Autofestival 2026

Chinas E‑Autos drängen nach vorn – und Luxemburg schaut genau hin

Der Elektroauto-Boom stockt – doch während Europa zögert, drängen chinesische Hersteller selbstbewusst nach vorn. Warum sie ausgerechnet jetzt den Nerv des luxemburgischen Marktes treffen und was Käufer wirklich überzeugt, zeigt ein Blick hinter die Kulissen des Autofestivals.

Elektroautos aus China im Autofestival-Showroom, steigendes Interesse und Neugier bei Besuchern aller Altersgruppen

Elektroautos aus China sind beim Autofestival mittlerweile fester Bestandteil der Showrooms. Interesse und Neugier wachsen – quer durch alle Altersgruppen. Foto: Carole Theisen

Der Elektroauto‑Boom in Luxemburg hat 2025 erstmals an Tempo verloren. Nach Jahren rasanter Zuwächse sank der Anteil reiner E‑Autos an den Neuzulassungen leicht: 2025 wurden 12.664 reine Elektroautos neu zugelassen, etwas weniger als im Jahr zuvor. Der Marktanteil sank von 27,4 auf 26,9 Prozent. Gleichzeitig steigen jedoch die Gesamtzulassungen und vor allem Hybridfahrzeuge erleben einen anhaltenden Höhenflug.

Parallel dazu wächst ein Segment: chinesische Elektrofahrzeuge. Auf dem Autofestival zeigt sich, wie stark Marken wie BYD, Xpeng oder Nio inzwischen im Land angekommen sind – und wie sehr sie die Erwartungen der Kundschaft verschieben.

Brandon Saljihi analysiert aktuelle Trends und Veränderungen auf dem Automarkt aus nächster Nähe

Brandon Saljihi beobachtet die Veränderungen auf dem Automarkt aus nächster Nähe Foto: Carole Theisen

„Wir haben am 1. Januar 2024 mit den ersten chinesischen Modellen gestartet“, erzählt Brandon Saljihi, Sales Advisor bei Hedin Automotive in Luxemburg-Stadt. „Die Nachfrage ist seitdem explodiert.“ Die chinesischen Hersteller seien früh in die Elektromobilität eingestiegen, „mit einer Erfahrung, die wir in Europa erst aufbauen“, sagt er. „Nicht, weil europäische Autos schlecht wären – im Gegenteil. Aber die Chinesen bauen seit Jahren fast ausschließlich elektrisch. Diese Erfahrung sieht man.“

Preis, Technik, Tempo – ein neues Kräfteverhältnis

Während europäische Marken mit strengeren Normen und hohen Produktionskosten kämpfen, setzen chinesische Hersteller auf automatisierte Fertigung, hohe Stückzahlen und ein radikal vereinfachtes Modellangebot. Das Geld, das im Produktionsprozess gespart wird, wird in hochwertige Materialien wie Leder und – wenn auch nur wenig – Plastik investiert. „Bei uns wählt der Kunde die Außenfarbe und die Innenfarbe – fertig. Alles andere ist serienmäßig“, sagt Saljihi.

Werkstattleiter Joris erklärt moderne Fahrzeugausstattung in der Autowerkstatt deutlich verbessert

Werkstattleiter Joris: „Die Autos sind viel weiter in der Ausstattung“ Foto: Carole Theisen

Diese Einfachheit wirkt, gerade in einem Markt, der komplex geworden ist. Während europäische Hersteller immer häufiger Funktionen hinter Bezahlschranken und Software-Abos verstecken, setzen chinesische Marken auf Vollausstattung – ohne unerwartete Kosten. „Das ist Teil der Markteintrittsstrategie“, sagt Saljihi offen. „Man muss laut reinkommen.“ Ob das Modell langfristig so bleibt, sei unklar. „Aber im Moment überzeugt es.“

Es ist nicht so, dass etwas nicht hält, nur weil es aus China kommt. Im Gegenteil.

