„So einen Fall hat es noch nie gegeben“
„Chambre immobilière“ reagiert auf tödliche Messerattacke auf Limpertsberg
Die Tragödie auf dem Limpertsberg sei der erste bekannte Vorfall von körperlicher Gewalt gegen eine Maklerin, heißt es von der „Chambre immobilière“. Nun wünscht ihr Präsident ein Umdenken in der Branche.
In diesem Gebäude wurde am 27. Januar eine Immobilienmaklerin erstochen Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante
Bei einem Messerangriff auf dem Limpertsberg in der vergangenen Woche kam eine 35-jährige Immobilienmaklerin aus Frankreich ums Leben, eine Anwohnerin wurde schwer verletzt ins Krankenhaus eingeliefert. Auch wenn viele Details noch unklar sind, scheint sich der Mord während einer Wohnungsbesichtigung ereignet zu haben. Der Tatverdächtige, ein 27-jähriger Belgier, sitzt seitdem in Untersuchungshaft.
Tödliche Messerattacke
Schreckenstag auf Limpertsberg: Was die Behörden erst spät mitgeteilt haben
Laut dem Präsidenten der „Chambre immobilière“, Paulo Madureira, ist dies der erste bekannte Akt von körperlicher Gewalt gegen Immobilienmakler: „Es kommt manchmal vor, dass Kunden ein Fehlverhalten an den Tag legen. Doch so einen Fall hat es noch nie gegeben.“ Verbale Aggressionen und Bedrohungen seien zwar „Usus“, zu körperlicher Gewalt sei es jedoch nie gekommen.
Gefahrenanalyse vor Besichtigung
Es sei unmöglich, physische Angriffe komplett auszuschließen, dennoch gebe es Möglichkeiten, die Gefahr zu minimieren, sagt Madureira am Dienstag im Gespräch mit dem Tageblatt. „Es fängt mit einer guten Analyse des Kunden im Voraus an.“ Dazu gehörten etwa das Erbeten von Dokumenten wie Personalausweis, Arbeitsvertrag oder selbst Gehaltsnachweis, um sich ein Bild vom möglichen Mieter oder Käufer zu machen. Auch ein Videoanruf vor der ersten Besichtigung könnte sich für den ersten Eindruck als nützlich erweisen. „Wenn ich dann einen Kunden habe, der etwas seltsam ist, mache ich die Besichtigung nicht mehr alleine.“ Es sei jedoch finanziell nicht vertretbar, alle Termine zu zweit wahrzunehmen.
Zwar könnten die Makler im Notfall die Polizei rufen, diese sei jedoch nicht sofort vor Ort. „Eine andere Lösung ist es, einen Alarm dabei zu haben, der den Schuldigen durch lautes Klingeln verschreckt“, sagt Madureira. Sobald es zu einer Aggression kommt, sollten Makler sofort Anzeige bei der Polizei erstatten. Dabei sei es hilfreich, die Anzeige an die „Chambre immobilière“ weiterzuleiten. Diese könne dann die Mitglieder über potenzielle Risiken durch Kunden informieren, so Madureira.
Psychologische Unterstützung
Die „Groupe de support psychologique“ (GSP) der Feuerwehr (CGDIS) hilft Menschen, mit Unfällen oder anderen Situationen, in denen das eigene oder ein anderes Leben gefährdet wurde, umzugehen. Über die Notrufnummer 112 ist die GSP rund um die Uhr erreichbar. Der Dienst richtet sich neben Rettungskräften auch an Angehörige oder Zeugen. Diese Unterstützung sei jedoch auf die ersten Stunden nach einem traumatischen Erlebnis beschränkt. Anschließend gebe es andere Instanzen, schreibt die Pressestelle der Feuerwehr. Nach der Tragödie auf dem Limpertsberg leistete die GSP ebenfalls Hilfe.
Weitere Frau verletzt
Das beschädigte Fahrzeug, in dem die Frau saß Foto: Editpress/Tun Stemper
Bei seinem Fluchtversuch stieß der mutmaßliche Täter mit einem schwarzen Pkw zusammen. Wie L’essentiel am Dienstag mitteilte, habe in dem Fahrzeug eine Frau gesessen, die durch den Unfall Verletzungen an der Hand erlitt. Der Verdächtige habe in einer Sackgasse wenden müssen. In der Zwischenzeit sei die Frau aus dem Auto gestiegen und habe versucht, den Verdächtigen auf dem Rückweg zum Stehenbleiben zu bewegen. Dabei sei sie fast überfahren worden. Die Zeitung beruft sich auf den Anwalt der jungen Frau, die anonym bleiben wollte.