Nach Brand in Crans-Montana

Untersuchungshaft für Schweizer Barbetreiber beantragt

Kaum ist die Trauerfeier für die 40 Todesopfer des Infernos von Crans-Montana vorbei, rücken die Ermittlungen gegen den Barbetreiber in den Mittelpunkt. Die Staatsanwaltschaft sieht Fluchtgefahr.

Jacques und Jessica Moretti, Bar Le Constellation Besitzer, bei Anhörung Staatsanwaltschaft Kanton Wallis Sion am 9. Januar 2026

Die Besitzer der Bar „Le Constellation“, Jacques Moretti und Jessica Moretti, kommen am 9. Januar 2026 zu einer Anhörung bei der Staatsanwaltschaft des Kantons Wallis in Sion Foto: Fabrice Coffrini/AFP

Im Zuge der Ermittlungen zur Brandkatastrophe in einer Schweizer Bar ist Untersuchungshaft für den Barbetreiber beantragt worden. Es bestehe Fluchtgefahr, teilte die Staatsanwaltschaft des Kantons Wallis mit.

„Aufgrund seiner Aussagen, seines bisherigen Lebenslaufes sowie seiner persönlichen Situation in der Schweiz und im Ausland erachtete die Staatsanwaltschaft die Fluchtgefahr als konkret“, teilte die Behörde weiter mit. Dies gelte nicht für seine Frau.

Bei dem Inferno in der Silvesternacht waren 40 meist junge Menschen ums Leben gekommen, fast 120 wurden zum Teil schwer verletzt. Laut Ermittlern hatte eine funkensprühende Partyfontäne die Schaumstoffverkleidung der Decke der Bar „Le Constellation“ in Brand gesetzt.

Barbetreiberin: „Unvorstellbare Tragödie“

Gegen das Betreiber-Ehepaar hatte die Justiz jüngst Ermittlungen wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung, der fahrlässigen Körperverletzung und der fahrlässigen Verursachung einer Feuersbrunst gestartet. Auch die Behörden selbst stehen im Fokus. Aus noch ungeklärten Gründen waren die Brandschutzmaßnahmen des Lokals vorschriftswidrig jahrelang nicht von den zuständigen Stellen geprüft worden

Die Frau, Jessica Moretti, entschuldigte sich unter Schluchzen. „Das ist eine unvorstellbare Tragödie. Niemals, wirklich niemals im Leben hätten wir uns das vorstellen können“, sagte die Barbetreiberin nach einer Befragung bei der Staatsanwaltschaft in Sion vor Medien. „Das ist in unserer Einrichtung passiert, und ich möchte mich entschuldigen.“ Ihre Gedanken seien die ganze Zeit über bei den Opfern und denjenigen, die mit den Folgen der Katastrophe zu kämpfen hätten.

Bundespräsident fordert lückenlose Aufklärung

Bei einer Trauerfeier für die Brandopfer forderte der Schweizer Bundespräsident Guy Parmelin eine lückenlose Aufklärung des Geschehens. Verfehlungen seien „ohne Verzögerung und ohne Nachsicht“ aufzudecken. Es gelte, Lehren zu ziehen und künftig für die größtmögliche Sicherheit in öffentlichen Einrichtungen zu sorgen, sagte Parmelin.

Der Regierungschef des Schweizer Kantons Wallis, Mathias Reynard, bat bei der Trauerfeier die Angehörigen um Entschuldigung.

1 Kommentare
Guy Mathey 09.01.202618:13 Uhr

Dieser Schritt war wohl längst überfällig, insbesondere, da Familie Moretti, welche die französische Staatsbürgerschaft besitzt wohl nicht an die Schweiz hätte ausgeliefert werden können, falls sie sich denn nach Frankreich abgesetzt hätte. Jetzt muss die Justiz ihre Arbeit machen und die Verantwortlichkeiten ermitteln. Es mutet allerdings seltsam an, dass ein Typ, wie Moretti, welcher wegen schwerer Verbrechen bereits im Gefängnis sass, in der Schweiz erfolgreich Geschäfte machen durfte...

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