Von Maine nach Bastendorf

Weltrekord-Ballon landet nach Atlantik-Überquerung in Luxemburg

Luxemburg hat jetzt einen Marker auf der Karte internationaler Ballon-Rekorde: Am Sonntag setzte bei Bastendorf ein Ballon nach einer Atlantiküberquerung auf. Erstmals hatten drei Menschen diese Strecke mit einem Wasserstoffballon bewältigt.

Wasserstoffballon nach Atlantiküberquerung landet in Bastendorf, Peter Cuneo mit Co-Piloten auf Luxemburger Boden

Luxemburger Boden unter den Füßen: Der Wasserstoffballon nach der Landung in Bastendorf (links). Peter Cuneo (rechts) hat gemeinsam mit zwei Co-Piloten in dem Ballon den Atlantik überquert. Fotos: Melanie Chambers (links), Peter Cuneo (rechts)

Eine Wiese im Norden Luxemburgs am vergangenen Sonntag. Es ist kurz vor 8 Uhr, als lautlos ein seltsames Flugobjekt heranschwebt. Es ist ein Wasserstoffballon. Und der hat eine lange Reise hinter sich. 5.252 Kilometer hat die dreiköpfige Crew des „Atlantic Explorer“ hinter sich gebracht, vom Norden der USA über den Atlantik nach Europa. Jetzt, um 7.58 Uhr, setzt der Ballon wieder auf der Erde auf – auf der Wiese bei Bastendorf in der Gemeinde Tandel. Die Amerikaner Bert Padelt und Peter Coneo sowie die Britin Alicia Hempleman-Adams haben gerade einen Transatlantikflug hinter sich gebracht – mit einem Wasserstoffballon.

Premiere nicht nur für Luxemburg

„Das hat noch keiner gemacht“, sagt Claude Weber. Der Luxemburger war eine Stunde nach der Landung des „Atlantic Explorer“ vor Ort. Weber wohnt in Altrier, hebt seit 1990 mit Heißluftballons ab und ist Präsident der „Ballooning Commission“ der FAI, der „Fédération aéronautique internationale“. Der Verband hat sich die Förderung von luft- und raumfahrtbezogenen Aktivitäten auf die Fahne geschrieben. Und Welt- und Kontinentalrekorde zu bestätigen. Einer dieser Rekorde ist mit der Wasserstoff-Ballonfahrt am vergangenen Sonntag in Luxemburg zu Ende gegangen.

„Es ist das erste Mal, dass jemand rein mit Wasserstoff und einem offenen Korb diese Strecke gefahren ist“, erklärt Claude Weber im Gespräch mit dem Tageblatt. „Das ist schon eine Challenge – die Müdigkeit, die Höhe von bis zu 5.600 Metern, bei bis zu minus 20 Grad.“ Das ein paar Tage auszuhalten, in einem kleinen Korb unter dem Ballon – „das ist eine menschliche Leistung“.

Von Maine nach Bastendorf

70 Stunden und 11 Minuten lang waren die Ballonfahrer Padelt, Cuneo und Hempleman-Adams unterwegs. Gestartet waren sie am 4. Juni um 8 Uhr morgens Luxemburger Zeit im Städtchen Presque Isle im US-Bundesstaat Maine. Zuerst flog die Crew über die kanadische Provinz Nova Scotia, dann ging es über Neufundland – und schließlich über den offenen Atlantik. „Ohne einen anderen Landeplatz als das Meer“, wie es in einer Pressemitteilung heißt. 36 Stunden dauerte die Fahrt über den Ozean. Samstagabend dann endlich wieder Festland in Sicht: Der Ballon überflog bei Cherbourg die französische Küstenlinie.

