Urteil am 16. März
„Collège médical“ bleibt bei Forderung nach Berufsverbot für Benoît Ochs
Benoît Ochs betritt am Mittwochnachmittag das Gericht Foto: Editpress/Julien Garroy
Im Berufungsprozess um das Berufsverbot für den Luxemburger Allgemeinmediziner Benoît Ochs wurden am Mittwochnachmittag (26.1.2022) die Plädoyers der streitenden Parteien gehört. Das urteilende Gremium, das aus dem obersten Disziplinarrat des Luxemburger „Collège médical“ und einer Richterin des Bezirksgerichts besteht, hat verkündet, dass das abschließende Urteil in dem Fall am 16. März 2022 gesprochen werden soll. Das „Collège médical“ war am Mittwoch (26.1.2022) von seiner ursprünglichen Forderung eines einjährigen Berufsverbots für Ochs nicht abgewichen. Das Kollegium sei der Meinung, dass es Regeln gebe und Ochs gegen diese verstoßen habe. Die Aussagen des Mediziners zum Impfen könnten gar eine Schädigung der Patienten bedeuten.
Die Verteidigung des Franzosen forderte erneut den Freispruch. Sie bleibt bei der Meinung, Ochs habe sich nichts zuschulden kommen lassen, er habe seine Arbeit getan und nach bestem Wissen und Gewissen im Sinne seiner Patienten gehandelt. Es sei eigentlich am „Collège médical“, zu beweisen, dass die Aussagen von Ochs falsch seien. Rund 100 Anhänger des umstrittenen Arztes waren kurz vor Beginn der Sitzung um 15 Uhr zur „Cité judiciaire“ gekommen, um ihn zu unterstützen.
Am 14. Juli 2021 entschied sich die Disziplinarkommission des „Collège médical“ in erster Instanz bereits in einem Verdikt und verurteilte Ochs zu einem Jahr Berufsverbot. Ochs legte daraufhin Berufung ein und kann deshalb weiter praktizieren. Der Termin für das Berufungsverfahren wurde aus „prozeduralen Gründen“ vom 15. Dezember 2021 in den Januar 2022 gelegt.
Das Ärztekollegium wirft dem Arzt, der in Gonderingen eine Praxis betreibt, vor, gegen staatliche Regeln bei der Corona-Bekämpfung zu verstoßen, sie öffentlich zu hinterfragen und gar zu kritisieren. Er habe dabei gegen eine Reihe von Artikeln im Deontologie-Kodex verstoßen. Dabei geht es unter anderem um das Behandeln von Patienten in der Arztpraxis, um die Einstellung zur Impfung und um das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes.
Laut „Collège médical“ gehe das alles nicht, weil es nicht jenen Spielregeln entspreche, zu denen ein Arzt, der sich in Luxemburg niederlasse, verpflichtet sei. Er habe mit seinem Benehmen gegen die Bemühungen der Kollektivität, das Virus einzudämmen, verstoßen.
Sprachrohr der Corona-Proteste
Ochs gilt als eines der Sprachrohre der Luxemburger Corona-Proteste. Schlagzeilen macht er auch in Frankreich – zum Beispiel durch Auftritte bei Demonstrationen in der Großregion sowie Videos auf französischen Anti-Vax-Seiten. Die internationale Nachrichtenagentur AFP widmete dem „médecin luxembourgeois“ sogar einen eigenen Fact-Checking-Artikel – und widerlegte darin seine Theorien über die Thrombosegefahr durch Impfungen.
Durch seine gefährlichen Thesen und den Medienrummel um seinen Prozess ist Ochs zu einem der bekanntesten Gesichter der Luxemburger Impfgegner-Bewegung geworden. Legendär sein Auftritt bei der „Marche blanche“ im Oktober, als er mit seiner weißen Daunenjacke – und ohne Maske natürlich – auf die Treppen vor der Chamber kletterte und sich wie ein Sektenguru von seinen Anhängern feiern ließ. „Ein Arzt ist da, um die Menschen zu heilen – und nicht, um ihnen egal was zu erzählen“, sagte der Sprecher des „Collège médical“ gegenüber dem Tageblatt im Dezember 2021.
Das Tageblatt hat die Aktivitäten von Ochs und anderer Protagonisten der Schwurblerszene rund um Impfverweigerer und Corona-Leugner in den vergangenen Monaten und Wochen intensiv verfolgt. Lesen Sie darüber in diesen Artikeln:
Lügen, Propaganda, wirre Theorien / Das sind Luxemburgs gefährliche Schwurbel-Influencer
Was Luxemburgs lauteste Schwurbler heute treiben
Analyse / Methoden und Taktiken der Luxemburger Schwurbelszene
Luxemburg / Soziologe: „Jeder Akt der Verachtung oder Autorität steigert Reaktanz“
Pressefreiheit / „Das kann alles sehr gefährlich werden!“: Sorge um die Sicherheit von Journalisten
Krawalltouristen drohen / Luxemburger Schwurbler zieht es nach Brüssel