Oscars 2026

Hollywood rüstet zum Kulturkampf

Politische Statements von Künstlern gab es beim wichtigsten Filmpreis der Welt quasi nicht. Und doch werden die Oscars 2026 als eine der politischsten Verleihungen in die Geschichte eingehen.

Preisträger von „Sinners“: Regisseur Ryan Coogler, Musiker Ludwig Goransson, Kamerafrau Autumn Durald, Schauspieler Michael B. Jordan.

Die vier Preisträger für „Sinners“ (v.l.): Regisseur und Drehbuchautor Ryan Coogler, Musiker Ludwig Goransson, Kamerafrau Autumn Durald Arkapaw und Hauptdarsteller Michael B. Jordan Foto: Getty Images via AFP

Man geht mit dem Adjektiv „historisch“ im Kontext der Verleihung der Oscars – trotz aller Relevanzverluste noch immer der wichtigste Filmpreis der Welt – bisweilen ein wenig zu spendabel um. Was aber vor allem daran liegt, dass sich der alte Dampfer „Academy of Motion Picture Arts and Sciences“ nach Jahrzehnten des Stillstands und der Status-quo-Verwaltung in jüngster Zeit in Bewegung gesetzt hat – und deshalb viel Neues/Historisches passiert. Ein bisschen so wie die deutsche SPD, die mit jeder Wahl ein neues historisch schlechtes Ergebnis einfährt – aber halt umgekehrt.

Historisch ist an diesem Abend der 98. Oscar-Verleihung zunächst einmal die Auszeichnung für Autumn Durald Arkapaw, die „Sinners“ fotografierte und als erste Kamerafrau überhaupt den Oscar für die Beste Kamera erhält. Historisch war auch die Zahl der Nominierungen, mit denen „Sinners“ in den Abend gestartet ist: 16 Chancen auf eine Auszeichnung, das gab es noch nie. Dass der Film diesem Rekord nicht nachkommen konnte und am Ende „nur“ vier Trophäen gewinnt, schmälert seine Bedeutung nicht. Dass ein Vampirfilm über rassistische Gewalt und die popkulturelle Bedeutung und Aneignung schwarzer Musik mit den Preisen für Kamera, Originaldrehbuch, Filmmusik und männlicher Hauptdarsteller ausgezeichnet wird, zeigt, dass schwarzes Kino nach Jahren der Vernachlässigung im Zentrum Hollywoods angekommen ist.

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