Kultur-News
„Coup de coeur“ im Museum, interaktive Kulturkarte, Musik für Guillaume – und mehr
Was bewegte die Kulturszene diese Woche? Und welche Veranstaltungen sollte sich das Publikum nicht entgehen lassen? Das Tageblattfasst die wichtigsten Fakten zusammen und stellt ausgewählte Events vor.
Die Kultur-News auf einen Blick Foto: Pexels
KUNST Mission „Coup de cœur de l‘Aica“
Die Vereinigung der Kunstkritiker „Association internationale des critiques d’art Luxembourg“ (Aica) hat ihre Aktivitäten umgestellt: Neben kritischen Texten auf ihrer Website hat die Aica, deren Vorsitz Marianne Brausch innehat, nun die Aktion „Coup de coeur“ gestartet. Ziel ist es, aus verschiedenen musealen, temporären Ausstellungen und Schaus in Kunstzentren einzelne Werke besonders hervorzuheben. Aica-Mitglieder suchen sich ihren „coup de coeur“ aus, die Vereinigung honoriert diese mit einem Sticker „Le coup de coeur de l’Aica“ und einer Begründung des entsprechenden Kritikers auf einem Flyer. „Cette action donne, à travers l’écriture de professionnels, un aperçu de leur opinion et de leur ressenti“, heißt es. Erste Sticker wurden bereits in Düdelingen (Centre d’art Dominique Lang) und in Luxemburg-Stadt (Mudam, Villa Vauban, Nationalmusée um Fëschmaart, Casino Luxembourg, Cercle Cité) neben den ausgewählten Werken angebracht. Eine Liste mit Fotos und Texten der „coups de coeur“ ist auf der Website der Aica einsichtbar. Das Projekt dient nicht nur den Ausstellungen, den Künstlern, den Werken und den Kunstzentren, auch geht es der Aica um mehr Sichtbarkeit und um die Idee, interessante Kunst zu fördern. Private Kunstgalerien sind derzeit noch nicht in die Aktion eingebunden. (fw)
POLITIK Kommt bald eine interaktive Kulturkarte für Luxemburg?
Kulturminister Eric Thill (DP) kündigte vergangenes Jahr („Réponse à la question parlamentaire (...) 2586“) eine interaktive Kulturkarte für Luxemburg an. Die Idee entstand im Zuge der Studie „La vie culturelle au Luxembourg“ (2025), aus der hervorging: 37 Prozent der Befragten schlugen zur Optimierung des Kulturangebots eine bessere Bekanntmachung regionaler Events vor. Das Kulturministerium verschaffte sich im Anschluss einen Überblick und wendete sich dafür an die Gemeindevertretungen. Konkret wurden kulturelle Infrastrukturen anvisiert, in denen die Gemeinden Co-Inhaberinnen und/oder Co-Verwalterinnen sind.
Jetzt erkundigen sich die LSAP-Abgeordneten Georges Engel und Ben Polidori nach dem Stand der Dinge. Wann kommt die interaktive Karte? Thill gibt Einblicke: „[Wir sammeln] derzeit die letzten Antworten zur Umfrage, sodass die Datenanalyse 2026 beginnen kann.“ Die Ergebnisse würden in die Ausarbeitung der Karte miteinfließen. „Da für dieses Projekt weitere Schritte nötig sind, steht aktuell noch kein Veröffentlichungsdatum fest“, schreibt der Minister.

In der Mitte: Kulturminister Eric Thill (DP) beim Neujahrsempfang 2026 für den Kultursektor Foto: MCULT/Charel Zahles
Aktuell befasse sich das Kulturministerium außerdem weiter mit der Umsetzung des Kulturentwicklungsplans 2017-2028 (KEP) sowie mit einem Aktionsplan zum Kulturzugang. Hierfür stehe man mit dem Gemeindesyndikat Syvicol und dem Innenministerium in Kontakt. „In dem Rahmen überlegen [wir auch], wie wir die Bemühungen der kulturellen Akteure in den Regionen besser strukturieren und unterstützten können“, so Thill. Die Präsentation des Aktionsplans ist fürs Frühjahr geplant.
Macht Thill an der Stelle eine klare Ansage, weicht er einer weiteren Frage der LSAP-Politiker aus – und zwar jener zur Entwicklung des „fonds pour le développement culturel régional“, der Forderung 61 im KEP. Thill verweist lediglich auf die KEP-Website, widmet sich dann aber den bereits erwähnten Baustellen des Ministeriums.
