Serbien nach Vucic
Was wollen die Studenten für ihr Land und was kommt jetzt?
Ob im Regierungs- oder Oppositionslager: Nichts bleibt in Serbien nach dem Erdrutschsieg der Studentischen Liste (SL) so, wie es war. Eine Wiederannäherung an die EU ist wahrscheinlich, aber nicht ausgemacht.
Verbranntes Wahlplakat der Vucic-Partei SNS vor dem Parlament in Belgrad Foto: AFP/Andrej Isakovic
Sieger feiern immer länger. Noch einmal stimmten Zehntausende von Anhängern auf der „Afterparty“ von Serbiens Studentischer Liste (SL) auf dem Belgrader Slavija-Platz am Montagabend ihre Spottgesänge auf den autoritären Ex-Präsidenten Aleksandar Vucic und seine abgewählte SNS an. Doch trotz des Erdrutschsiegs der SL bei den vorgezogenen Parlamentswahlen ist noch immer ungewiss, in welche Richtung der bisher zwischen Ost und West lavierende EU-Anwärter steuern und wie er künftig regiert werden wird.
Was folgt nach dem Ende der über 14-jährigen Vucic-Ära? Erstmals wird eine von Studenten geführte Protestbewegung ohne klare hierarchische Strukturen und Anführer mithilfe von fachkundigen Politiklaien ihres Vertrauens die Macht übernehmen. Die historische Premiere hat für tektonische Verschiebungen im bisherigen Regierungs- und Oppositionslager und für ein faktisches Zweiparteienparlament gesorgt: Außer den Abgeordneten der ethnischen Minderheiten sind dort nur noch die SL und die SNS vertreten.