Joris

Werkstattleiter bei Hedin

Der technische Anspruch der Chinesen sei hoch. Das wissen vor allem jene, die Tag für Tag unter die Haube schauen. „Die Autos sind viel weiter in der Ausstattung, die Technik geht tiefer“, bestätigt Joris, Werkstattleiter bei Hedin. „Und qualitativ hält alles. Es ist nicht so, dass etwas nicht hält, nur weil es aus China kommt. Im Gegenteil.“

Die Technik hinkt also in nichts nach. Wobei Saljihi einen Punkt klarstellt: „Reichweite allein ist nicht mehr entscheidend. Ob 700 oder 800 Kilometer auf dem Papier – das interessiert weniger.“ Während europäische Modelle mit großen Reichweiten werben, setzen chinesische Hersteller auf kurze Ladezeiten. „Ein Xpeng G6 lädt in zwölf Minuten von zehn auf achtzig Prozent. Das ist der eigentliche Wettbewerb“, sagt Saljihi.

Luxemburgs Kundschaft wird neugierig

Auf dem diesjährigen Autofestival, das seit dem 24. Januar und noch bis zum 2. Februar inklusive landesweit läuft, zeigt sich ein Bild, das die Verkaufszahlen der letzten Monate bestätigt: Die Skepsis schwindet. Die Neugier wächst. Und die Zielgruppe ist breiter als erwartet.

„Es gibt keinen typischen Käufer. Wir haben Leute, die von Porsche kommen, und Leute, die von Ford kommen. Jünger, älter – alles dabei“, sagt Saljihi. Viele seien technikaffin oder bereits elektrisch unterwegs. Andere wollen einfach wissen, warum chinesische Modelle plötzlich überall auftauchen.

Manche E‑Autos sehen mir zu sehr nach Raumschiff aus. Hier fühlt es sich normaler an.

Thibault Weyer

Autofestival-Besucher

So auch Thibault Weyer, der überlegt, vom Verbrenner umzusteigen. „Ich lege eine Menge Kilometer im Jahr zurück, da muss man gut überlegen. Aus Neugier wollte ich mir ein chinesisches BYD-Modell anschauen“, sagt er. Was ihn überrascht hat: „Das Design wirkt weniger futuristisch als bei anderen Marken. Manche E‑Autos sehen mir zu sehr nach Raumschiff aus. Hier fühlt es sich normaler an.“ Auch in Sachen Innenraum hat er klare Erwartungen: „Bei manchen Modellen anderer Hersteller war ich enttäuscht von den Materialien. Der hier wirkt deutlich hochwertiger.“

„Keine 36 Knöpfe“

Claude und Gérald, zwei Arbeitskollegen, die gemeinsam über das Festival schlendern, sind bereits zum zweiten Mal am Stand chinesischer Marken. „Man hört überall davon und die Preise sind interessant“, sagt Claude. „Wir wollten wissen, ob die Autos wirklich mit europäischen Modellen mithalten.“

Ihr Eindruck: „Sie haben einen klaren Vorsprung.“ Claude ergänzt: „Du setzt dich rein und fühlst dich sofort wohl. Es ist einfach unkompliziert. Nicht wie bei manchen europäischen Modellen, wo du erst mal 36 Knöpfe suchen musst.“ Für beide zählen Design und Leistung. „Das Gesamtpaket stimmt einfach“, sagt Gérald.

Dass chinesische Hersteller in Luxemburg an Boden gewinnen, ist somit kein Zufall. Die Modelle sind vielfältig, vom City‑Stromer bis zum großen SUV, die Preise wettbewerbsfähig, die Ausstattung üppig und die Ladezeiten setzen neue Standards.

Gleichzeitig bleibt der Gesamtmarkt volatil. Der luxemburgische Elektroauto-Markt mag an Schwung verloren haben, aber er ist nicht stehen geblieben. Er wird realistischer, nüchterner – und globaler. Chinesische Hersteller sind keine sogenannte „exotische Alternative“ mehr, sondern Teil der neuen Normalität.

Brandon Saljihi fasst es zusammen: „Die Leute sehen die Autos auf der Straße, sie informieren sich, sie kommen wieder. Das Interesse in den vergangenen Monaten hat sich verdoppelt, wenn nicht verdreifacht.“

Auto mit Vollausstattung und sofort nutzbarer Technik ohne Zusatzkosten, keine langen Optionslisten nötig

Vollausstattung statt Optionslisten und Technik, die ohne Zusatzkosten sofort nutzbar ist Foto: Carole Theisen

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