Wer die Seite besucht, erfährt: Die Maßnahme 61 wurde erst zu 10 Prozent (Stand: 16.01.2026) umgesetzt. Der letzte abgeschlossene Arbeitsschritt liegt vier Jahre zurück. Thill deutet in seiner Antwort an Engel und Polidori allerdings die Aktualisierung des entsprechenden Arbeitsberichts an.
Grundsätzlich fällt beim Blick auf die Umsetzung des KEP auf, dass die Anwendung der Maßnahmen zu regionaler Kulturpolitik stockt. Der Fortschritt beträgt meist zwischen 10 und 20 Prozent. Dabei geht aus Thills Antwort an die LSAP hervor: Es steht den Gemeinden längst frei, eine Kulturabteilung ins Leben zu rufen oder entsprechende Beauftragte zu ernennen. „Derzeit führen wir Gespräche darüber, iniwefern solche Positionen auf Regierungsebene gefördert und unterstützt werden können“, schließt Thill sein Schreiben ab. (ispi)
MUSIK Welche Kompositionen das Kulturministerium 2025 auswählte und wer für Großherzog Guillaume musizieren durfte
2025 vergab das Kulturministerium zwölf Kompositionsaufträge an Musizierende aus Luxemburg: Zehn davon anhand eines öffentlichen Aufrufs, der sich an Orchester und Ensembles richtete; zwei weitere entfielen auf Kompetitionen zum Thronwechsel. Auf die erstgenannte Ausschreibung folgten 25 Kandidaturen. Das bewilligte Budget betrug 56.500 Euro und kam folgenden Kunstschaffenden zugute: Raoul Christophe (Luxembourg Jazz Orchestra), Olivier Dartevelle (Musique militaire grand-ducale), Dylan Fixmer (Luxembourg Philharmonic Academy), Gilles Heinisch (United Instruments of Lucilin), Christophe Mirkes (Kammerata Luxembourg), Jeannot Sanavia (Ensemble vocal de Luxembourg), Max Serra (Orchestre Estro Armonico), Kerry Turner (Solistes européens Luxembourg), Roland Wiltgen (Orchestre philharmonique du Luxembourg) und Tatsiana Zelianko (Orchestre de chambre de Luxembourg). Und wer durfte für Großherzog Guillaume komponieren? Der Chor „Maîtrise Sainte-Cécile“ der Luxemburger Notre-Dame-Kathedrale organisierte hierzu einen Wettbewerb, den Roland Wiltgen für sich entschied. Sein Stück wird nun jährlich beim „Te Deum“ gespielt. Die „Les amis de la musique militaire“ betreuten das zweite Auswahlverfahren, bei dem eine Komposition für die „marche du Grand-Duc Guillaume“ gesucht wurde. Dieser Auftrag ging an Georges Sadeler. (ispi)
FILM Luxemburger beim Festival Max Ophüls Preis
Am Montag startet in Saarbrücken die 47. Ausgabe des Filmfestivals Max Ophüls Preis, einer der wichtigsten Termine im Kalender des deutschsprachigen Nachwuchsfilms. In diesem Jahr hat auch ein Luxemburger die Chance auf eine Auszeichnung. Im Wettbewerb Dokumentarfilm läuft „Terre Rouge – Topographie du Poète“, Fränz Hausemers eindrücklich-poetischer Film über den Filmemacher und Dichter Gast Rollinger. Die Nebenreihe SaarLorLux, die Kurzfilme aus der Großregion präsentiert, wird vom Großherzogtum in diesem Jahr gleich ganz dominiert. Vier der insgesamt sechs Beiträge sind luxemburgische Produktionen (s. Kulturnews vom 20.12.25). Die beiden SaarLorLux-Programme sind jeweils Donnerstag- (20:30 Uhr, Camera Zwo) und Freitagabend (21:30 Uhr, Filmhaus) zu sehen. „Terre Rouge – Topographie du Poète“ läuft am Mittwochabend 20:45 Uhr, Donnerstagvormittag 10:30 Uhr, Freitagnachmittag 15 Uhr und Sonntagnachmittag 17 Uhr jeweils im Cinestar. Noch gibt es Tickets für alle Vorstellungen. Das Tageblatt berichtet nach Ende des Festivals am kommenden Sonntag über die Highlights – samt Interview mit Regisseur Hausemer. (jd)
