Kultur-News
Schülerpraktikant packt aus, „save the dates“ für Literaturfans und Kunstprojekte mit sozialer Note
Was bewegte die Kulturszene diese Woche? Und welche Veranstaltungen sollte sich das Publikum nicht entgehen lassen? Das Tageblatt fasst die wichtigsten Fakten zusammen – und übergibt diese Woche dem Praktikanten das Wort.
Was die Luxemburger Kulturszene – und das Tageblatt – umtreibt Foto: Pexels
IN EIGENER SACHE Unser Praktikant Charel blickt zurück
Schülerpraktika sind oft klischeebehaftet: Man solle nur ,,dem Profi über die Schulter schauen und zuhören“ können. Doch schon bei einem einwöchigen Praktikum beim Tageblatt konnte ich mich vom Gegenteil überzeugen. Zwei Pressekonferenzen, davon eine über „Kunst“, ein Musikporträt, eine politische Kurzmeldung und jede Menge verspätete Züge später weiß ich, wie der Alltag eines Schülers aus Berburg, welcher ein Praktikum in Esch/Alzette macht, aussieht. Nicht alles war vorhersehbar.
Ein Praktikum bei der Zeitung? Da bedienst du nur die Kaffeemaschine!
Charel Schiltz
Schülerpraktikant in der Tageblatt-Redaktion
„Wir besuchen eine Pressekonferenz über Kunst im Ministerium für Kultur“, hieß es zum Wochenbeginn. Als sich dann am Dienstag herausstellte, dass es sich hierbei um Aline Bouvys Projekt „La Merde“ handelt, war ich doch etwas überrascht, wie schnell eine ernste Situation in einem Ministerium zu einem doch auf den ersten Blick lustigen Projekt einer 2D-animierten Kackwurst für das Luxemburger Pavillon in Venedig umschwenken kann – und jeder bei der Präsentation ernst bleibt.
„Schreibe eine Kurzgeschichte von mindestens 150 bis maximal 200 Wörtern!“, lautete die Ansage noch vor ein paar Jahren in der Schule. Ein Porträt einer luxemburgischen Post-Rock-Band auf Basis eines Interviews zu schreiben, wurde dort natürlich nie abgefragt. Beim Tageblatt schon. Durch die Lektüre anderer Porträts, die ich in Zeitungen gelesen habe, war es mir doch schließlich möglich, auch diese Aufgabe zu bewältigen. „Das können wir dann so drucken!“, kam mir dann zu Ohren. Das war also keine Testarbeit für die Mülltonne, sondern wird tatsächlich benutzt: „Mama, ich bin in der Zeitung!“ (chs)
FILM Julie Schroell und „Stëmm vun der Strooss“ präsentieren „Den Date“
Ein neuer Kurzfilm von Julie Schroell, in Zusammenarbeit mit der „Stëmm vun der Strooss“, setzt das Großherzogtum in Szene: Das Projekt heißt „Den Date“ und folgt der Hauptfigur Danielle. Sie bereitet sich auf ein ,,Treffen mit ihrem neuen Liebhaber vorbereitet, als ihre Pläne durch einen Anruf ihres Sohnes, der gerade aus dem Gefängnis entlassen wurde, völlig durcheinandergebracht werden“, so die „Stëmm vun der Strooss“ in einer Pressemitteilung zum Film.
5.050 Euro
flossen in den Dreh von „Den Date“
Letzterer ist im Rahmen des Projekts „Quickies“ entstanden. Ein Format, welches auf Initiative von Filmreakter a.s.b.l. entstanden ist: Einem Filmemacherkollektiv aus Luxemburg, das ,,die Brücke zwischen Luxemburgs Amateurszene und der professionellen Filmindustrie“ bildet – schreibt Filmreakter auf seiner Webseite.

