Luxembourg City Film Festival

Isabelle Huppert erhält den Talent Award – „My Father’s Shadow“ gewinnt den Grand Prix

Mit Applaus, bewegenden Reden und großer Spannung wurden am Samstagabend die wichtigsten Preise der 16. Ausgabe des Luxembourg City Film Festival im Kinepolis Kirchberg vergeben, bevor mit der Luxemburg-Premiere von „The Blood Countess“ von Regisseurin Ulrike Ottinger der Schlussakkord eines filmreichen Festivals gesetzt wurde.

Isabelle Huppert bei den Filmfestspielen Cannes 2021, strahlend mit Auszeichnung auf dem roten Teppich

Liebt es, Preise zu bekommen: Isabelle Huppert, hier 2021 bei den Filmfestspielen in Cannes Foto: ATP/Thierry Carpico

Mehr als eine Woche lang hatte das Festival erneut Filmemacher*innen, Schauspieler*innen, Branchenvertreter*innen und Filmfans aus aller Welt zusammengebracht. Die Preisverleihung bildete den Höhepunkt dieser intensiven Tage.

Der erste große Moment des Abends gehörte der französischen Schauspielerin Isabelle Huppert. Sie wurde mit dem Talent Award 2026 ausgezeichnet – einer Ehrung für prägende Persönlichkeiten des internationalen Kinos.

Eine Ikone des Weltkinos

Die Schauspielerin Emmanuelle Béart würdigte Huppert in einer bewegenden Laudatio. „Es gibt Schauspieler*innen, die durch Filme hindurchgehen – und es gibt diejenigen, die sie verändern“, sagte Béart. „Du verschiebst Grenzen, öffnest Räume und bringst eine Intelligenz und Freiheit in deine Rollen, die selten ist.“ Huppert sei eine „Forscherin der menschlichen Seele“, sagte Béart weiter: „Du lässt deine Figuren atmen, zittern, zweifeln – manchmal sogar mit dem Wahnsinn flirten.“Die Geehrte reagierte mit humorvoller Gelassenheit. „Ich liebe es, Preise zu bekommen“, sagte Huppert lachend. „Es ist wirklich sehr angenehm.“ Zugleich zeigte sie sich sichtbar gerührt über die Auszeichnung in Luxemburg: „Ich habe viel Zeit hier verbracht, viele Filme hier gedreht und Theater gespielt. Es ist schön, zurückzukommen.“ Filmfestivals seien für das Kino unverzichtbar, betonte sie: „Es sind Orte, an denen Filme noch auf großen Leinwänden gesehen werden. Das ist die Zukunft – und auch das Leben des Kinos.“

Preise für Kino, Dokumentarfilm und junge Jurys

Neben der Ehrung Hupperts standen vor allem die Wettbewerbsfilme im Mittelpunkt des Abends. Der Grand Prix des Festivals ging an „My Father’s Shadow“ von Akinola Davies Jr.

Grand Prix Gewinner „My Father’s Shadow“ von Akinola Davies Jr. beim Filmfestival, Filmpreis, Regisseurportrait

Der Grand Prix des Festivals ging an „My Father’s Shadow“ von Akinola Davies Jr. Foto: Carole Theisen

Der Dokumentarfilmpreis ging an „Memory“ von Regisseurin Vladlena Sandu. In ihrer Dankesrede sprach sie über das zentrale Thema ihres Films: die Spirale der Gewalt. „Diese Kinder tragen ein Trauma in sich und wollen Rache“, sagte Sandu. „So setzt sich der Kreislauf der Gewalt immer weiter fort. Ich habe für mich entdeckt, dass Kunst und Kino Werkzeuge sein können, diesen Kreislauf zu durchbrechen.“ Mit ihrem Film wolle sie Hoffnung teilen, erklärte die Regisseurin: „Vielleicht haben wir eine Chance, Frieden aufzubauen.“

Der Fipresci-Preis der internationalen Filmkritik ging an „Blue Heron“ von Sophy Romvari. Den Publikumspreis erhielt „Tuner“ von Daniel Roher. Auch junge Zuschauer*innen spielten eine wichtige Rolle im Festivalprogramm. Der Youth Jury Prize ging an „Feels Like Home“ von Gabor Holtai, während die Schuljury „Têtes brûlées“ von Maja Ajmia Zellama auszeichnete. Der Kids Jury Award ging an „Olivia“ von Irene Iborra.

Im Bereich neue Erzählformen wurde „The Clouds Are Two Thousand Meters Up“ von Singing Chen als beste immersive Erfahrung prämiert. Der 2030 Award der luxemburgischen Entwicklungszusammenarbeit ging an den Regisseur Amilcar de Miguel Eek.

Festivaldirektorin Gladys Lazareff zog eine positive Bilanz der diesjährigen Ausgabe. „Mehr als 22.000 Zuschauerinnen und Zuschauer haben die Vorstellungen besucht“, sagte sie auf der Bühne. Insgesamt rechne man mit rund 40.000 Teilnehmern über alle Veranstaltungen hinweg. „Wir danken unserem gesamten Team und den vielen Freiwilligen, die dieses Festival möglich gemacht haben“, so Lazareff. Gleichzeitig kündigte sie bereits die nächste Ausgabe an: Das Festival kehrt vom 4. bis 14. März 2027 zurück.

