Eschs grüne Lungen
Im „Déierepark“ ist die Stadt plötzlich ganz weit weg
Seit mehr als 50 Jahren schon gewährt der „Déierepark“ auf dem „Gaalgebierg“ Tieren und Menschen einen Ort der Ruhe. All das nur einen Spaziergang bergauf vom Stadtzentrum entfernt.
Julie Melmer arbeitet auf dem pädagogischen Bauernhof und kümmert sich auch um das Wohlbefinden der Tiere dort Foto: Editpress/Kim Winkel
Wer sich auf den Weg hinaufmacht, der findet sich schnell fernab vom Straßenverkehr und etlichen Baustellen, versteckt zwischen den Bäumen, im Tierpark von Esch wieder. Der Lärm der Stadt wird hier durch Vogelgesang und das gelegentliche Meckern, Wiehern und Blöken der Tiere in ihren Gehegen ersetzt. Diese Art der Ruhe war bei der Entstehung des „Déiereparks“ das Ziel.
Eschs grüne Lungen
Parks, Wälder und kleine Grünflächen prägen das Leben in Esch – manche sichtbar, andere eher versteckt. In der Serie „Eschs grüne Lungen“ stellt das Tageblatt verschiedene Orte vor, spricht mit ihren Nutzern und zeigt, welche Bedeutung sie für Erholung, Stadtklima und Zusammenleben haben.
Der Park wurde Anfang der 1950er-Jahre als Erholungsort für die Escher Minenarbeiter konzipiert. Die Vision war es, den Arbeitern einen Ort inmitten der Natur, nicht allzu weit abseits der Stadt, zu bieten, an dem sie sich ausruhen konnten. „An dieser Grundidee hat sich eigentlich nichts geändert“, sagt Anne Meyers, die Verantwortliche des „Déiereparks“. „Die Leute kommen aus der Stadt hierher und fühlen sich rasch ganz wie in einer anderen Welt.“ Heute findet man auf dem rund zwei Hektar großen Gelände etwa 150 Tiere, die rund 25 Arten angehören. Der Park soll bewusst ein frei zugänglicher Ort mit kostenlosem Eintritt für alle bleiben.
Evolution des Tierparks
In den letzten Jahren hat sich im „Déierepark“ dennoch einiges getan. Seit den Modernisierungsarbeiten, die 2011 begannen, wurden die Gehege beispielsweise erweitert, um sie tiergerechter zu gestalten. 2016 wurde dann der pädagogische Bauernhof ins Leben gerufen, um Kindern die Tiere näherzubringen. Kurz darauf folgten das Baumhaus-Café und die daran angebauten Baumhäuser, in denen Besucher im Park und über den Tieren übernachten können. Inzwischen ist auch das Thema Artenschutz fester Bestandteil der Mission des Parks. Neben den einheimischen Nutztieren leben hier auch unter anderem die vom Aussterben bedrohten Poitou-Esel, eine französische Eselrasse. „Nur das, was man kennt, das schützt man auch“, erklärt Anne Meyers. Aus diesem Grund bietet der Park auch Führungen und pädagogische Aktivitäten für Schulklassen an.

Gemeinsam mit der Teamleiterin Lena Righetto (rechts) sorgt Anne Meyers (links) dafür, dass im Park alles rundläuft Foto: Editpress/Kim Winkel
Die Wunder der Natur
Dass der Park für viele Besucher als Rückzugsort dient, überrascht Lena Righetto nicht. Die Teamleiterin arbeitet seit zehn Jahren im „Déierepark“. „Man kann den Kopf zur Ruhe legen und das Wundern für sich wiederentdecken.“ Sei es beim Füttern der Tiere oder auch einfach beim Zusehen, wie die Ziegen miteinander spielen oder wie der Murmeltiernachwuchs seine Umwelt erforscht.
Zu den Besuchern gehört auch Gabi aus Zolwer. Zusammen mit ihren Enkelkindern kommt sie regelmäßig her, um die Tiere zu füttern. „Es tut ihnen gut, mal nicht vorm Fernseher zu sitzen.“ Sie selbst kennt den Park bereits seit ihrer Kindheit. „Es hat sich viel getan, alles ist größer geworden, das Gelände und die Vielfalt der Tiere hier“, erzählt sie. Früher sei sie dann nach der Arbeit immer zum Laufen auf den Gaalgebierg gekommen. „Die Natur hier ist einfach ein wichtiger Ausgleich für den Stadtmenschen.“

Gabi besuchte den Park schon als Kind Foto: Editpress/Kim Winkel
Wo fehlt es in Esch an Grün?
Kennen Sie Straßen und Plätze in Esch, an denen es an Grünflächen fehlt? Schicken Sie uns Ihre Hinweise und Fotos an redaktion@tageblatt.lu. Am Ende der Serie konfrontieren wir die politisch Verantwortlichen mit den genannten Problemstellen.