Szene aus dem Film „Den Date“ Quelle: Stëmm vun der Strooss
Aktuell läuft die zweite Serie der „Quickies“, welche auf mehrere Plattformen veröffentlicht wurden. Das Budget des Kurzfilms „Den Date“ betrug 5.050 Euro, welche die Filmemacherinnen und Filmemacher frei nutzen konnten. Unterstützt wurde das Projekt vom Film Fund Luxemburg und den Produktionsfirmen Wady Media und Les Films Fauves.
Die „Stëmm vun der Strooss“ war derweil am Castingprozess des Kurzfilmes beteiligt: Die Filmemacherin Julie Schroell suchte im sozialen Restaurant der „Stëmm“ ihre Schauspielerinnen und Schauspieler. Man habe dort nach Leuten gesucht, die „Interesse an einer Mitwirkung beim Dreh hatten.“ Den fertigen Kurzfilm gibt es als VoD auf quickies.lu, filmreakter.lu und auf RTL Play zu sehen. (chs)
LITERATUR Wann Luxemburgs Sprachtalente sich über Preise freuen können
Am 30. September wird wieder der Batty-Weber-Preis verliehen. Dies teilte das Ministerium für Kultur in ihrem Newsletter mit. Der nationale Preis für Literatur in Luxemburg, benannt nach dem einflussreichen Autoren Batty Weber, geht alle drei Jahre an eine Autorin oder einen Autoren. In jeder Ausgabe zeichnet eine Jury eine Person, für „l’originalité et le rayonnement culturel de son œuvre complète“ aus, so das Ministerium für Kultur in einem Schreiben. Zuletzt gewann die Schriftstellerin Margret Steckel den Preis für ihren „literarischen Aktivismus“ im Jahr 2023. Der Batty-Weber-Preis, welcher seit 1987 verliehen wird, wird mit 10.000 Euro dotiert. Die Übergabe findet 2026 im nationalen Literaturzentrum (CNL) in Mersch statt.
Zwei Monate später, nämlich am 9. Dezember 2026, gibt es am CNL erneut etwas zu feiern: Die Preise für den Luxemburger Literaturwettbewerb werden verliehen. Auch hier sucht eine Jury engagierte Autorinnen und Autoren. Berechtigt ist jeder Einwohner Luxemburgs, Personen mit luxemburgischer Staatsbürgerschaft und Personen, welche in Luxemburg arbeiten.
Dabei werden in zwei Kategorien an Preise verliehen: Die erste Kategorie betrifft Werke von 12- bis 19-Jährigen und wird mit 3.000 Euro belohnt. Die zweite Kategorie gilt Erwachsenen ab 20 und wird mit maximal 7.500 Euro (1. Platz) dotiert. Noch bis zum 30. Juni werden Gedichtbände angenommen. Die Themenwahl ist frei. (chs)
KUNST Info-Zenter Demenz und Valentiny Foundation machen gemeinsame Sache
„Demenz verändert das Leben – für die betroffenen Menschen ebenso wie für ihre Angehörigen“, steht in der Pressemitteilung des Info-Zenter Demenz und der Valentiny Foundation. „Kunst kann hier eine wichtige Brücke schlagen: Sie ermöglicht Teilhabe, fördert Wohlbefinden und eröffnet neue Wege der Begegnung – jenseits von Worten.“ In dem Sinne organisieren die Institutionen ab sofort kreative Ateliers unter dem Titel „Farbenfroh“, die sich gezielt an Menschen mit Demenz sowie deren Angehörigen richten. Die Kunsttherapeutin Christiane Baltes und der Architekt François Valentiny betreuen das Projekt. Dabei gehe es nicht um Leistung oder die Fertigstellung eines Kunstwerks, sondern um den Prozess, so das Organisationsteam. Im Vordergrund stehe „das Erleben, das Ausprobieren und die Freude am Tun“. Die Ateliers finden im Museum der Valentiny Foundation in Remerschen statt – und zwar am 22., 24. und 30. April sowie am 28. und 29. Mai, jeweils von 14.30 bis 16.30 Uhr. Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung – bis zu einer Woche im Voraus – erforderlich. Weitere Infos: demenz.lu, info@demenz.lu oder per Telefon (26 47 00). (ispi)