IS-Gefängnis
Syrische Behörden bestätigen Massenflucht von Dschihadisten-Angehörigen aus Lager Al-Hol
Dieses Bild zeigt eine Ansicht des Lagers Al-Hol im Nordosten der Provinz Hasakeh am 24. Februar 2026 Foto: AFP
Nach der Übernahme des zuvor von kurdischen Kräften kontrollierten berüchtigten Lagers Al-Hol hat das syrische Innenministerium eine Massenflucht von Angehörigen dschihadistischer Kämpfer bestätigt. Bei ihrem Eintreffen vor Ort hätten die Streitkräfte „Fälle von kollektiver Flucht“ aus Al-Hol festgestellt, erklärte ein Ministeriumssprecher am Mittwoch vor Journalisten.
Zur Begründung sagte er, das Lager sei „willkürlich“ geöffnet worden. Die zuvor für dessen Kontrolle zuständigen Kämpfer der Demokratischen Kräfte Syriens (SDF) hätten sich „plötzlich“ und ohne vorherige Absprache mit den syrischen Behörden oder der internationalen Anti-IS-Koalition zurückgezogen. Tausende Frauen und Kinder entkamen aus dem Lager, die dort verbliebenen Menschen wurden syrischen Regierungsangaben zufolge in eine andere Einrichtung im Norden des Landes gebracht.
Mehr als 138 Durchbrüche
Der Ministeriumssprecher fügte an, nach dem Rückzug der kurdischen Kräfte seien „mehr als 138 Öffnungen“ in der rund 17 Kilometer langen Außenbegrenzung des Lagers festgestellt worden. Dies habe die Flucht „mithilfe von Netzwerken“ erleichtert.
Das Lager Al-Hol in der syrischen Provinz Hasakeh war von kurdischen Kämpfern eingerichtet und jahrelang kontrolliert worden. Diese hatten den Kampf gegen den IS in Syrien angeführt und waren dabei von einer internationalen Militärkoalition unter Führung der USA unterstützt worden.
Al-Hol war das größte Lager für Familien von IS-Kämpfern in der Region. Zuletzt lebten dort laut dem Innenministerium in Damaskus 23.500 Menschen, hauptsächlich Syrer und Iraker – sowie rund 6.500 Ausländer aus 44 Staaten. Auch die Familie des in Luxemburg verurteilten IS-Terroristen Steve Duarte hielt sich mutmaßlich in dem Lager auf.
Wegen einer Offensive syrischer Regierungstruppen im bisherigen kurdischen Autonomiegebiet im Nordosten Syriens zogen sich aber die kurdisch dominierten Demokratischen Kräfte Syriens (SDF) im Januar aus Al-Hol zurück. Die syrische Regierung übernahm daraufhin die Kontrolle über das Lager.
Nach dem Einrücken der syrischen Regierungstruppen in das bisherige kurdische Autonomiegebiet verlegte das US-Militär seinerseits nach eigenen Angaben mehr als 5.700 Insassen in den Irak. Damit sollte deren weitere Überwachung sichergestellt werden.