einmal gestartet – wieder gut besucht sein werden. „Die Schule ist wie eine Lokomotive: Wenn sie einmal läuft, dann läuft sie.“

Was noch fehlt ist das Startkapital: Rund 100.000 Euro werden mindestens für den Neustart benötigt – etwa 80.000 könnten die Lehrkräfte selbst aufbringen. Zugleich hoffen sie allerdings, dass eine externe Person 50.000 Euro investiert und Anteile übernimmt. Filipe Galvao sagt: „Mit 150.000 könnten wir gut starten.“ Auch er und andere Teammitglieder wollen durch Anteile beteiligt sein.

Nach den Osterferien soll das Schulmaterial – darunter auch die Instrumente – versteigert werden. Sollte die Musikschule eine Zukunft haben, will das Team die Instrumente für die neue Schule erwerben. Das kostet Geld. Hinzu kommen Anwalts- und Notarkosten sowie Ausgaben für die Miete. Ihre ausstehenden Gehälter sollen die Lehrkräfte übrigens bald erhalten. Seit Februar wurden sie nicht mehr bezahlt, andere sogar noch länger nicht.

Entscheidung in kommender Zeit

Filipe Galvao zufolge muss es nun schnell gehen, denn: „Drei, vier Leute haben wir bereits verloren. Sie wollen das nicht noch einmal durchmachen und suchen sich eine andere Arbeit.“ Einige seien ursprünglich „super motiviert“ gewesen, hätten sich inzwischen jedoch entschieden, andere Wege zu gehen. Gleichzeitig betont er, dass andere weitermachen wollen.

Drei, vier Leute haben wir bereits verloren.
Sie wollen das nicht noch einmal durchmachen und suchen sich eine andere Arbeit.

Filipe Galvao

Klavierlehrer bei der Cavem

Zunächst würde nur die Schule in Bonneweg wieder öffnen, entsprechend wird weniger Personal benötigt. Die Zweigstellen in Esch, Ettelbrück oder Mersch bleiben vorerst geschlossen. Das Schicksal der Musikschule dürfte sich in den kommenden Wochen entscheiden. „Ende des Monats sollte gewusst sein, ob die Schule ganz schließen muss oder nicht“, sagt Filipe Galvao. Er geht davon aus, dass es in zwei Wochen mehr Klarheit gibt – vielleicht auch schon früher.

Der harte Kern will sich weiter für die Schule einsetzen. „Wir kennen uns seit 30 Jahren, wir sind wie eine Familie“, sagt Filipe Galvao. „Es wäre schön, wenn wir in zwei Jahren zusammen grillen – oder wie früher angeln gehen – und sagen können, dass wir die richtige Entscheidung getroffen haben“, wünscht sich der Klavierlehrer. Und sagt: „Wir hoffen. Wir alle hoffen.“

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