Zwischen Robodog, VR‑Welten und Straßenfest
Die „Joyeuse Entrée“ bringt Esch in Bewegung
Der Auftakt der „Joyeuses Entrées“ führt das großherzogliche Paar in ein Esch im Wandel. Zwischen Robodog, VR-Welten und Straßenfest entsteht ein ungewöhnlich naher Moment.
Ein Roboterhund der Automation Robotics Group läuft voraus, als würde er das großherzogliche Paar persönlich über die Bahnhofbrücke geleiten Foto: Editpress/Alain Rischard
Als der Zug um 14.53 Uhr in Belval einfährt, bleibt der große Andrang zunächst aus. Ein Roboterhund der Automation Robotics Group trottet voraus, als wolle er das großherzogliche Paar persönlich über die Bahnhofbrücke führen. Unten werden zahlreiche Hände geschüttelt – sogar eine Hundepfote.
Ausgelöst wurde dieser Besuch durch eine Ankündigung im Weihnachtsdiskurs des Großherzogs: Er hatte darin eine Reihe von „Joyeuses Entrées“ im ganzen Land angekündigt. Esch/Alzette ist nun der Auftakt dieser neuen Besuchsreihe, begleitet von lokalen Verantwortlichen und zahlreichen Akteuren aus Wirtschaft, Kultur und Forschung.
Während der Großherzog draußen die Forschungsstände besichtigt, vertieft sich die Großherzogin in virtuelle Welten Foto: Carole Theisen
Vom Bahnhof aus öffnet sich ein Parcours, der die Transformation des Südens sichtbar macht: Industriegeschichte, digitale Innovation, Raumfahrtfantasie. Während der Großherzog draußen die Stände der Forschungseinrichtungen besucht, taucht die Großherzogin in der „Halle des poches à fonte“ in virtuelle Welten ein.
Den innovativen Süden entdecken
Neben zahlreichen Kunstwerken – präsentiert von der Leiterin der Kulturabteilung der Escher Gemeinde, Marie Josée Hansen – testet sie eine VR‑Erfahrung des Creative Space Spektrum aus Rümelingen, die Besucher auf einen fremden Planeten versetzt. Drinnen erklären Designer, Forschende und Start‑ups ihre Projekte – von Satellitenkommunikation bis zu 3D‑Avataren.

Begleitet von Dutzenden Radfahrern, Vereinen und Musikgruppen rollt Großherzog Guillaume über den Vëlodukt Foto: Editpress/Alain Rischard
Von der Montanindustrie zur Raumfahrtforschung – der Besuch zeigt, wie breit der Süden heute aufgestellt ist. Während die Großherzogin per Bus Richtung place de la Résistance fährt, steigt der Großherzog aufs Fahrrad. Begleitet von Dutzenden Radfahrern, Vereinen und Musikgruppen rollt er über den Vëlodukt. Auf der Escher place de la Résistance wird das Paar schließlich wieder vereint. Die Harmonie spielt, Cheerleader springen, Capoeira‑Tänzer drehen durch die Luft. Es entsteht ein Volksfest, das Esch selten so geschlossen zeigt.

Das großherzogliche Paar taucht in ein regelrechtes Menschenbad ein Foto: Editpress/Alain Rischard
Später, im Stadtzentrum von Esch, kippt die Stimmung. Wo Belval zurückhaltend bleibt, wartet hier die Menge. Applaus, Rufe, gespannte Gesichter am Straßenrand. Kinder winken mit rot-weiß-blauen Fahnen, rufen „Grand-Duc, Grand-Duc, Grand-Duc!“. Trommlergruppen, Zirkuskünstler und Cheerleader wärmen die Stimmung auf.

Kinder winken mit rot-weiß-blauen Fahnen Foto: Carole Theisen
Das Tageblatt unterhält sich mit den Besuchern und fragt, was sie denn heute ins Stadtzentrum treibt. „Ich hab den Großherzog lieber als Frieden“, sagt eine ältere Dame voller Überzeugung, die mit ihren Freundinnen gekommen ist. Ihren Namen möchte sie nicht nennen.

Esch macht den Auftakt einer ganzen Reihe von „Joyeuses Entrées“ im ganzen Land Foto: Carole Theisen
Larissa, die mit ihrer Batucada‑Gruppe des inklusiven Vereins „One People“ auftritt, sagt: „Wir bringen in unseren Workshops brasilianische Rhythmen zu den Kindern. Dass der Großherzog hier im Süden vorbeikommt, bedeutet mir viel.“ Cynthia, Escherin, ist mit ihrer Familie gekommen: „So ein Ereignis gibt es nicht oft. Ich bin hier, um meine Stadt zu vertreten.“ Die Monarchie? Sie überlegt kurz. „Sie sind wichtige Repräsentanten für Luxemburg. Und das neue Paar wirkt wirklich sympathisch. Ich hoffe, dass sie sich einsetzen.“