Musikschule

Cavem ist pleite – 600 Schüler ohne Unterricht, Lehrer verlieren ihre Jobs

Die Musikschule Cavem ist insolvent und ihr Direktor gilt als vermisst. 600 Schüler stehen so plötzlich ohne Unterricht da, die knapp 20 Lehrer verlieren ihre Jobs – und Luxemburg eine Institution.

Lehrer der Musikschule stehen fassungslos im Klassenzimmer und diskutieren über unerwartete Probleme im Unterricht

„Wir sind einfach nur fassungslos“: Die Lehrer der Musikschule verstehen nicht, was schiefgelaufen ist Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante

Die Musikschule Cavem ist zahlungsunfähig. Seit vergangenem Freitag wird das Unternehmen im Handelsregister als „Faillite“ geführt. Rund 600 Musikschüler verlieren damit ihren Unterricht, etwa 15 Musiklehrer ihren Arbeitsplatz. Ebenfalls betroffen sind ein knappes halbes Dutzend freiberuflicher Musiklehrer.

Cavem-Direktor Andreas Marx (52) gilt zudem seit zehn Tagen als vermisst. Die Polizei veröffentlichte am 13. März eine entsprechende Meldung inklusive Foto. Marx war seit 2014 Geschäftsführer und Minderheitseigner der Musikschule, vor zwei Jahren übernahm er die Anteile seines Vorgängers und wurde alleiniger Besitzer. Diese wurde in den 1970er-Jahren als freieres Gegenmodell zu den theorielastigen „Conservatoires“ gegründet und war lange sehr erfolgreich.

Die Cavem war wie eine Familie für uns

Fernande Pletschette

Die Pianistin arbeitete 33 Jahre für die Musikschule

Die Pianistin Fernande Pletschette, die seit 33 Jahren bei der Cavem arbeitet, steht wie ihre Kolleginnen und Kollegen vor den Scherben eines Lebenswerks. „Die Cavem war wie eine Familie, wir haben uns noch am Montagmittag getroffen“, sagt sie dem Tageblatt. „Wir sind einfach nur fassungslos.“

Wie es zu dem Konkurs kommen konnte, kann sich Pletschette nicht erklären. „De Buttek ass gelaf“, sagt sie. Die rund 600 Schülerinnen und Schüler (zur einen Hälfte Kinder und Jugendliche, zur anderen Erwachsene) seien ein sehr guter Durchschnitt gewesen. Der Konkurs habe also nicht an mangelndem Interesse gelegen.

Ein ungutes Gefühl habe sie allerdings seit Monaten gehabt. Ihr und einigen Kolleginnen und Kollegen seien die vielen Briefe aufgefallen, die regelmäßig in den Büros der Cavem in Bonneweg eintrafen. Wenn sie Marx darauf ansprach, habe er abgewimmelt. „Alles okay, ich mache das“, habe er geantwortet. Dabei habe er zunehmend einen nervösen Eindruck gemacht, so Pletschette. Dass vieles offenbar nicht in Ordnung war, zeigt die Konkurserklärung.

Den „Chargés de cours“ der Cavem kommt die undankbare Aufgabe zu, ihre Schülerinnen und Schüler darüber zu informieren, dass keine weiteren Kurse stattfinden werden. Dabei haben nicht wenige ihre Kurse bereits für das ganze Jahr bezahlt, wie Pletschette weiß. Wenn sie ihr Geld zurückfordern wollen, müssen sie sich an den Konkursverwalter wenden. Dessen Kontaktdaten geben die Lehrkräfte weiter.

Lange, erfolgreiche Tradition

Gegründet wurde die Cavem 1972 vom luxemburgischen Musiker Jean Roderes als „Pop-Music-School Jean Roderes“. 1983 übergab er die Schule an René Wagener. Sie wurde in „Centre audio-visuel d’enseignement musical“ (CAVEM) S.à r.l. umbenannt. Aufgrund des großen Erfolgs zog die Schule mehrfach in größere Gebäude um. Neben dem Hauptsitz in Luxemburg-Stadt entstanden Zweigstellen in Esch und Ettelbrück.

Mit dem Konkurs der Cavem endet ein Stück Musikgeschichte in Luxemburg. Über Jahrzehnte vermittelte die Schule Tausenden Menschen musikalische Fähigkeiten und Freude an Instrumenten. Damit ist nun Schluss.

Bei vielen Cavem-Mitarbeitern mischen sich Wut und Trauer. Wut darüber, dass ein offenbar gut laufendes Unternehmen dennoch in Konkurs gehen musste. Und Trauer darüber, dass ein Projekt, das von den Musiklehrerinnen und -lehrern mit viel Herzblut getragen wurde, auf diese Weise endet.

Pletschette sagt dem Tageblatt: „Es war schrecklich, als ich meinen Schlüssel abgeben musste.“ Nach 33 Jahren im Dienst der Cavem und der Musik. Wie der Pianistin geht es derzeit allen „Chargés“ der Cavem, deren Tätigkeit nun beendet ist. „Die Cavem war eine Institution“, sagt Pletschette noch, „doch nun ist alles vorbei.“

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