ARCHITEKTUR Nationalpreis für Architektur lanciert

Das Logo zum neuen „Lëtzebuerger Architekturpräis“ Quelle: MCULT
In Zukunft erhält Luxemburgs Kulturszene eine weitere Preisgala: Das Kulturministerium gab diese Woche die Einführung des „Lëtzebuerger Architekturpräis“ bekannt. Er beträgt 10.000 Euro und zeichnet alle vier Jahre Architekt*innen für ihr Gesamtwerk aus. Zulässig sind Architekt*innen, die in Luxemburg geboren sind, hier leben oder arbeiten. Die Jury setzt sich aus fünf Fachexpert*innen zusammen. Die Nominierung des Auswahlkomittees erfolgt Anfang des Jahres durch das Kulturministerium. Weitere Informationen soll es bei einer Pressekonferenz im März geben. (ispi)
MUSEUM Erfolgreiches Jahr im Lëtzebuerg City Museum, der Villa Vauban und Muerbelsmillen
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Menschen haben das Lëtzebuerg City Museum, die Villa Vauban und die Muerbelsmillen 2025 besucht
Das Lëtzebuerg City Museum lockte 2025 rund 64.000 Besucher*innen an, die Villa Vauban über 44.000 und die Muerbelsmillen – eine alte Mühle im Pfaffenthal – 2.568 Menschen. Das Team der Kulturstätten ist erfreut, wie aus dem Presseschreiben zur Jahresbilanz hervorgeht: „Depuis 2023, ceci est déjà la troisième fois que les musées municipaux dépassent les 100.000 visites et la première fois que plus de 110.000 visiteurs∙ses ont été accueilli∙e∙s.“ Für die Villa Vauban seien die Besuchszahlen höher als je zuvor. Infos zu den neuen Ausstellungen in den Museen gibt es auf den jeweiligen Websites. (ispi)
MUSIK Schëppe Siwen 2026 beim Festival Dranouter dabei
Jouer à Dranouter représente une étape majeure pour un groupe luxembourgeois: le festival constitue une vitrine européenne pour les musiques issues des traditions populaires et leurs formes modernes
Auszug aus der Pressemitteilung der Band Schëppe Siwen zu ihrem bevorstehenden Auftritt beim Festival Dranouter 2026

Die Band Schëppe Siwen wurde für das Festival Dranouter 2026 gebucht – ein Erfolg für die Luxemburger Musikszene Foto: Fabrizio Pizzolante
Mit Schëppe Siwen ist das Großherzogtum dieses Jahr erstmals beim belgischen Folk-Festival Dranouter vertreten. Das teilte die Band diese Woche mit. Das Festival wurde 1975 gegründet und versammelt inzwischen jährlich über 50.000 Menschen. Es gilt hauptsächlich als Treffpunkt für Folk-Fans, doch das Lineup hält auch andere Genres bereit. Die zehnköpfige Band Schëppe Siwen performt am 8. August, wie gewohnt auf Luxemburgisch. Damit zieht die Gruppe mit internationalen Ikonen wie Paolo Conte, Patti Smith, Lou Reed oder auch Sinéad O’Connor gleich: Auch sie traten in der Vergangenheit schon beim Dranouter auf. (ispi)
FILM Luxemburg goes Berlinale 2026
Welche Luxemburger Filme werden beim 76. Filmfestival Berlinale (12-22.02) vorgestellt? Unter anderem schafften es die Koproduktionen „Die Blutgräfin“ (Kategorie Berlinale Special Gala) und „Roya“ (Kategorie Panorama) ins Programm, laufen jedoch ausserhalb des Wettbewerbs. Das Animationsprojekt „Granny is a tree“ wird hingegen beim ersten „Annecy Animation Showcase“ im Rahmen des European Film Markets (EFM) gezeigt; „The Last Frontier“ ist auf dem Berlinale Co-Production Market präsent. Auch bei diesen zwei Werken handelt es sich um Luxemburger Koproduktionen. Darüber hinaus beteiligt sich die nationale Filmbranche am EFM. Weitere Infos zu Luxemburgs Auftritt in Berlin folgen am 20. Januar, so der Film Fund in einer Pressemitteilung. (ispi)