Musikschule
Hoffnung nach Cavem-Insolvenz: Lehrer kämpfen für Neustart
Die Musikschule Cavem ist insolvent – 600 Schüler stehen plötzlich ohne Unterricht da. Doch einige Lehrer geben nicht auf: Sie wollen das Konzept retten und eine neue Schule aufbauen. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt.
Trotz Insolvenz und Gebäudeverlust arbeiten Cavem-Lehrer, darunter Benjamin Renz, an einer neuen Perspektive Fotos & Collage: Editpress, privat
Die Musikschule Cavem ist zahlungsunfähig. Seit vergangenem Freitag wird das Unternehmen im Handelsregister als „Faillite“ geführt. Die Nachricht schlug am Montag bei vielen Musikinteressierten in Luxemburg ein. Nun keimt Hoffnung auf: Einige Cavem-Lehrer wollen das Konzept retten und eine neue Schule gründen. Doch das wird nicht einfach. Der angerichtete Schaden ist groß.
Mit dem Ende der Cavem stehen rund 600 Musikschüler ohne Unterricht da. Zudem sind die Arbeitsplätze von etwa 15 Lehrerinnen und Lehrern in akuter Gefahr. Auch einige freiberufliche Musiklehrer sind betroffen. Und mehr noch: Mit der Cavem, deren Ursprünge bis in die 1970er-Jahre zurückreichen, droht Luxemburg eine Institution zu verlieren.
Das Tageblatt berichtete am Montag exklusiv über die Insolvenz der Musikschule. Deren Direktor gilt seit dem 13. März als vermisst. Fernande Pletschette, die seit 33 Jahren Klavier an der Cavem unterrichtet, schilderte ihre Gefühlslage nach der Nachricht vom Aus. „Die Cavem war wie eine Familie“, sagte sie dem Tageblatt. „Wir sind einfach nur fassungslos.“
Ebenfalls fassungslos ist Benjamin Renz. Wie Pletschette ist er seit vielen Jahren an der Cavem tätig. Seit 2004 unterrichtet der gebürtige Düsseldorfer vor allem Gitarre an der Schule, die einst als Gegenmodell zu den starreren Kursen der Conservatoires gegründet wurde. Vom Konkurs erfuhr er wie viele andere erst am vergangenen Freitag. Doch aufgeben wollen er und einige Mitstreiter nicht. Sie hoffen, zumindest die Idee der Cavem retten zu können.
Ein Schock kommt selten allein
Auf den ersten Schock folgte rasch der nächste. Am Montag erfuhren die Lehrer, dass das Gebäude in Bonneweg, in dem die Cavem ihren Hauptsitz hat, verkauft werden muss. Der Eigentümer, zugleich früherer Besitzer der Schule, bleibt nach dem Konkurs und dem Verschwinden des Direktors Andreas Marx auf erheblichen Schulden sitzen. Ihm bleibe nichts anderes übrig, als das Gebäude zu veräußern, sagt Renz. Für die Lehrer verschärft das die Lage: Ein Neustart am bisherigen Standort ist damit ausgeschlossen.
Nun beginnt ein Rennen gegen die Zeit. Die Schule sei wirtschaftlich tragfähig gewesen, sagt Renz. „Wir hatten rund 600 Schüler. Damit lässt sich so eine Schule betreiben.“ Entscheidend sei nun, den Schülern rasch eine Alternative zu bieten. „Sonst laufen sie uns weg – und dann wird es schwierig.“
Op iergendeng Manéier geet et weider
Benjamin Renz
Musiklehrer
Dennoch bleibt Renz zuversichtlich. Er und mehrere Kollegen wollen weitermachen. „Wir haben bereits über verschiedene Gesellschaftsformen nachgedacht“, sagt er. Klar sei auch: Ein neuer Name müsse her. „Das Kapitel Cavem ist zu.“ Jetzt müsse es schnell gehen.
Am Freitag steht ein weiteres Treffen an. Die ehemaligen Cavem-Lehrer kommen mit dem Konkursverwalter zusammen. „Dann wissen wir mehr“, sagt Renz. Bereits jetzt seien fünf bis sechs Lehrer bereit, das Konzept in irgendeiner Form weiterzuführen. Dieser harte Kern sei auch bereit, eigenes Geld zu investieren. „Die Cavem mag weg sein, aber wir sind noch da.“
„Op iergendeng Manéier geet et weider“, zeigt sich Renz überzeugt. Es wäre „zu traurig, wenn eine solche Traditionsschule durch das Unvermögen einer Person kaputtgemacht würde“. Was die Initiative nun braucht, ist vor allem Unterstützung. „Ohne Gebäude geht es nicht“, sagt Renz. In Bonneweg standen ein gutes halbes Dutzend Räume für den Unterricht zur Verfügung. Ähnliche Bedingungen, möglichst in Luxemburg-Stadt, seien nun nötig, damit die Idee weiterleben kann.
An Renz und seinen Mitstreitern soll es nicht scheitern.