„Wasserstoff ist das leichteste Element“, erklärt Claude Weber. 2.600 Kubikmeter davon passten in den Rekordballon, eine Tragkraft von etwa 2,9 Tonnen. Mit Helium wären es ein paar Hundert Kilo weniger gewesen, sagt Weber. Mit Wasserstoff könne man länger fahren, weil man mehr Ballast transportieren könne. Der ist bei langen Ballonreisen ein kritischer Faktor. „In der Nacht muss man Ballast abwerfen, weil sich die Hülle abkühlt“, sagt Weber. „Über Tag umgekehrt dann Gas herauslassen.“ Aber auch bei einem Wasserstoffballon ist der Sand, der für den Ballast genutzt wird, irgendwann aufgebraucht. Der Ballast, das sei das Limit, sagt Weber.

Luxemburg, kleines Land, klingt schön, da wollen wir hin

Rekordballonfahrer vor der Landung

Dass die Rekord-Ballonfahrer in Luxemburg landen, war vorher nicht geplant. „Sie sind zuerst in der Normandie über Land gekommen“, sagt Weber. Es sei abends gewesen und sehr windig. Keine Option, zu landen. Deshalb sind sie weitergefahren. „Mit den heutigen Navigationsmitteln kann man sagen, wo man in etwa bei den vorherrschenden Winden ist, wenn die Sonne aufgeht“, sagt Weber. Dennoch muss der Pilot entscheiden, wo er landen möchte. „Ein Ballon fährt sich für einen geübten Piloten gezielt – er kann sagen: Hier gehen wir runter“, sagt Weber. „Sie haben entschieden: Luxemburg, ein kleines Land, da waren wir noch nicht, das klingt schön, da wollen wir hin.“

Ballonfahren in Luxemburg

„Das kann jeder machen“, sagt Claude Weber, der auch im Luxemburger Ballon-Club „Cercle Luxembourgeois de l‘Aérostation“ (CLA) aktiv ist. Mitglieder benötigen zum Fahren keinen eigenen Ballon, sondern können die vom Klub nutzen. Den Pilotenschein – ähnlich dem für ein Flugzeug – kann man beim CLA machen. Infos gibt es unter cla.lu.

Das Begleitteam war schon am Samstag nach Europa gekommen und verfolgte den Ballon mit dem Auto. Eine Viertelstunde nach der Landung waren sie vor Ort auf der Bastendorfer Wiese. Deren Besitzer hatte übrigens nichts an der Landung auszusetzen. Er kam nach der Landung dazu. „Und war auch glücklich.“

Auch Claude Weber ist schon mit „Gasballonen“ gefahren. Das sind Ballone, die mit einem anderen Gas als Luft befüllt sind – und deshalb keine ständige Befeuerung benötigen. „Wasserstoff ist gefährlich, wenn man ihn mit Luft mischt“, erklärt Weber. Ein Funke reiche dann, um die Mischung zu zünden. Aber ein Ballon sei eine dichte Hülle. „Wenn man aufpasst, dann ist das Ballonfahren damit kein Problem.“

Am 4. Juni startet der Wasserstoffballon im US-Bundesstaat Maine
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Am 4. Juni startete der Wasserstoffballon im US-Bundesstaat Maine

© Foto: Kim Vesely

In eisigen Höhen: Die Rekord-Ballonfahrer Alicia Hempleman-Adams, Bert Padelt und Peter Coneo (von links nach rechts)
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In eisigen Höhen: Die Rekord-Ballonfahrer Alicia Hempleman-Adams, Bert Padelt und Peter Coneo (von links nach rechts)

© Foto: Peter Cuneo

Der Ballon landet sicher auf der Wiese bei Bastendorf im Norden Luxemburgs
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Der Ballon landet sicher auf der Wiese bei Bastendorf im Norden Luxemburgs
Die Crew nach der Landung in Luxemburg
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Die Crew nach der Landung in Luxemburg
Die Rekord-Piloten mit dem Luxemburger Ballon-Experten Claude Weber (Zweiter von rechts)
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Die Rekord-Piloten mit dem Luxemburger Ballon-Experten Claude Weber (Zweiter von rechts)
Die Wasserstoff-Balloncrew und ihr „Recovery Team
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Die Wasserstoff-Balloncrew und ihr „Recovery“-Team

© Foto: Alain Neuens

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