Fantastischer Abschluss mit „The Blood Countess“

Nach der Preisverleihung betrat das Team des Abschlussfilms die Bühne. Regisseurin Ulrike Ottinger präsentierte gemeinsam mit Hauptdarstellerin Isabelle Huppert, Alexander Dumreicher-Ivanceanu und Bady Minck ihren neuen Film „The Blood Countess“. Der Film, eine Koproduktion zwischen Luxemburg, Österreich und Deutschland, führt in ein barockes, fantastisches Wien und erzählt von einer wiedererweckten Vampirgräfin, die auf der Suche nach neuen Opfern durch die Stadt streift.

Für Huppert liegt der Reiz solcher Projekte gerade im Ungewöhnlichen. „In Ulrike Ottingers Filmen betritt man eine ganz eigene Welt“, sagte der Artistic Director des Festivals, Alexis Juncosa. „Es ist kein realistisches Universum – eher eine Fantasmagorie. Und das gibt eine große Freiheit.“ Ottinger selbst beschrieb ihre Arbeit folgendermaßen: „Mich interessieren Geschichten, die sehr ernst sind – aber gleichzeitig eine große Ironie besitzen. In der Kunst gibt es immer Umwege.“

Der Film ließ allerdings auf sich warten: Wegen technischer Probleme blieb der Ton zunächst stumm, das System musste mehrfach neu gestartet werden. Nach rund einer halben Stunde konnte die Vorstellung schließlich beginnen.

Die Gewinner*innen des Luxembourg City Film Festival 2026 auf einen Blick

• Talent Award 2026: Isabelle Huppert

• Kids Jury Award: „Olivia“ von Irene Iborra

• School Jury Award: „Têtes brûlées“ von Maja Ajmia Yde Zellama

• Youth Jury Prize by Kinepolis: „Feels Like Home“ von Gabor Holtai

• Best Immersive Experience: „The Clouds Are Two Thousand Meters Up“ von Singing Chen

• Fipresci Award: „Blue Heron“ von Sophy Romvari

• 2030 Award by Luxembourg Aid & Development: „Amilcar“ von Miguel Eek

• Audience Award by RTL: „Tuner“ von Daniel Roher

• Documentary Award by BGL BNP Paribas: „Memory“ von Vladlena Sandu

• Grand Prix: „My Father’s Shadow“ von Akinola Davies Jr.

Jury-Einblicke: „Wir haben unglaublich viel zusammen gelacht“

Die Filmemacherin und Kamerafrau Rae Lyn Lee, die in Luxemburg lebt und ursprünglich aus Singapur stammt, gehörte in diesem Jahr zur internationalen Jury des Luxembourg City Film Festival. Gemeinsam mit den anderen Jurymitglieder*innen (Lisandro Alonso, Emmanuelle Béart, Peter Doherty, Alma Pöysti und Rodrigo Sorogoyen) entschied sie über den Grand Prix, der schließlich an „My Father’s Shadow“ von Akinola Davies Jr. ging.

Lee zeigte sich im Gespräch begeistert von der Erfahrung. „Es war wirklich großartig – ehrlich gesagt sogar besser als erwartet“, sagt sie. „Viele der anderen Jurymitglieder*innen haben auf großen Festivals gearbeitet, waren in Cannes oder haben mit berühmten Regisseur*innen gedreht. Ich hatte zunächst ein bisschen Angst, dass sie in einer ganz anderen Liga spielen.“ Diese Sorge habe sich jedoch schnell gelegt. „Alle waren unglaublich freundlich, großzügig und auch sehr lustig. Wir haben während dieser Woche unglaublich viel zusammen gelacht.“

Der Juryalltag war intensiv: drei Filme pro Tag, Gespräche und Diskussionen über die unterschiedlichen Perspektiven der Werke. „Man vergleicht sehr unterschiedliche Filme – das macht die Entscheidung nicht einfach“, erklärt Lee. „Aber am Ende haben wir einen Konsens gefunden, und ich glaube, alle waren mit der Wahl zufrieden.“

Besonders beeindruckt zeigt sie sich vom späteren Gewinnerfilm „My Father’s Shadow“. „Technisch ist dieser Film unglaublich anspruchsvoll“, sagt Lee. „Vielleicht merkt das nicht jeder Zuschauer sofort, aber aus meiner Sicht war das eine sehr schwierige Produktion.“

Was sie am meisten berührte, sei die Darstellung der Figuren gewesen: „Der Film zeigt einen Vater und seine zwei Söhne – aber ohne jede patriarchale Pose. Es ist einfach die Geschichte eines Menschen und seiner Kinder. Zärtlich, aufmerksam und sehr menschlich.“

Trotz der intensiven Tage würde sie jederzeit wieder Teil einer Jury sein – auch wenn sie erneut etwas Respekt hätte. „Ich hatte einfach großes Glück mit dieser Jury“, sagt Lee. „So eine Gruppe von Menschen kommt wahrscheinlich nicht oft zusammen.“

Gruppe von Menschen unterschiedlicher Herkunft in ungewohnter, selten zusammenkommender Zusammenkunft

„So eine Gruppe von Menschen kommt wahrscheinlich nicht oft zusammen“ Foto: Carole Theisen

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