Richtungsweisende Abstimmung

Wahlkommission in Israel: Höchste Wahlbeteiligung seit Jahrzehnten

Die Wahlberechtigten in Israel stimmen über ein neues Parlament ab. Nach ersten Zahlen der Wahlkommission zeichnet sich eine hohe Beteiligung ab. In den Umfragen zeigt sich ein knappes Rennen.

Ein Mann gibt bei der Parlamentswahl in Israel in einem Wahllokal seine Stimme ab.

Ein Mann gibt bei der Parlamentswahl in Israel in einem Wahllokal seine Stimme ab. Foto: Ohad Zwigenberg/AP/dpa

Bei der Parlamentswahl in Israel verzeichnet die zentrale Wahlkommission nach eigenen Angaben zwei Stunden vor Schließung der Wahllokale die höchste Beteiligung seit Jahrzehnten. Bis 19.00 Uhr MEZ haben demnach bereits 74,3 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben. Zum Vergleich: Bei der letzten Wahl vor vier Jahren lag die Wahlbeteiligung zu dieser Uhrzeit bei 66,3 Prozent. Insgesamt stimmten damals 70,6 Prozent der Wahlberechtigten ab. Die Daten zur Wahlbeteiligung im Laufe des Tages werden seit 1973 erfasst.

Vor vielen Wahllokalen bildeten sich lange Schlangen, wie Augenzeugen aus der Küstenmetropole Tel Aviv oder der arabisch geprägten Stadt Taibe berichteten. In Tel Aviv berichteten Menschen, sie seien sehr aufgeregt.

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und seine Frau Sara Netanjahu gaben ihre Stimme in einem Wahllokal in Jerusalem ab. Sie appellierten: „Geht wählen!“ Auch sein wichtigster Herausforderer, der frühere Militärchef Gadi Eisenkot, rief zur Wahl auf. Er sagte: „In Israel weht ein Wind der Veränderung.“

Laut Medienberichten reisten zudem 70.000 Israelis aus dem Ausland an, um vor Ort ihre Stimme abzugeben. Eine Wahl im Ausland ist für die meisten nicht möglich.

Schicksalswahl für Israel

Die Parlamentswahl wird als Schicksalswahl für die innenpolitische und gesellschaftspolitische Ausrichtung des Landes bezeichnet. Eine Neuausrichtung der Palästinenserpolitik erwarten Experten nicht.

Letzten Umfragen vom Freitag zufolge zeichnet sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und dessen politischen Gegnern ab. Wichtigster Herausforderer ist der frühere Militärchef Gadi Eisenkot an der Spitze der Mitte-Partei Jaschar.

In Ramat Gan meldete das Nachrichtenportal „ynet“ den Tod eines 94 Jahre alten Wählers. Wie seine Tochter berichtete, brach der Mann nach der Rückkehr vom Wahllokal am Eingang seines Hauses zusammen.

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