Massenschlägerei in Diekirch
Bürgermeister Weiler: „Die Brutalität ist kaum in Worte zu fassen“
Nach der brutalen Massenschlägerei vor der „Al Seeërei“ in Diekirch zeigt sich Bürgermeister Charles Weiler erschüttert. Er plant den Ausbau der Videoüberwachung vor Ort und hofft auf eine schnelle Aufklärung.
Charles Weiler, Bürgermeister von Diekirch: „Es muss klar sein: Wer solche Taten begeht, wird bestraft.“ Foto: Editpress/Julien Garroy
„Die Brutalität der Tat ist kaum in Worte zu fassen“, sagt der Diekircher Bürgermeister Charles Weiler am Mittwochmorgen gegenüber dem Tageblatt. Er habe mittlerweile Bilder der Schlägerei gesehen, die am Sonntag, dem 19. Juli, gegen 3.45 Uhr im Bereich der „Al Seeërei“ eskalierte. Nach ersten Erkenntnissen soll eine Gruppe von etwa 15 bis 20 Personen auf eine einzelne Person eingeschlagen haben. Das Opfer wurde lebensgefährlich verletzt und musste in ein Krankenhaus gebracht werden.
Details zur Identität des Opfers oder der Täter habe er nicht. „Die Ermittlungen laufen. Deshalb kann ich derzeit nichts dazu sagen.“ Die Veranstaltungen in der „Al Seeërei“ ziehen traditionell auch Gäste aus der Region und darüber hinaus nach Diekirch. „Wie es überhaupt dazu gekommen ist und was der Auslöser war, weiß ich ebenfalls nicht“, sagt Weiler.
Mehr Videoüberwachung
Ein Teil des Veranstaltungsgeländes sei bereits videoüberwacht. Sämtliche relevanten Aufnahmen seien von der Polizei angefordert und anschließend zur Verfügung gestellt worden. „Wir planen nun als Gemeinde, die Videoüberwachung auszubauen, sodass künftig nahezu alle Bereiche erfasst werden“, betont Weiler. Dadurch könne man künftig möglicherweise noch besser zur Aufklärung solcher Straftaten beitragen.
Der Bürgermeister unterstützt außerdem den Zeugenaufruf der Polizei. Wer Videoaufnahmen der Tat gemacht habe, solle diese den Ermittlern übermitteln. „Heute hat fast jeder sein Handy in der Hand“, sagt Weiler. Nach seinen Informationen seien bereits erste Videos bei der Polizei eingegangen. Diese könnten einen wichtigen Beitrag zur Identifizierung der Täter und zur Aufklärung des Falls leisten.
Dem Veranstalter macht der Bürgermeister keine Vorwürfe. „Die Party selbst war gegen drei Uhr morgens beendet. Was danach draußen passiert, liegt nicht mehr unbedingt in seiner Verantwortung“, so Weiler. Dennoch wolle die Gemeinde prüfen, ob in der Nacht alle Vorschriften vom Veranstalter eingehalten worden seien und organisatorisch alles ordnungsgemäß abgelaufen sei.
Extreme Brutalität
Ob Sicherheitskräfte die Tat hätten verhindern können, bezweifelt er. „Drei oder vier Sicherheitskräfte hätten bei einer Situation mit so vielen aggressiven Personen überhaupt nichts ausrichten können. In solchen Fällen braucht es die Polizei – und auch nicht nur eine einzelne Streife. Zwei Polizeibeamte können eine Massenschlägerei mit zahlreichen Beteiligten ebenfalls nicht allein stoppen.“
Immer wieder kommt Weiler im Gespräch auf die außergewöhnliche Brutalität der Tat zu sprechen: „Ich kann nur sagen, dass Gewalt in unserer Gesellschaft keinen Platz hat. Wir müssen ihr mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln entgegentreten. Ich hoffe, dass die Justiz den Fall vollständig aufklären wird und die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. Es muss klar sein: Wer solche Taten begeht, wird bestraft.“
Grundsätzlich habe seine Gemeinde kein Problem wegen Gewalttaten. Die Schlägerei am Sonntag sei „in dieser Größenordnung und Brutalität“ ein absoluter Einzelfall. „Natürlich hat es früher schon kleinere Schlägereien gegeben – das kommt leider überall vor. Aber das hier hatte eine ganz andere Dimension. So etwas kennen wir in Diekirch eigentlich nicht“, sagt Weiler. „Viele Bürger sprechen mich darauf an. Die Menschen sind schockiert und machen sich Sorgen. Das verstehe ich auch. Als Bürgermeister stellt man sich natürlich die Frage, wohin sich unsere Gesellschaft entwickelt. Trotzdem möchte ich betonen: Das ist kein alltägliches Problem in Diekirch.“